Baubeginn vor 120 Jahren: Eiffelturm: Vom "monströsen Turm" zum Wahrzeichen
zuletzt aktualisiert: 17.07.2007 - 11:04Paris (RPO). Rund 230 Millionen Menschen aus aller Welt waren bislang dort: am Eiffelturm in Paris. Eigentlich sollte er nur 20 Jahre lang stehen und danach abgerissen werden. Doch schnell wurde er zum Wahrzeichen der französischen Hauptstadt. Vor 120 Jahren begannen die Bauarbeiten für den einst umstrittenen Turm, der heute eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Welt ist.
Laut einer Umfrage der Betreibergesellschaft geben die meisten der befragten Deutschen den Eiffelturm sogar als bekanntestes Wahrzeichen in ganz Europa an, vor dem Kölner Dom und dem Brandenburger Tor. Zweieinhalb Millionen Nieten und 18.000 Eisenteile sind für den Turm verbaut worden, 1665 Stufen ist er hoch.
Im vergangenen Jahr besuchten laut Betreibergesellschaft SNTE 6,7 Millionen Menschen den auf vier Füßen stehenden, spitz nach oben zulaufenden Turm. Dabei war die Stimmung in der französischen Hauptstadt durchwachsen, als die Bauarbeiter im Juli 1887 zum Spaten griffen und die Pläne von Ingenieur Gustave Eiffel sowie des heute fast vergessenen Schweizers Maurice Koechlin in die Tat umsetzten. Namhafte Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Guy de Maupassant und der Komponist Charles Gounod wetterten seinerzeit gegen "den monströsen Turm" und nannten ihn eine Schande für Paris. Eiffel ließ sich davon nicht beeindrucken und lobte die architektonische Leichtigkeit der offenen Stahlkonstruktion.
Geschaffen für die Ewigkeit
Knapp zwei Jahre dauerten die Arbeiten, und pünktlich zur Weltausstellung im Jahr 1889 wurde der Turm eingeweiht. Die französische Flagge sei die einzige der Welt, die in einem dreihundert Meter hohen Schaft stecke, sagte Eiffel stolz, als er die Tricolore zur Eröffnung auf dem Turm hisste. Bei der Bevölkerung kam das Bauwerk trotz der kritischen Diskussionen im Vorfeld auf Anhieb an; gleich zu Beginn stiegen fast zwei Millionen Besucher der Weltausstellung auf den Turm.
Eigentlich sollte der Eiffelturm nur 20 Jahre lang stehen und dann abgerissen werden. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts war er längst zum Wahrzeichen von Paris geworden, weshalb der Plan fallengelassen wurde. Als der Turm vor einigen Jahren drohte, in die Hände eines US-Pensionsfonds zu fallen, liefen die Franzosen Sturm. Der damalige Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn musste seinen Landsleuten versichern, dass der Eiffelturm immer französisch bleiben werde.
Der Eiffelturm als künstlerische Inspiration
Immer wieder zieht der Eiffelturm auch Künstler und Sportler an: Marc Chagall und Robert Delaunay verewigten ihn auf Gemälden, die Chanson-Sängerin Edith Piaf nutzte ihn als Bühne, der Spanier Aito Sarasua Zumeta fuhr 2001 mit dem Mountainbike bis zur zweiten Plattform und brach damit den Weltrekord. Bei der Hundertjahrfeier 1989 balancierte der Seiltänzer Philippe Petit über ein 700 Meter langes Seil, das zwischen dem Eiffelturm und dem Palais de Chaillot auf dem gegenüberliegenden Seine-Ufer gespannt war.
Manche Besucher würden regelrecht süchtig nach dem 324 Meter hohen Turm, erzählt Hakim, der am Empfang des Eiffelturms arbeitet. "Wir haben einen Besucher, der den Aufzug viermal in der Woche nimmt." Den Fan dürfte freuen, dass der Eiffelturm seit Ende Juni 20.000 neue Glühbirnen hat: Jeden Abend, sobald es dunkel ist, blinkt der Turm zur vollen Stunde zehn Minuten lang. Spätestens um zwei Uhr nachts geht das Licht aus.


