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Adventsserie III: Das evangelische Rom

VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 09.12.2008 - 19:30

Düsseldorf (RPO). Wie katholisch ist Rom? Die Stadt verkörpert 1500 Jahre gemeinsame christliche Geschichte; und Petrus ist der Fels, auf dem alle Christen stehen. Der lutherische Pfarrer der deutschen Gemeinde in Rom sagt: Die Stadt ist ein wundervoller Ort der Ökumene ­ - und ein wundervoller Ort, um auf ein neues Pfingsten zu hoffen.

Manchmal freut man sich auf den Beginn eines Gesprächs, weil man sich eine kleine Gemeinheit ausgedacht hat. Jens-Martin Kruse ist seit August Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Rom. Er hat eine Doktorarbeit über Martin Luther geschrieben, der Rom und den Papst gern deftig beschimpfte ­ als Hure Babylons zum Beispiel. Klar, dass die erste Frage an den Lutheraner nur heißen kann: „Wie lebt es sich so im Schoß der Hure Babylons?” Kruses Antwort kam prompt: „Super.” Das Gespräch fing gut an.

Das evangelische Rom? 80 Prozent der Italiener sind katholisch. Für die Protestanten dort wirkt selbst ein Wort wie Minderheit übertrieben. Es gibt 7000 Lutheraner im Land; die römische Gemeinde zählt rund 600 Seelen und besteht fast nur aus Deutschen. Größer ist die reformierte Waldenser-Kirche mit italienweit 25000 Gläubigen. Ist das Lebensgefühl ein bisschen wie Standhalten in Feindesland?

Zwei Begegnungen auf den Spuren des evangelischen Roms: zum einen mit einem Lutheraner, der Rom liebt und als wunderbaren Ort der Ökumene sieht; zum anderen mit einem Waldenser, der sagt, dass es in Rom mehr Armut und mehr Gewalt gibt, der sich um die politische Elite Italiens sorgt und fast verblüfft darüber ist, dass der Papst ihn, den Waldenser, als Redner zur Vorstellung seines Jesus-Buches eingeladen hat. Der deutsche Lutheraner also. Jens-Martin Kruse (39) kommt aus Hamburg, und er liebt Rom und Italien. In Hamburg, erzählt er, sei er fünf Jahre zum gleichen Bäcker gegangen, habe immer das Gleiche bestellt ­ und kein einziges Mal hätten die nordischen Bäckersleut‘ erkennen lassen, dass sie den Kunden da schon mal gesehen hätten. „Das war etwas heftig”, sagt Kruse lächelnd und erklärt den Unterschied zu Italien: „Wenn Sie hier dreimal in derselben Bar Kaffee trinken, dann gehören Sie zum Mobiliar.” Klar, den Pulsschlag der Stadt müsse man mögen: Alles sei rasant, „wer Beschaulichkeit und Stille liebt, hat es hier schwer. Entweder man mag es, oder man sagt nach vier Wochen: Ich halte es hier nicht mehr aus.” Familie Kruse mag es: „Für uns ist es die Traumstadt schlechthin” ­ und er meint sich, seine Frau und seine drei Kinder.

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