Wandern, Baden und Angeln: Ein Besuch am Oberharzer Wasserregal
zuletzt aktualisiert: 04.08.2010 - 15:57Düsseldorf (RPO). Das Oberharzer Wasserregal ist die einzige neue Attraktion in Deutschland auf der Welterbeliste der Unesco - und trotzdem weitgehend unbekannt. Doch ein Besuch des Labyrinths aus Teichen, Gräben und unterirdischen Kanälen ist lohnenswert. Hier erfahren Sie, was Besucher dort alles unternehmen können.
Das System der Wasserwirtschaft besteht aus zahlreichen miteinander verbundenen Teichen, Gräben und Stollen und gilt als größtes vorindustrielles Energieversorgungssystem der Welt. Bergleute schufen das Oberharzer Wasserregal in der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, um damit Wasserräder und Pumpen anzutreiben. Sie legten insgesamt rund 150 Teiche, 500 Kilometer Gräben sowie 160 Kilometer unterirdische Wasserläufe an. Ein großer Teil davon ist heute noch erhalten.
Rund 15 Millionen Übernachtungen und 35 Millionen Tagesgäste verzeichnet der Harz pro Jahr. Rund ein Drittel aller Besucher macht nach Angaben des Harzer Tourismusverband auch am neuen Welterbe Halt. Gut möglich, dass es demnächst mehr werden. "Wir registrieren jetzt verstärkt Anfragen von den Fremdenverkehrsämtern der Region", sagt Helga Zamzow von der Harz-Agentur, die Geocoaching, Touren durch unterirdische Wasserläufe oder geführte Spaziergänge auf dem Areal des Wasserregals anbietet.
Ideales Wanderrevier
Vor allem für Wanderfreunde ist das frühe Meisterwerk der Ingenieurskunst ein optimales Revier. Die Gräben wurden mit minimalem Gefälle angelegt, schweißtreibende Steigungen fallen also weg, dafür wird man immer wieder mit Panoramablicken auf Wälder und Berge belohnt. „Die Wege sind ideal für Naturliebhaber“, sagt Justus Zeicke von den Harzwasserwerken.
Sie kümmern sich heute um den Erhalt des Grabensystems. Mitte der 90er Jahre legten sie im 25 Quadratkilometer großen Areal der des Wasserregals 22 so genannte "WasserWanderWege" mit einer Gesamtlänge von 122 Kilometern an. Zahlreiche Texttafeln liefern Hintergrundinformationen und weisen auf besondere Spuren im Gelände hin. Zum Teil hat man dafür bereits zugewachsene Bedienungswege wieder begehbar gemacht; auf festes Schuhwerk sollte man also nicht verzichten.
Die Pfade folgen größtenteils bereits vorhandenen Wanderwegen. So führt die zweite Etappe des "Harzer-Hexen-Stieges" zu den zahlreichen Teichen des Oberharzer Wasserregals, vorbei an der Huttaler Widerwaage. Der waagerechte Stollen war ein Kunststück der Ingenieurskunst, denn er erlaubte es, den Wasserfluss bei Bedarf sogar umzukehren. Weiter geht es entlang am Huttaler Grabens zum Polsterberg und zum Sperberhaier Damm, der bis heute in Betrieb ist.
Durch den Stollen waten
Für Abenteuerlustige organisieren die Harzwasserwerke auch geführte Touren zu besonderen Bauwerken der neuen Welterbestätte wie der ,,Dorotheer Rösche“, einem Entwässerungsstollen aus dem 18. Jahrhundert. Ausgerüstet mit Helm, Lampe und Gummistiefeln waten die Besucher dabei durch knöcheltiefes Wasser. "Sauber bleibt man dabei nicht", so Justus Teicke.
Wer keine Lust hat, sich allzuviel zu bewegen, kann die Teiche übrigens auch zum Angeln oder Baden nutzen. Schwimmen ist in den allermeisten der kleinen Seen erlaubt, allerdings muss man auf den Komfort von Toiletten oder Umkleidekabinen verzichten.
Weitere Ausflüge in der Nähe:
Zisterzienser-Kloster Walkenried: Hier saßen die Urväter der Oberharzer Wasserwirtschaft. Die Mönche besaßen schon im 13. Jahrhundert ein funktionsfähiges Wasserversorgungssystem, www.kloster-walkenried.de.
Goslar und Bergwerk Rammelsberg: Das Besucherbergwerk Rammelsberg und die Altstadt von Goslar mit der romanischen Kaiserpfalz wurden schon 1992 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt, www.goslar.de, www.rammelsberg.de.
Clausthal-Zellerfeld: Die Marktkirche gilt als größte Holzkirche Europas, www.clausthal-zellerfeld.de.
Info:
Übernachten: Teiche, Gräben und Wasserläufe prägen vor allem die Landschaft im Raum Hahnenklee-Bockswiese, Clausthal-Zellerfeld und Buntenbock. Sie sind also ideale Anlaufpunkte für Besucher des Wasserregals. Hotels gibt es ab rund 30 Euro, Fewos ab rund 50 Euro, www.harz-online.de.
Internet: Harzer Tourismusverband, www.harzinfo.de, Touristen Informationen Oberharz, www.oberharz.de,
Fremdenverkehrsamt Clausthal-Zellerfeld, www.clausthal-zellerfeld.de/de/tourismus, Harzwasserwerke, www.harzwasserwerke.de, Gruppenevents im Oberharzer Wasserregal, www.harzagentur.de.
Literatur: "WasserWanderWege", Dr. Martin Schmidt, Piepersche Druckerei und Verlagsanstalt, Clausthal-Zellerfeld, 2007. Erhältlich in allen Oberharzer Buchhandlungen oder bei der Harzwasserwerke GmbH. Preis: 17,70 Euro.


