Schalter statt Counter: Bahn will Englisch abschaffen
zuletzt aktualisiert: 16.02.2010 - 16:18Düsseldorf (RPO). Das Ticket gibt es am Counter, Call-a-Bike heißt das Mietrad-Angebot: Wer kein Englisch kann, versteht bei der Bahn oft wirklich nur Bahnhof. Das will das Transportunternehmen nun ändern. Bald heißt es wieder Schalter statt Counter, auf englische Ausdrücke soll weitgehend verzichtet werden.
Das dürfte nicht nur Fremdsprachenunkundige freuen. Denn Beschwerden über Unverständliches bei der Bahn gab es einige. Der neue Sprach-Kurs dürfte auch Wasser auf die Mühlen von Sprachkritikern sein. Statt bei der Hotline sollen Kunden wieder bei der Service-Nummer anrufen. Der Flyer nennt sich Broschüre oder Handzettel. „Lediglich seit langem eingeführte und gebräuchliche Begriffe wie Bahncard oder Intercity bleiben“, erklärte Bahnsprecher Reinhard Boeckh unserer Redaktion.
Anlass für das Engagement der Bahn für die deutsche Sprache war die Beschwerde des CSU-Bundestagsabgeordneten Ernst Hinsken. Dieser hatte sich über die Verwendung des Begriffes "Kiss & Ride" für eine von ihm angeregte Kurzzeitparkzone am Bahnhof der niederbayerischen Stadt Straubing beschwert.
Bahnchef Rüdiger Grube zeigte in einem Brief Verständnis für den Einwand. Das Unternehmen habe den Handlungsbedarf erkannt und empfehle inzwischen ausdrücklich den Verzicht auf Anglizismen, hieß es. Die Richtlinien für die Kommunikation würden unabhängig von dem Vorfall aber schon seit einiger Zeit umgearbeitet, erklärte Unternehmenssprecher Boeckh.
Die Bahn hatte in den vergangenen Jahren viele englische Begriffe in ihrer Kundenkommunikation eingeführt. Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte 2007 vom Verein Deutsche Sprache sogar den Titel "Sprachpanscher des Jahres" verliehen bekommen.
In einem Punkt bleibt Englisch der Bahn aber erhalten. Auf die oft belächelten Zugdurchsagen in akzentreichem Englisch wird wegen der ausländischen Reisenden auch künftig nicht verzichtet.



