Gift in Kabinenluft: Airlines fürchten neue Sicherheitsdebatte
zuletzt aktualisiert: 12.08.2010 - 07:46Hamburg (RPO). Die deutschen Fluggesellschaften fürchten eine neue Sicherheitsdebatte, die zu einem massiven Reputationsverlust und Passagierrückgängen führen könnte. Hintergrund sind Berichte über Giftstoffe in der Kabinenluft, die als Ursache von Erkrankungen von Piloten und Flugbegleitern diskutiert werden.
In einem dem Radioprogramm NDR Info vorliegenden vertraulichen Papier des Bundesverbandes deutscher Fluggesellschaften (BDF) äußern sich die Mitgliedsunternehmen besorgt über ein "potenzielles Aufflammen der öffentlichen Diskussion" über dieses Thema.
Nach Angaben von Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), gibt es weltweit schon mehr als 500 Fälle, in denen Besatzungsmitglieder Erkrankungen auf das Einatmen von Giftstoffen in der Kabinenluft zurückführen. Betroffen seien auch Passagiere.
Konstruktionsbedingt werde den Angaben zufolge die Kabinenluft bei Verkehrsflugzeugen am Triebwerk gezapft. Unter bestimmten Umständen können Öldämpfe und damit Schadstoffe wie das Nervengift TCP in die Kabine gelangen. Die Fluggesellschaften verweisen in dem Papier jedoch darauf, dass "zur spezifischen Frage der Gesundheitsgefährdung bei Menschen durch Spuren von TCP in Flugzeugkabinen bisher weltweit keine wissenschaftlich fundierten Ergebnisse" vorlägen. Zudem sei es teuer, solchen Zwischenfällen vorzubeugen, heißt es in dem unter Verschluss gehaltenen Dokument.
Handwerg kritisierte die Angst der Fluggesellschaften vor negativen Auswirkungen aufs Geschäft. "Dabei ist es ein Problem, das Tausende von Flugzeugen weltweit betrifft. Trotzdem möchte man kein Geld ausgeben. Wir fordern eine unabhängige und umfassende Untersuchung der Kausalkette Kontamination der Luft bis hin zum Krankheitsbild."
Eine BDF-Sprecherin wollte zu den Inhalten des vertraulichen Dokuments nicht Stellung zu nehmen. Es handele sich bei dem Papier um einen "allerersten Entwurf".



