Erstes Easy Hotel in Deutschland eröffnet: Berlin: Hotelzimmer ab zehn Euro
VON ROBERT RIST - zuletzt aktualisiert: 09.03.2010 - 10:33Berlin/Düsseldorf (RP). In der Hauptstadt ist am Montag das erste Easy Hotel eröffnet worden. Die Low-Budget-Herberge wirbt mit neuen Tiefpreisen. Wie bei Billigfluglinien schon üblich, kommen zum Grundpreis weitere Kosten: Wer fernsehen möchte, der zahlt sieben Euro extra.
Ein großer orangefarbener Schriftzug an der Außenwand sticht ins Auge. Der Boden in der Lobby ist bedeckt mit vielen großflächigen Fliesen, an der Wand steht eine kleine, karge Rezeption - schön ist anders. Für unschlagbare zehn Euro pro Person im Doppelzimmer sollen Gäste in Berlin künftig so übernachten. Aber auch nur, wenn früh gebucht wird. Ansonsten kann der Zimmerpreis schnell auf 65 Euro ansteigen. Buchungen können nur übers Internet vorgenommen werden. Als Motto gilt: je früher, desto günstiger.
Das Hotel gehört zur Easy Gruppe - wie die Billigfluglinie Easy Jet - und wird in Deutschland als Franchiseunternehmen von i.gen hotels GmbH geführt. „Wir wollen in diese neue Nische im Low-Budget-Markt stoßen“, erklärt Achim Marowsky, Geschäftsführer von i.gen hotels GmbH. „Gewollt spärlich“, so bezeichnet er die Zimmer und untertreibt nicht: Maximal zehn Quadratmeter misst eines der 125 recht schmalen Doppelzimmer. Es gibt keinen Aufenthalts-, Essens- oder Konferenzraum, eine kleine Rezeption ist für zwei Mitarbeiter vorgesehen. Ein Snackautomat soll Hungrigen und Durstigen helfen.
Das Hotel funktioniert nach demselben Prinzip wie Billigfluglinien. Und genauso wie dort ist die Ausstattung auf das Nötigste beschränkt. Wer mehr will, muss draufzahlen. „Wir stellen uns anders auf, als unsere Konkurrenten wie Ibis- oder Etap-Hotels“, sagt Marowsky. Das heißt im Klartext: kein Frühstück, anderes gegen Aufpreis: Fernsehen (sieben Euro pro Tag), Wireless-LAN (drei Euro pro Tag) oder die Nutzung des Internetterminals (zwei Euro pro Stunde). Außerdem müssen sich die Besucher darauf einstellen, von ihrem nächtlichen Mitbewohner fast alles mitzubekommen - Dusche, Toilette und Waschbecken sind nur durch Milchglas abgetrennt.
Das Hotel liegt sehr zentral am Hackeschen Markt, viele Attraktionen wie der Alexanderplatz oder das Brandenburger Tor sind zu Fuß erreichbar. Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Berlin begrüßt das Easy Hote“ als „weiteres, wenn auch kleines Marktsegment“. Somit kommen zu den 106.500 Betten in Berlin noch einige hinzu.
Knut Dinter, Pressesprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Jugendherbergen, sieht den Konkurrenten „sehr entspannt“. „Wir unterscheiden uns ideell komplett. Gemeinschaft und Aktivität stehen bei uns im Vordergrund und nicht nur ein Zimmer für eine Nacht.“ Trotzdem muss er zugeben, dass sich die Jugendherbergen auch aufgrund der Konkurrenz der günstigen Anbieter verbessert haben.
Die Zeichen für das Billighotel scheinen gut zu stehen - „die erste Buchungswoche hat sogar die Kollegen aus England begeistert“, berichtet Marowsky. Zunächst sollen in Deutschland noch insgesamt zehn Easy Hotels entstehen - eins davon in Düsseldorf.
Die KonkurrentenFormule1 Acht Häuser in Deutschland, Zimmer ab 30 Euro. Frühstück vier Euro. Selbstreinigende Bäder und WCs außerhalb der Zimmer
Etap 68 Hotels, Einzelzimmer ab 39 Euro. Frühstück sechs Euro. WLAN gratis in Zimmer und Lobby.
B&BHotels Die 31 Häuser liegen verkehrsgünstig meist am Stadtrand und werben mit kostenlosen Leistungen wie WLAN in den Zimmern, Parkplätzen und Sky-Fernsehprogramm. Einzelzimmer ab 35 Euro. Das Frühstück kostet 6,90 Euro, für Kinder bis zwölf Jahren drei Euro. MotelOne Die Kette, die niedrige Preise mit Design verbindet, ist mit 26 Häusern (fünf davon in Berlin) vertreten. Ein Doppelzimmer (ca. 16 qm) kostet ab 64 Euro, Frühstück 7,50 Euro.
Ibis 85 Hotels bieten Zimmer ab 59 Euro, Frühstück kostet zehn Euro. Kostenfreies Internet in der Lobby.
HolidayInnExpress Der günstigere Ableger der Luxus-Hotels hat alleine zehn Häuser in Berlin - den Großteil in Innenstadtnähe. Doppelzimmer ab 62 Euro.
Übernachtungen
Zahl Laut dem Hotel-Dachverband Dehoga gab es in Hotels, Gasthöfen und Pensionen im Zeitraum Januar bis Oktober 2009 mehr als 186 Millionen Übernachtungen. Das sind 1,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im gesamten Jahr 2008 waren es rund 218 Millionen Übernachtungen.
Preis Ein Zimmer kostete 2009 im Durchschnitt 83 Euro. 2008 belief sich der Preis auf 86 Euro.



