Winterspaß in Holland: Eislaufen auf Grachten, Wandern im Eiswatt
zuletzt aktualisiert: 07.01.2010 - 13:00Düsseldorf (RPO). Auch die Niederlande ähneln im Moment einem Gefrierschrank. Für die meisten Holländer eine gute Nachricht. Denn als eislaufverrückte Nation können es unsere Nachbarn kaum noch abwarten, ihre Schlittschuhe anzuziehen. Über 1000 (Natur-)Eisbahnen laden zum Gleiten auf zugefrorenen Grachten in den Städten und den Kanälen in der freien Landschaft ein.
Das bekannteste Wintersportevent in Holland ist die Elfstädtetour durch Friesland, die seit 1909 ausgerichtet wird, sobald das Eis auf der rund 200 Kilometer lange Strecke dick genug ist. Das letzte Mal fand die Elfstädtetour 1997 statt und lockte Sportbegeisterte sowie Tausende Zuschauer an.
Die Hoffnung auf eine „Elfstedentocht“ in 2010 wächst mit anhaltendem Frost weiter; inzwischen buchen einige Optimisten bereits die Hotelzimmer im Start- und Zielort Leeuwarden. Vielleicht lässt ja auch Prinz Willem Alexander bereits seine Kufen polieren – der niederländische Thronfolger nahm 1986 inkognito an dem Lauf teil, unter dem Pseudonym W.A. van Buren.
Grachten in Amsterdam und Utrecht frieren zu
In verschiedenen Orten in Holland gibt es Fahrverbot für Boote, damit die Kanäle zufrieren können. Die Stadt Amsterdam etwa hat seit Montag ein Fahrverbot in einigen Grachten erlassen, damit das Eis die nötige Dicke zum Eislaufen bekommen kann. Gleiches gilt für Utrecht. Nach etwa zehn Tagen Frost rechnen die Experten damit, dass einige Grachten in den Städten für Wintersportler freigegeben werden.
Grundsätzlich ist das Schlittschuhlaufen dann erlaubt, die Eisläufer sollten aber Vorsicht walten lassen und Eisflächen vor dem Betreten erst testen. Obwohl es schon einige Zeit kalt ist, ist das Eis häufig noch nicht dick genug. Neuschnee sorgt auch dafür, dass bisher nur wenige Touren stattfinden konnten. Dafür muss das Eis eine Dicke von zwölf Zentimetern haben, und dies ist in den meisten Gegenden noch nicht der Fall.
Wandertouren im gefrorenen Wattenmeer
Lange warteten die Niederländer darauf, am nächsten Wochenende ist es endlich wieder soweit: Es werden Wandertouren im gefrorenen Wattenmeer angeboten. Dass das Wattenmeer gefroren ist, ist etwas besonderes, denn Salzwasser beginnt erst bei Minus 4 Grad zu frieren. Ebenso wie die Elfstädtetour gab es in den letzten Jahren auch kein gefrorenes Wattenmeer mehr. Hylke Dijkstra aus Pieterburen organisierte im Februar 1963 die erste Watt-Tour, ebenfalls über das Eis.
Das Watt zeigt sich bei den Eistouren von seiner ganz besonderen Seite: Wanderer genießen ein Naturerlebnis mit Schneelandschaft und Wintervögeln. Von Pieterburen aus nimmt ein Führer die Wanderer mit ins gefrorene Groninger Watt. Für das kommende Wochenende sind die Touren schon ausgebucht. Für die nächste Woche und das nächste Wochenende gibt es aber noch Plätze. Weitere Informationen unter: www.wadlopen-pieterburen.nl oder unter Tel.: 0595-528558
Übersicht über Schlittschuhtouren
Auf dem Henschotermeer bei Woudenberg (Provinz Utrecht) fand am Mittwoch die erste Tour auf Natureis in diesem Winter statt. Diese Eislauftour umfasst eine Länge von zwei bis 40 Kilometer (jeweils Runden von zwei Kilometern). Wenn das Wetter es zulässt, werden in Kürze auch in weiteren Orten Eislaufrundtouren möglich sein. Unter www.knsb.nl (auf Niederländisch) findet man eine Übersicht über alle offenen Natureisbahnen.
Aktuell besteht im ganzen Land die Möglichkeit, im Freien eiszulaufen. Allerdings sollten sich Touristen nicht darauf verlassen, im Eislauf-begeisterten Holland Schlittschuhe kaufen zu können: die Hersteller kommen mit der Produktion nicht mehr nach und melden inzwischen einen Engpass.
Klassiker auf Natureis
Die Stichting Natuurijs Klassiekers (SNK) organisiert schon 98 Jahre die zwölf nationalen Klassiker auf Natureis. Neben der Elfstädtetour zählen dazu: De 100 van Earnewâld, Amstelmeer Marathon, Ronde van Loosdrecht, Westland Marathon, Driedaagse van Ankeveen, Noorderrondrit, Noordwesthoekrit, Oldambrit, Hollands Venetietoch, Rottemerentoch, USA Marathon, Veluwenmeertocht. Seit 1997 konnte keine der zwölf nationalen Klassiker mehr stattfinden.


