Faszinierender Größenwahn: Der Burj öffnet heute seine Tore
zuletzt aktualisiert: 04.01.2010 - 07:26Dubai (RPO). An diesem Montag wird das größte Gebäude der Welt eröffnet. Über 800 Meter misst der "Burj Dubai". Aus seiner genauen Größe machen die Architekten noch ein Geheimnis. Sie wollen sie heute auf der offziellen Eröffnungsfeier bekanntgeben. Schon jetzt aber steht fest: Der Turm ist ein faszinierendes Monument des Größenwahns.
Auf drei Pfeilern steht dieser in den Himmel entrückte Turm. Von oben sieht es aus wie ein Ypsilon. Erst diese neue, vom US-Architekten Adrian Smith eigens erfundene Bauweise, ermöglichte die schier unglaubliche Größe des Gebäudes. Zum Vergleich: Das bisher größte Gebäude der Welt, das "Taipei 101" in der taiwanischen Hauptstadt Taipeh, bemisst 508 Meter, also knapp 300 Meter weniger. Nicht selten ist angesichts des Gigantismus der Ölscheichs von Dubai der Vergleich zum Turmbau zu Babel gezogen worden.
Die Kosten Der Bau des Turms dauerte eine Jahr länger als geplant. Knapp drei Milliarden Euro verschlang er an Baukosten. Auch Hochtief und ThyssenKrupp haben daran verdient. Dubai setzt Rekorde in einer Zeit, zu der nur milliardenschwere Nothilfen der Brüder aus Abu Dhabi das Überleben sicherten. Die Finanzkrise hatte auch bei den Ölscheichs von Dubai tiefe Löcher in die Staatskassen gerissen. Vor zehn Jahren entwickelte der Banker Andrew Lawrence den "Skyscraper Index". Der besagt, dass die höchsten Gebäude der Welt immer dann fertig werden, wenn ihre Heimat gerade wirtschaftlich zusammenbricht.
Der Innenbau Seine Spitze ist für die Beduinen noch 100 Kilometer landeinwärts in der Wüste erkennbar. 54 Aufzüge müssen die 189 Stockwerke miteinander verbinden – der schnellste schafft 500 Meter in knapp einer Minute. Über einem Armani-Hotel erstrecken sich von Etage 38 bis 108 Appartments, von denen nur die billigsten sich mit Badewannen aus Alabaster begnügen. Außerdem: 20 Schwimmbäder mit je 50 Meter Sportbahn-Länge, 20 Terrassen, ein Freiluft-Pool in der 78. Etage und in der 124. die dritthöchste Aussichtsplattform der Welt. Fünf Jahre haben zuletzt 14.000 Mann Tag und Nacht für diesen Bau geschuftet. Touristen gehen vor ihm für ein Foto in die Knie.
Die Bauweise Der "Burj Dubai" wird nach oben hin immer schmaler.
Ungefähr nach jedem achten Stockwerke verjüngt sich das Gebäude und eine der drei Säulen rückt ein Stück zurück in Richtung der Mittelachse. Die dreiteilige Grundfläche sorgt nach Angaben von Bauleiter George Efstathiou für Stabilität - auch bei Wind. "Der Turm ist stabiler als andere Wolkenkratzer, die deutlich kleiner sind", sagt er. Selbst heftige Stürme seien in dem Wohn- und Büroturm nicht zu spüren. Die Turmspitze wird von einer gigantischen Stahlkonstruktion gekrönt.
Die Eröffnung An diesem Montag wird das Bauwerk nun nach langer Verzögerung endlich eingeweiht. Ob dann auch die Besucherplattform auf der 124. Etage freigegeben werden wird, ist noch unklar. Die etwa 6000 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden trotzdem kommen. Der Höhepunkt der Zeremonie ist für 20 Uhr (17 Uhr MEZ) geplant. Dann, wenn die Herrscher von Dubai das Gebäude offiziell einweihen, soll es ein riesiges Feuerwerk geben. Dafür sollen am Turm selbst Spezialraketen angebracht worden sein. Die Polizei hat angeblich ganze Straßenzüge abgesperrt - aus Angst vor herabstürzenden Raketenteilen. Auch in dieser Hinsicht will Dubai neue Maßstäbe setzen.
Symbol des Booms und seines Endes Vieles spricht aus Expertensicht dafür, dass der Rekord-Wolkenkratzer das letzte gigantische Bauprojekt in Dubai sein wird. Das Land hatte insgesamt Schulden in Höhe von 80 Milliarden Dollar angehäuft und damit heftige Turbulenzen an den Börsen ausgelöst. Der Bauboom ist zuende. Gut möglich also, dass der Burj Dubai sich demnächst in die unheimliche Reihe des "Skyscraper Index" fügen muss und damit der These vom Wolkenkratzer als Krisenindikator neues Futter gibt.
Der Banker Lawrence hatte seine Theorie unter anderem mit dem Singer Building und dem Met Life Tower begründet, die 1908 und 1909 in Chicago unmittelbar nach der Börsenpanik von 1907 fertig wurden. Oder dem Chrysler Building und dem Empire State in New York: Beide wurden Anfang der 1930er Jahre kurz nach Ausbruch der großen Depression eingeweiht. Der Sears Tower in Chicago wurde 1973 von der ersten Ölkrise überschattet, der Petronas in Malaysia 1997 von der asiatischen Finanzkrise. Als würden übergroße Wolkenkratzer am Ende stets den Boom auffressen, dem sie ihre Geburt verdanken.



