Öko-Tourismus und Fernreisen: Die Urlaubstrends 2008
zuletzt aktualisiert: 22.12.2007 - 13:56Berlin/Wilhelmshaven (RPO). Urlaub in Deutschland, Fernreisen und Kreuzfahrten - das waren die Urlaubstrends 2007. Im kommenden Jahr wird es die Deutschen wieder mehr ins Ausland ziehen. Trotz Klimadebatte boomen Fernreisen, sagen Experten. Was noch im Trend liegt.
Als nach den Reisetrends 2007 gefragt wurde, lautete die Antwort oft "Urlaub in Deutschland". Die Erinnerung an das "Sommermärchen" Fußball-WM war noch frisch und das eigene Land als Reiseziel von vielen gerade erst wiederentdeckt. Ein Jahr später lässt sich sagen: Urlaub in Deutschland liegt weiter im Trend, aber er hat nach wie vor starke Konkurrenz.
Fernreisen und Kreuzfahrten boomen, Städtereisen stoßen auf großen Zuspruch. Die deutschen "Reiseweltmeister" werden also auch 2008 wieder eifrig die Koffer packen, doch wohin es sie führt, hängt von vielen Faktoren ab: von der Klimadebatte und der Konjunktur, den Spritpreisen und der zunehmenden Flexibilisierung von Reiseangeboten.
Klimaverträgliches Reisen
Optimismus herrscht nicht zuletzt bei den Reiseveranstaltern: "Es war ein gutes Jahr, und 2008 wird die Reiselust der Deutschen eher noch weiter steigen, als dass sie stagniert", sagt Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Berlin. Prof. Torsten Kirstges, Tourismusforscher an der Fachhochschule Wilhelmshaven, sieht das ähnlich: "Wirtschaftliche Veränderungen zeichnen sich im Reiseverhalten immer mit ein bis zwei Jahren Verzögerung ab."
Der konjunkturelle Aufschwung der vergangenen Jahre werde sich deshalb günstig auf die Reiselust auswirken. Durch "Störereignisse" könne die Stimmung aber auch ganz schnell wieder kippen, zum Beispiel durch plötzlich extrem steigende Preise für Autokraftstoffe und Flugbenzin
Was also wird Urlauber in den kommenden Monaten bewegen? 2007 war ein Jahr der Debatte um den Klimawandel - auch in der Touristik. Der Wunsch nach klimaverträglichem Reisen wachse, "auch wenn er noch kein Megatrend ist. Aber die Leute werden sensibler, und sie werden bereit sein, für solche Reisen mehr Geld auf den Tisch zu legen", sagt Kirstges. DRV-Präsident Laepple ist jedoch anderer Ansicht: "Für die normalen Touristen findet die Klimadebatte doch gar nicht statt. 80 Prozent fahren einmal im Jahr in den Urlaub. Und wenn sie das tun, sind sie der festen Überzeugung, dass sie sich das verdient haben."
Boom bei Fernreisen
Zur Klimadebatte scheint ein weiterer Touristik-Trend so gar nicht zu passen: der Boom bei Fernreisen. Laut DRV gab es in diesem Bereich im Jahr 2006/07 ein überdurchschnittliches Plus von sieben Prozent. Wegen des günstigen Dollarkurses legen zum Beispiel USA-Reisen wieder zu. Kirstges erklärt dies mit dem Wunsch vieler Menschen, etwas Neues kennenzulernen: "Europa ist für viele schon abgegrast." Hinzu komme die demografische Entwicklung: "Fernreisen sind ein Trend bei sogenannten Best Agern ab 50 Jahren, bei denen die Kinder aus dem Haus sind. Und von denen gibt es ja immer mehr." Gleiches gelte für Kreuzfahrten: "Auch da wird sich der Boom 2008 fortsetzen."
Einfluss auf die Reisetrends 2008 hat auch die Fußball-EM in der Schweiz und Österreich, die etliche deutsche Fans anziehen dürfte. Die Olympischen Sommerspiele im August in Peking sind dagegen für die meisten zu weit weg. Der Ticket-Großhändler Dertour in Frankfurt/Main erwartet aber immerhin 5000 deutsche Olympia-Touristen.
Qualität statt Schnäppchenpreise
Vor allem auf den Preis zu schauen, scheint bei vielen Touristen unterdessen vorbei zu sein: Die "Geiz-ist-geil"-Mentalität ist auch bei den Urlaubsentscheidungen auf dem Rückzug. "Abgelöst wird sie durch eine gleichzeitige Preis- und Qualitätsorientierung", sagt Kirstges, der von "demonstrativem Vernunftkonsum" spricht. Die Ansprüche seien oft hoch: Gutes Essen, gute Umwelt, eine unverbaute Landschaft - all das wollen Reisende heute, "und trotzdem darf es nicht zu viel kosten". Auch das gehöre zu den Reisetrends 2008.


