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Besuch in der einer der ältesten Städte überhaupt: Aleppo: Ein Kleinod des Orients

VON KLAUS THIELE - zuletzt aktualisiert: 03.06.2003 - 10:24

Aleppo ist eine der ältesten Städte auf der Erde. Ein Bummel durch ihre Suks gleicht einem Trip in eine andere Welt.

Wer in Apleppo beizeiten aus den Federn will, der braucht keinen Wecker. Schon in aller Frühe macht ihn der „Chor“ der Muezzine munter. Von den Minaretten, vor allem der Altstadt, wird laut zum Morgengebet gerufen. Aleppos Altstadt ist etwas Einzigartiges im Nahen Osten, Weltkulturerbe der Unesco und so geschlossen erhalten, wie kaum eine andere. Aber das 300 Kilometer lange Gassengewirr wurde lange vernachlässigt. Wasserleitungen verrotteten, Fundamente wurden unterspült, Häuser bekamen Risse. Wer es sich leisten konnte, zog weg. Von 1970 bis 1994 verließ ein Drittel der Einwohner die Altstadt. Heute leben nur noch 110000 Menschen dort.

Die negative Entwicklung wurde in den letzten Jahren gestoppt durch das wohl ehrgeizigste Stadtsanierungsprojekt in der arabischen Welt. Aleppos Altstadt wird mit Hilfe der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) wieder zu einem orientalischen Kleinod. Das Geld dafür kommt auch von arabischen Fonds und Helfern wie dem deutschen Verein der Freunde Aleppos. „Hier sieht man endlich mal Ergebnisse“, freut sich GTZ-Vertreter Meinholf Spiekermann. Nicht einzelne Vorzeige-Fassaden werden herausgeputzt, sondern ganze Straßenzüge und Plätze, selbst engste Gassen gründlich restauriert. Die Altstadt soll dadurch als Wohngebiet erhalten werden. „Die Leute müssen in ihren Häusern bleiben, das ist das Wichtigste“, meint Bürgermeister Bassam Beiruti, ein Architekt. 4000Privathäuser sind zu sanieren, 240 historische Monumente stehen auf der Liste der Planer.

Erstmals gab es eine Bürgerbeteiligung. Das war zunächst problematisch, denn die Leute waren es nicht gewohnt, nach ihrer Meinung gefragt zu werden. Aber nun weicht die Zurückhaltung, denn alle sehen, dass ihre Altstadt wieder lebenswert wird. Das ist ganz wichtig auch für das „Herz“ Aleppos, den größten Basar der Welt, der bei weiterem Ausbluten der Altstadt seinen traditionellen Charakter verlieren würde. Ein zwölf Kilometer langer Irrgarten alter, mit Steingewölben überdachter Suks das findet man so unverfälschlich nirgendwo mehr.

Gut erhalten sind auch noch einige der einst 22 Khane. Das sind die alten Karawansereien mit Ställen, Warenlagern, Kontoren und Schlafräumen. Venezianer, später auch Engländer, Franzosen und Niederländer hatten sich schon früh Niederlassungen in Aleppo gesichert und besaßen eigene Khane. Musterbeispiel ist der gut erhaltene Khan al-Wazir, ältester der Khan al-Gumruk von 1574. Diese Bauwerke erinnern an Aleppos Glanzzeit als Anlaufpunkt der Kamelkarawanen zwischen Mittelmeer und Mesopotamien, als Drehscheibe des Handels zwischen Europa und Asien. Berufsgruppen wie Goldschmiede, Schuhmacher, Stoff- und Wollhändler, Kupferschmiede, haben teilweise noch ihren eigenen Bereich. Und alle Wohlgerüche Arabiens erwarten den Basar-Bummler bei den Parfüm- und Gewürzhändlern oder den Seifenverkäufern. Aleppos Olivenseife ist eine Berühmtheit. Ganz in der Nähe wird sie noch in einem einstigen Khan hergestellt. Sehenswürdigkeiten wie die Omayaden-Moschee mit dem Minarett aus der Mamelucken-Zeit liegen unmittelbar neben dem Basar. Orientierungsachse ist immer wieder der Suk az-Zarb, auch Suk al-Madina genannt, der 800 Meter schnurgerade vom Stadttor Bab Antakiye auf die Zitadelle zuläuft.

Die Zitadelle auf dem die Altstadt überragenden Burghügel, erbaut vom Saladin-Sohn-Ghazi und nur von den Mongolen erobert, ist die imposanteste Festungsanlage der arabischen Welt. Es lohnt sich hinauf zu steigen, nicht nur wegen des restaurierten mameluckischen Thronsaales, der Ruinen von Palast und Abraham-Moschee. Grandios ist der Blick über „die Graue“, wie die Stadt wegen der Häuser aus blassem Kalkstein genannt wird.

Aleppo ist eine der ältesten Städte der Welt, war schon 1800 v.Chr., also rund 1000 Jahre vor der Gründung Roms, Residenzstadt des Königreiches Jamschad. Weit geht der Blick über die Altstadt, das Christenviertel Dschdeide mit den stolzen Bürgerhäusern. Und man sieht, wie diese Stadt in den letzten Jahrzehntenten ins Kraut geschossen ist von 250000 Einwohnern im Jahre 1970 auf 2,5 Millionen.

Vom Basar-Bummel erholen kann der Tourist sich im Café zwischen der Zitadelle und Kunsthandwerker-Kahn asch-Schouna. Dort schaut der Fremde fasziniert auf die Passanten verschleierte Frauen neben jungen Mädchen im Minirock. Das ist inzwischen ein ganz normales Bild in Aleppo.

Und wer sich im Schatten der Zitadelle vielleicht beim Rauch einer Wasserpfeife nicht genug erholt, dem bleibt noch ganz in der Nähe ein Besuch im restaurierten Hammam al-Labadiye, ein altes Badehaus, in dem der Gast sich kräftig durchwalken lassen kann. Wellness auf Orientalisch.


 
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