Reiz des Ostens: Das Baltikum lockt mit Natur und günstiger Wellness
VON ANNIKA GRAF - zuletzt aktualisiert: 17.03.2006 - 11:48Kurorte in Polen und Ungarn werben schon seit einiger Zeit mit Wellness-Angeboten um deutsche Urlauber. Nun bekommen sie Konkurrenz von den baltischen Staaten. Denn dort hat man in den vergangenen Jahren kräftig in den Wellness-Sektor investiert. Die Folge: mehr und attraktivere Angebote.
"Außerdem spielt Naturtourismus in vielen dieser Länder eine sehr große Rolle", sagte Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV). Ob im Baltikum, in Polen oder in Ungarn grundsätzlich gilt: Die touristische Infrastruktur wird immer weiter ausgebaut, die Zahl der Reiseangebote wächst. Die baltischen Staaten wollen deutsche Touristen insbesondere mit neuen Kur- und Wellnessangeboten anlocken. In den vergangenen Jahren sei in diesen Sektor viel investiert worden, teilte die Baltikum Tourismus Zentrale mit.
In Estland finden Erholungssuchende vor allem an der Westküste Kurorte wie Pärnu, Haapsalu und Kuressaare. In Lettland zieht der Badeort Jurmala nahe Riga mit seinem 30 Kilometer langen weißen Sandstrand Kurgäste an. "In Litauen wird das Gesundheitsresort Druskininkai immer beliebter", sagte Nijol Bitinien vom Ministerium für Tourismus in Litauen. Auch im zweiten Jahr nach ihrem Beitritt zur Europäischen Union verzeichneten die baltischen Staaten steigende Besucherzahlen: In Estland wurden 2005 rund 1,9 Millionen Besucher gezählt, in Litauen 1,8 Millionen, rund 1,1 Millionen Touristen besuchten Lettland.
In allen drei Staaten gehören deutsche Urlauber zahlenmäßig zu den drei größten Touristengruppen. "Was Urlauber reizt, ist das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, weil es in diesen Staaten noch keinen Euro gibt", sagte Sibylle Zeuch. In Ungarn und Polen wird Gesundheitstourismus seit einigen Jahren groß geschrieben. Nach Polen reisen insbesondere Urlauber im Alter ab 50 für Kur- und Wellnessaufenthalte, sagte Ewa Duchowska vom Polnischen Fremdenverkehrsamt. "Das Angebot stimmt, und das Personal spricht in vielen Einrichtungen Deutsch." Gefragt seien neben medizinischen Kuren auch Wellness- und Kulturangebote. Im dem kleinen Kurort Solec Zdrj in der Nähe von Krakau eröffnete Ende 2005 ein neues Kur- und Wellnesszentrum an der dortigen Schwefelquelle.
Entspannung in unberührter Natur
In Ungarn wurden nach Angaben des Ungarischen Tourismusamtes innerhalb der vergangenen drei Jahre mehr als 450 Millionen Euro in entsprechende Einrichtungen investiert. Jeder dritte deutsche Tourist besuchte mindestens eine der insgesamt 1.200 Heil- und Thermalquellen im Land. Seit Ungarns EU-Beitritt werden Kuren den Angaben zufolge auch von deutschen Krankenkassen bezuschusst.
Neben Wellnessaufenthalten setzen die baltischen Staaten auf Natur- und Kulturangebote. "Deutsche Urlauber kommen nach Lettland, um die unberührte Natur zu genießen", sagte Sanita Cinina von der Lettischen Agentur für Tourismusentwicklung. Rund 2.000 Seen bieten Urlaubern in Lettland Möglichkeiten zum Angeln, Kanufahren und Segeln.
In Litauen bedecken Wälder, Flüsse und Seen fast 40 Prozent der Fläche. Ein neuer Radweg entlang der litauischen Ostseeküste führt Urlauber ans kurische Haff und ins Flussdelta der Memel. 2006 sollen weitere Radwege unter anderem ins Seenland im Osten Lettlands ausgebaut werden. In Estland können Touristen die Nord- und Westküste mit dem Fahrrad erkunden (Internet: www.bicycle.lt, www.bicycle.ee).
Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter: www.baltikuminfo.de, www.polen-info.de, www.ungarn-tourismus.de


