Szene-Getränk im Flugzeug: Das Mysterium Tomatensaft
VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 14.11.2009 - 13:35Düsseldorf (RPO). Es ist eines der größten noch ungelösten Reise-Rätsel überhaupt: Warum trinken so viele Menschen ausgerechnet im Flugzeug Tomatensaft? Schmeckt das dickflüssige, rote Getränk in 10.000 Metern Höhe anders? Oder trinken es so viele, weil es so viele trinken?
Im Jahr 2008 wurden in Deutschland 46 Millionen Liter Tomatensaft getrunken. Nach Angaben des Verbandes der deutschen Fruchtsaft-Industrie geschätzte drei bis fünf Prozent davon im Flieger. Zum Vergleich: Bei Orangensaft liegt der Anteil im Flugzeug lediglich bei 0,4 Prozent.
In einer Umfrage des Reiseanbieters lastminute.de unter 1100 Teilnehmern gab jeder Vierte (27 Prozent) zu, im Flugzeug Tomatensaft zu bestellen. 75 Prozent davon machen das, weil sie ihn mögen, der Rest weiß selbst nicht genau, wieso eigentlich.
Ja, wieso eigentlich? Eine Antwort auf die Frage haben selbst Experten nicht. Es wird gemutmaßt, dass die Geschmacksnerven in der Luft weniger empfindlich sind und der würzige Tomatensaft ein guter Ausgleich dazu ist.
Der zweite wissenschaftliche Ansatz: Über den Wolken treten vermehrt freie Radikale auf. Diese können in hohen Konzentrationen den Stoffwechsel angreifen. Als Schutz dagegen dient Lycopin. Dieses ist Hauptbestandteil von Tomaten.
Außerdem wirkt der Saft einem flauen Gefühl im Magen entgegen. Viele Passagiere nutzen das Getränk offenbar auch als Ersatz für eine Mahlzeit, weil im Flieger sonst oft nur kleine Snacks verteilt werden.
Ein weiterer Grund für den wahren Tomatensaft-Boom auf Flugreisen könnte die Kettenreaktion sein: Bestellt ein Gast einen Tomatensaft, lässt sich der Sitznachbar nicht lange bitten. Reihe für Reihe finden sich dadurch immer mehr Fluggäste, die auf den (Tomaten)-Geschmack kommen.
Die Beliebtheit des Getränks auf Flügen geht sogar so weit, dass es 1993 eine heftige Kritik gab. Die Lufthansa strich Tomatensaft kurzerhand von der Boardkarte. Ein Fehler, wie die anschließende Beschwerdewelle der Passagiere zeigte. Nur 48 Stunden später stand Tomatensaft wieder auf der Karte.



