Route der Klöster: Entdecken Sie das unbekannte Mallorca
zuletzt aktualisiert: 14.10.2004 - 09:03Palma de Mallorca (rpo). Mallorca erfreut sich bei den Deutschen nach wie vor großer Beliebtheit. In erster Linie bedeutet die Baleareninsel Sonne, Strand und Meer - und natürlich Ballermann. Dabei lässt sich unbeschwerter Badeurlaub sehr gut kombinieren mit Entdeckungstouren des anderen Mallorca. Wie wär's mit der Route der Klöster?
Mit neun kulturellen Routen wenden sich Inselregierung und Tourismusamt der Balearen (Ibatur) an Besucher, die gezielt das andere Mallorca suchen. Eine davon ist die Route der Klöster. Sie erzählt Geschichten von Madonnen, die vom Himmel fielen, von Wallfahrten und Piratenüberfällen, von Einsiedlern und Rittern, von Dichtern und Philosophen.
Wer an Klöster auf Mallorca denkt, dem fällt in erster Linie die Kartause von Valdemossa ein. Mehr als 300.000 Touristen schlendern jährlich durch die Kartause auf den Spuren von George Sand und Frederic Chopin, die hier im Winter 1838/39 nasskalte Wochen verbrachten. Auch wenn niemand mehr so genau weiß, ob sie in Zelle Nummer 2 oder 4 dichteten, komponierten und litten, will jeder Besucher vom Mythos etwas mitbekommen. George Sand hat sich den Frust ihres Aufenthalts mit dem Buch "Ein Winter auf Mallorca" von der Seele geschrieben. Das schmale Bändchen - eigentlich alles andere als eine Empfehlung für die Urlaubsinsel Mallorca - ist in Valdemossa an jeder Ecke und in allen Sprachen zu haben.
Wallfahrtsort Lluc
Umgeben von einer imposanten Bergkulisse liegt das Kloster Lluc in einem Tal der Serra Tramuntana. Seit der christlichen Rückeroberung Mallorcas ist Lluc der wichtigste Wallfahrtsort der Insel. Jeden ersten Sonntag im August pilgern bis zu 12.000 Gläubige über einen alten Steinweg, über eine Treppe mit rund 2000 Stufen hinauf zum Kloster. Insgesamt 48 Kilometer lang ist der Weg von Palma zur "Moreneta", der schwarzen Madonna, von Sollér immerhin 28 Kilometer. Die Legende erzählt, dass ein maurischer, zum Christentum bekehrter Hirtenjunge namens Lluc (Lukas) die aus Sandstein bestehende Madonnen-Statue im 13 Jahrhundert zwischen Felsen im Gebirge fand.
"Aus dem Tourismus schöpfen wir die Mittel zum Erhalt des Bauwerks und für unsere missionarische Tätigkeit in Südamerika", erzählt Prior Jaume Reynes. Der Pilgerweg ist als Wanderweg ausgeschildert, im Kloster kann man essen und sogar in einigen der Zellen sowie in einer Herberge wohnen und natürlich den Stimmen der "Blavets" - blau-weiß gekleideten Chorknaben - lauschen.
Gotische Marienfigur
Ein ganz anderes Bild bietet sich in der ehemaligen Einsiedelei La Victoria. Während im Sommer täglich ganze Busladungen von Touristen Lluc besuchen, ist man hier meist allein. Die Halbinsel La Victoria ist ein ins Meer hinausragender Finger an der Bucht von Pollenca. Verehrt wird hier eine gotische Marienfigur, die Jungfrau von La Victoria. Auch diese wurde der Sage nach von einem Hirten im 13. Jahrhundert dort gefunden, und Karmeliter hatten ihr eine Kapelle errichtet. Sie wurde mehrfach von arabische Piraten geraubt und stand doch immer wieder auf ihrem Platz in der Kirche. Und weil seitdem niemals wieder Seeräuber den Platz heimgesucht haben, nennt man sie "Muttergottes des Sieges". Wer Ruhe sucht, kann in einer erst kürzlich renovierten Herberge gleich hinter der Kapelle übernachten.
Auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges im Osten Mallorcas liegt in 509 Meter Höhe in der Nähe von Felanitx das Heiligtum Sant Salvador. Trutzig, einfach und schmucklos wie eine Bergfestung sitzt der Bau auf einer Felsnase. Mönche gibt es hier nicht mehr, doch betreibt eine einheimische Pächterfamilie ein kleines Restaurant und eine Klosterherberge. Viele Radsportler nutzen den steilen Anstieg zum Training und rasten Im Klosterhof. Vielleicht ehren sie mit ihrem Besuch nicht die - ebenfalls nach einer Legende auf dem Berg gefundene - Madonnenfigur aus dem 13. Jahrhundert, sondern die sechs Weltmeister-Trikots, die der aus Felanitx stammende Guillermo Timoner in den 1950er Jahren im Steherrennen errang und die heute in einem Vorraum der Kapelle ausgestellt sind.
Kloster auf dem Gipfel
Mallorcas einziger Tafelberg ist der 542 Meter hohe Puig de Randa. Ganz oben auf dem Gipfel liegt das Klosters Nostra Senyora de Cura. Es ist das kulturgeschichtlich bedeutsamste von insgesamt drei Klöstern am Berg und wird von einem franziskanischen Laienorden betrieben. Im 14. Jahrhundert lebte, forschte, schrieb und missionierte hier der noch heute auf Mallorca als Genie verehrte Gelehrte Ramon Llull. Im Grammatiksaal der ehemaligen Schule von Cura ist ein Llull-Museum untergebracht, wo jeder Besucher selbst versuchen kann, den verschlungenen Gedankengängen des mittelalterlichen Denkers zu folgen.
Wer Mallorcas Klöster besucht, ist weit weg vom Trubel der Playa de Palma, weit weg vom geschäftigen Treiben der Inselhauptstadt und sogar weit weg von beschaulichen Orten wie Sollér oder Valdemossa. Und wer sich den Luxus gönnt und eine oder mehrere Nächte in einer der Klosterherbergen verbringt, der versteht, dass Mallorca noch ganz anders sein kann, als man es sich vorstellt.


