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Naturschauspiel außer Plan: Argentinischer Gletscher birst erstmals im Winter

zuletzt aktualisiert: 09.07.2008 - 08:39

Buenos Aires (RPO). Wenn die Eismassen des Gletschers Perito Moreno ins Wasser stürzen, ist das ein riesiges Spektakel in Argentinien. Zehntausende Touristen verfolgen das Naturschauspiel jedes Jahr. Das dürfte in diesem Jahr nicht der Fall sein. Normalerweise lösen sich die Eisbrocken während der Sommermonate. Doch jetzt ist Winter auf der Südhalbkugel.

Dieses Jahr werden wohl hauptsächlich die Einheimischen im dünn besiedelten Patagonien Zeugen des Phänomens: Zur Überraschung der Fachwelt fiel der erste, tausende Tonnen schwere Eisbrocken am Sonntag und damit erstmals im Winter statt im Sommer in das Wasser des Lago Argentino, Argentiniens größten See. Experten vermuten deshalb einen Zusammenhang mit dem Klimawandel.

"Es ist das erste Mal, dass der Gletscher im Winter bricht. Das könnte mit der Erderwärmung zu tun haben, denn der Anstieg der Temperatur wirkt sich auf die Widerstandsfähigkeit des Eises aus", sagt Carlos Corvalán, der Leiter des Nationalparkes Los Glaciares in der Provinz Santa Cruz. "Gewöhnlich bricht der Gletscher im Sommer, wenn das Eis nicht so stabil ist. Offensichtich ist es nicht mehr so fest wie bisher."

400 Jahre altes Eis ist brüchig

Der Gletscher Perito Moreno, 2800 Kilometer südlich der Hauptstadt Buenos Aires, dehnt sich auf 275 Quadratkilometern aus - sein Name erinnert an einen der Pioniere bei der Erforschung Patagoniens. Seine Eismassen rücken kontinuierlich vor und schneiden dabei einen Nebenarm des Sees Lago Argentino ab, den Brazo Rico. Das Wasser staut sich, bis es sich seine Bahn bricht und die Eisbarriere zusammenstürzen lässt. Normalerweise ist es alle vier bis sechs Jahre so weit. Zuletzt stürzten die riesigen Eisbrocken im März 2006 in den See - eine beeindruckende Szene, schließlich ist die Gletscherzunge 60 Meter hoch. Tausende Besucher und Millionen Fernsehzuschauer verfolgten damals das Schauspiel.

Die Forscher beobachten seit mehreren Jahren, wie rund hundert Gletscher in Südamerika, aber auch in Europa, kleiner werden. Laut dem Institut für Schnee, Gletscher und Umweltstudien im westargentinischen Mendoza sind die Eismassen in Patagonien in den vergangenen 20 Jahren zwischen zehn und 20 Prozent geschrumpft. Das Wissenschaftszentrum CADIC macht dafür den Klimawandel verantwortlich. Auch Francisco Ferrando, Professor für Gletscherkunde im benachbarten Chile, bringt das Schrumpfen in Zusammenhang mit der Erderwärmung.

Ein Mitarbeiter des Nationalparks Los Glaciares hat dagegen eine viel einfachere Erklärung: Mehrere Faktoren können dazu geführt haben, dass der Gletscher im Winter breche, sagte er - "einer davon ist, dass Perito Moreno 400 Jahre alt und das Eis brüchig geworden ist."

Quelle: afp

 
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