Ryanair-Chef O'Leary im Interview: „Air Berlin? Will ich nicht“
zuletzt aktualisiert: 18.06.2008 - 14:18Frankfurt/M. (RP). Ryanair-Chef Michael O’Leary sind die Spritpreise egal. Sein Kalkül: Je teurer das Kerosin, desto mehr Airlines gehen Pleite. Er selbst denkt über die Gründung eines neuen Billig-Langstreckenfliegers nach.
Ryanair-Chef Michael O’Leary gilt als Erfinder des Billigfluggeschäfts. Damit machte er aus einem Sanierungsfall die drittgrößte Fluggesellschaft Europas und eine der profitabelsten in der Welt. Wir sprachen mit dem Iren an Bord seiner Privatmaschine.
Sie sagten einmal, dass Ryanair bei einem Rohölpreis von 130 Dollar kein Geld verdient. Jetzt steht der Preis bei 140 Dollar. Was nun?
O’Leary: Ganz einfach. Wir machen keinen Gewinn.
Was sagen Ihre Aktionäre dazu?
O’Leary: Ich halte selber fünf Prozent. So lange die anderen Fluggesellschaften noch größere Probleme haben, profitieren wir ja davon.
Wie meinen Sie das?
O’Leary: Derzeit gehen eine ganze Menge Fluglinien in die Knie. Die haben keine Antwort auf die Krise und erhöhen einfach ihre Kerosinzuschläge immer weiter. Bis alle Kunden weggelaufen sind.
Warum sollten die Preisflüchtlinge ausgerechnet zu Ihnen kommen?
O’Leary: Wir sind die billigsten. Wir haben unsere Kosten so weit im Keller, dass wir keine Kerosinzuschläge brauchen. Jetzt nicht, und bei einem Ölpreis von 200 Dollar auch nicht. Ich sage sogar: Nie.
Also ist Ryanair die einzige Fluggesellschaft der Welt, deren Ticketpreise in diesem Jahr nicht steigen?
O’Leary: Doch. Im Schnitt um fünf Prozent. So lange unsere Tickets billiger sind als alle anderen, spielt das aber keine Rolle.
Spielt es doch. Sie haben mit dem Billigfliegen neue Kundschaften erschlossen, die zu traditionellen Ticketpreisen nicht mehr fliegen.
O’Leary: Stimmt. Das unterste Marktsegment wackelt. Aber das kompensieren wir mit Geschäftskunden von Lufthansa. Die sehen nicht ein, warum sie für ihre Tickets ständig steigende Kerosinzuschläge zahlen sollen. Unser Geschäftskundenanteil auf der Strecke Frankfurt-Berlin liegt schon bei 40 Prozent.
Geschäftskunden interessieren sich nicht für „Düsseldorf-Weeze“. Die wollen direkt nach Düsseldorf.
O’Leary: Wenn Air Berlin erst einmal Pleite ist, wird Düsseldorf uns ein attraktives Angebot machen.
…Air Berlin Pleite?
O’Leary: Ich gebe Air Berlin noch vier bis fünf Jahre. Die haben im vergangenen Jahr bei einem Ölpreis von 65 Dollar kein Geld verdient und werden jetzt bei 140 Dollar auch kein Geld verdienen. Da fehlt ein klares Geschäftsmodell. Ein bisschen Billigflieger, ein bisschen Business-Class, eigentlich nur Kurz- und Mittelstrecke fliegen wollen und dann die LTU-Langstrecke kaufen – das passt alles nicht zusammen. Die verschwinden oder werden gekauft. Von der Lufthansa oder so.
Warum nicht selbst kaufen?
O’Leary: Will ich nicht haben. Nicht mal geschenkt. Wir kaufen keine Passagiere. Die kommen von selbst.
Warum finden Sie sich selbst so toll?
O’Leary: Wir sind konsequent. Wir können nur billig, und wir machen nur billig. Flugzeuge sind Busse mit Flügeln. Mach‘ sie voll. Das ist alles.
Wie stark werden Sie wachsen?
O’Leary Bis 2012 werden wir Verkehr und Gewinn verdoppeln. Hängt auch davon ab, wie schnell die anderen Pleite gehen.
Wann kommt das 10-Euro-Ticket nach New York?
O’Leary Wir denken über einen neuen Langstrecken-Billigflieger nach. Aber wenn, wird das eine eigene Gesellschaft. Ryanair selbst fliegt aus Kostengründen nur Boeing 737. Damit kann man maximal 4,5 Stunden fliegen. Von Bremen nach Fuerte, mehr ist mit uns nicht drin.
Thomas Reisener führte das Gespräch


