Mexiko: Blutiger Drogenkrieg lockt Touristen an
zuletzt aktualisiert: 09.02.2011 - 15:49Mexiko-Stadt (RPO). Seit 2006 hat der Drogenkrieg in Mexiko mehr als 34.000 Tote gefordert. Was für die Menschen im Land eine Katastrophe ist, lockt gleichzeitig immer mehr Touristen an. Sie fragen gezielt nach Touren zu Schauplätzen von Terroranschlägen oder Massakern, heißt es in einer neuen Studie.
Laut Untersuchung einer großen mexikanischen Sicherheitsfirma ist seit einigen Jahren das Phänomen des "schwarzen Tourismus" zu beobachten. Der Prototyp dieses Touristen sei etwa 35 Jahre alt und wohlhabend, heißt es in einem Bericht der Tageszeitung "El Tiempo", der sich auf die Untersuchung beruft.
"Alles begann mit jungen US-Amerikanern und Europäern, die ihren Strandurlaub durch eine besondere Note anreichen wollten", zitiert das Blatt Firmenchef Alejandro Desfassiaux. Die Touristen fragten dabei auch nach Bildern oder Videos von den Gewalttaten, um die Ereignisse vor Ort besser nachvollziehen zu können.
Auf der Suche nach dem ultimativen Adrenalinkick machen Touristen aber auch Touren durch Tepito, das gefährlichste Viertel von Mexiko-Stadt. Dort gibt es nicht nur Raubkopien aller Art, sondern auch illegale Waffen im Angebot. Einige Veranstalter bieten den Besuchern dazu Begleiter an, um die Sicherheit zu erhöhen.
Andere Mexiko-Urlauber treffen bei ihren Rundreisen Zapatista-Rebellen in Chiapas im Süden des Landes oder spielen für einige Tage illegale Immigranten, die von der Grenzpolizei der USA verfolgt werden, berichten mexikanische Medien.
Während die Gesamtzahl der Touristen wegen der Gewaltwelle in Mexiko im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent gefallen sei, sei der Anstieg der "schwarzen Touristen" signifikant.



