Erhöhung Mitte Dezember: Bahn gibt neue Ticketpreise bekannt
zuletzt aktualisiert: 29.08.2008 - 15:47Berlin (RPO). Die Deutsche Bahn AG erhöht ab Mitte Dezember ihre Ticketpreise in der zweiten Klasse um durchschnittlich 3,9 Prozent. Dies gab das Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch am Freitag in Berlin bekannt.
Bahnfahren wird deutlich teurer. Für den Fahrkartenkauf am Schalter kassiert die Bahn bald eine zusätzliche Servicegebühr von 2,50 Euro pro Ticket. Dies gab der Konzern am Freitag in Berlin bekannt. Überdies verteuern sich ab Mitte Dezember sämtliche Tickets um durchschnittlich 3,9 Prozent. Auch die BahnCard kostet dann im Schnitt 3,6 Prozent mehr.
Linke, Grüne und Umweltverbände rügten den Aufpreis beim Schalterkauf und die Preiserhöhungen zum Fahrplanwechsel kurz vor Weihnachten als "gnadenlose Abzocke". Die Bahn rechtfertigte beides mit gestiegenen Energie- und Personalkosten.
Wie Bahnvorstand Karl-Friedrich Rausch berichtete, wird der "Bedienzuschlag" von 2,50 Euro nicht nur am Schalter im Reisezentrum erhoben, sondern auch bei der telefonischen Buchung. Behinderte seien allerdings befreit. Er verwies darauf, dass schon jetzt knapp 60 Prozent der Tickets im Internet oder am Automaten gekauft werden, wofür weiter kein Zuschlag fällig wird.
Auch im Regionalverkehr wird es durchschnittlich 3,9 Prozent teurer. Die Ländertickets kosten ab dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember einen Euro mehr, beim Schönes-Wochenende-Ticket kommen zwei Euro obendrauf.
Zu den steigenden Preisen sagte Rausch, unterm Strich kämen Bahnfahrer immer noch günstiger weg als Autofahrer oder Flugreisende, die noch stärker unter den Rekord-Ölpreisen litten. Wie viel Geld die Erhöhungen dem Konzern insgesamt in die Kasse spülen werden, wollte der Manager nicht sagen.
Mit dem neuen Aufschlag von 2,50 Euro für den Schalterverkauf will die Bahn eine sogenannte "Standortgarantie" für ihre gut 400 Reizezentren finanzieren. Wie lange der Erhalt der Beratungszentren gesichert wird, lässt der Konzern aber offen.
Nach der Preiserhöhung verteuert sich eine einfache ICE-Fahrt zweiter Klasse von Hamburg nach München um fünf Euro; bei der Strecke Frankfurt-Berlin sind es vier Euro, und zwischen Hamburg und Hannover kommt ein Euro hinzu. Eine BahnCard 25 für die zweite Klasse kostet ab Mitte Dezember dann 57 statt bisher 55 Euro.
Ebenfalls zum Fahrplanwechsel richtet die Bahn ein neues einheitliches Telefonportal ein. Unter der Nummer 01805-996633 werden dann alle wichtigen Leistungen für 14 Cent pro Minute angeboten, von der Auskunft über den Fahrscheinkauf bis hin zur Radfahrer-Hotline.
Auch Internetnutzer sollen ab Jahresende einfacher an Fahrkarten kommen, denn die Bahn-Homepage wird neu gestaltet. Zudem stellt die DB bis 2011 für rund 150 Millionen Euro eine neue Automatengeneration auf. Von den insgesamt über 7.000 neuen Automaten stehen schon 2.200. Reisende sollen künftig auch hier schnell an Sparpreise und das Angebot Dauer-Spezial kommen, und nicht nur im Internet.
"Gnadenlose Abzocke"
Der Umweltverband NABU kritisierte die Preiserhöhung. Damit verabschiede sich die Bahn endgültig vom Ziel, mehr Menschen von der Straße auf die umweltfreundliche Schiene zu holen, erklärte Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Der Konzern fokussiere sich wegen des geplanten Börsengangs im Herbst offensichtlich ganz auf schwarze Zahlen. Miller nannte es verbraucherfeindlich, dass künftig auch für normale Fahrkarten beim Kauf am Schalter grundsätzlich 2,50 Euro Aufpreis erhoben wird. Das komme bei Fernverkehrsverbindungen unter 100 Kilometern einer Erhöhung um über 25 Prozent gleich.
Der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann nannte die Preiserhöhung und die neue Servicegebühr von 2,50 Euro am Schalter "eine gnadenlose Abzocke". Wer ein gutes Serviceunternehmen sein wolle, dürfe seine Kunden nicht dafür bestrafen, persönlich bedient werden zu wollen. Mit Automaten kämen insbesondere ältere Menschen nicht zurecht. Sein Fazit: "Die Bahn vergrault damit viele ihrer treuesten Fahrgäste."


