Deutschland ist schön: Bodensee: Der See ist das Ziel
VON DAGMAR HAAS-PILWAT - zuletzt aktualisiert: 14.04.2007 - 16:00Düsseldorf (RP). Kleine Städte, ein großer See: 572 Quadratkilometer Wasser, mal sanft gekräuselt, mal von Nebel bedeckt. Palmen an der Promenade, Wein an den Hängen - das ist der Bodensee.
Eigentlich sind es ja drei, die ihre Farben und Stimmungen schnell wechseln: Der Obersee, bis zu 254 Meter tief, der schmale Überlinger See im Nordwesten mit dem hochaufragenden Turm der prunkvollen Barockkirche Birnau und der Untersee zwischen Radolfzell, dem quirligen Konstanz mit seinen gemütlichen Weinstuben und Stein am Rhein.
Wer am Bodensee lebt, immerhin drittgrößter Binnensee Europas, der will ihn sehen. Das sagt die Künstlerin Itti Janz in ihrem Fachwerkhaus-Atelier im beschaulichen Öhningen. Das sagt Hanns-Michael Graf, der aus dem mittelalterlichen Patrizierhaus, direkt am Landungsplatz von Überlingen, ein feines Feriendomizil für Urlauber gemacht hat.
Von Dichtern und Malern geliebt
Und das dachten sich auch die Dichter und Maler, die es seit der Jahrhundertwende auf die Höri, die grüne Landzunge am Untersee zog. Sanfte Hügel, tiefe Wälder, beschauliche Dörfer, unendlich viele Streuobstwiesen, saftige Weiden. Ein grüner Schilfwald säumt fast überall das Wasser: Das ist typisch für die Halbinsel - eine der schönsten Landschaften am Schwäbischen Meer.
Im Frühling zur Baumblüte ist es dort besonders zauberhaft. Hermann Hesse und Otto Dix waren in Gaienhofen und Hemmenhofen zu Hause, sie suchten das bäuerliche Idyll, das malerische Versteck mit dem einmaligen Blick aufs Schweizer Ufer. An die Künstler erinnern kleine Museen. Der Legende nach soll übrigens der Herrgott, nachdem er die Höri erschaffen hatte, zufrieden gesagt haben: „Jetzt höri auf, Schöneres kann nicht mehr werden.”
Der Westen des Bodensees
Die Kulturlandschaft am Untersee, dem westlichen Teil des Bodensees, gehört zu den reizvollsten Regionen im Ländle. Nichts liegt näher als diese genüsslich und naturnah per Schiff, Pedes oder per Erlebnisradeln mit Übernachten im Heu zu erkunden. Damit es den an Action gewöhnten Urlaubern nicht fad wird zwischen den stillen Grünflächen, denkt sich der Tourismusverband immer wieder neue Herausforderungen aus. So auch das Internet-Projekt „Erlebnistouren am Untersee”. Damit kann man nun Wanderungen und Radtouren zu den attraktivsten Winkeln inklusive der zugehörigen GPS-Daten komfortabel vom Computer aus planen.
Geradewegs zurück ins Mittelalter der Minnesänger geht dagegen die Zeitreise „Oh wunnikliches Paradies”. Ob geführte Touren für Kanuten „Im Fahrwasser des Mittelalters” oder Kinderferienkurse im Stadtmuseum Radolfzell – alle Angebote kreisen um die ferne Zeit der Ritter und Mönche, Könige und Kaiser.
Dorado für Genießer
Einer der Höhepunkte ist das Freilichtspiel „No e Wili” mit über 300 Laiendarstellern in Stein am Rhein, das zum 1000-jährigen Bestehens des mittelalterlichen Städtchens im Juli und August aufgeführt wird. Wer feiert, muss auch essen: All die Landgasthäuser und Spitzenrestaurants tischen ein wirklich guets Geschmäckle auf. Die Bodenseeregion, die maritimes Flair mit dem Reiz der hügeligen Voralpenlandschaft verbindet, gilt als Dorado für Genießer: Früchte und Gemüse wachsen in Nachbars Garten oder auf der Höri und der Klosterinsel Reichenau. 35 Fisch-Arten, darunter Zander, Hecht, Rotaugen, Felchen, Barsch (auch Egli oder Kretzer genannt) schwimmen im See.
Orientierung mit Infos über Wochen- und Bauernmärkte, beliebte Picknick-Stellen, regionale Spezialitäten, Gourmetfahrten, Restaurant-Tipps und einem Kalender voller Genuss-Terminen gibt der neue Flyer „Schlemmerland Bodensee”. Natürlich fehlt der Hinweis auf den typischen Seewein nicht. Den auch am Untersee erzeugten Weißherbst trinken die Bodenseeler allerdings am liebsten selbst.
Nächste Woche: Bayern


