Ausbau des Hafens: Experten: Venedig ist in großer Gefahr
zuletzt aktualisiert: 09.09.2009 - 14:38Rom (RPO). Die Stadt der Liebe gibt es bald womöglich nicht mehr. Wegen des geplanten Hafenausbaus sehen Umweltschützer die italienische Lagunenstadt Venedig in großer Gefahr. Mehr Hochwasser und eine stärkere Belastung für die Gebäude wären die Folge, warnte die Organisation Venice in Peril (Venedig in Gefahr). Und damit würde der Untergang des einmaligen Kulturschatzes beschleunigt.
Im vergangenen Jahrhundert ist Venedig um 23 Zentimeter gesunken. Die Pläne der Hafenbehörde, den Ausbau des Schiffsverkehrs voranzutreiben, seien vor dem Hintergrund katastrophal, erklärte Venice in Peril. Vorgesehen ist eine Vertiefung der Fahrrinnen, damit größere Schiffe ein- und auslaufen können, sowie ein neues Terminal im Industriegebiet Porto Marghera am Festland. Dargelegt sind die Vorhaben in einem Bericht an den Senat, den die Umweltgruppe einsehen konnte.
260 Millionen Euro sollen für die Aushebung der Fahrrinnen ausgegeben werden. Damit sollen bis zu 400 Meter lange Schiffe den Hafen anlaufen können. Die Stadtverwaltung sieht dies als notwendig, um den Hafen für den Tourismus und den Frachtverkehr attraktiver zu machen und nicht den Anschluss an andere europäische Hafenstädte zu verlieren.
"Die Tatsache, dass große Schiffe Zugang zur Lagune erhalten, ist für die Gesundheit der Natur nicht ohne Folgen", sagte die Forscherin Jane da Mosto. "Darüberhinaus wird das Hochwasser zunehmen."
Die Hoffnungen ruhen auf "Moses"
Durch die Wellen, die von den Schiffen verursacht werden, und die Strömungen in den tiefen Rinnen werden den Angaben zufolge Ablagerungen und Sandbänke abgetragen, die das Wasser sonst vor der Lagune stauen. Dadurch müssen die Bewohner nicht nur mit häufigeren Überschwemmungen rechnen, sondern die auf Holzpfählen stehenden Gebäude werden noch stärker als bisher angegriffen.
Die Hafenbehörde weist die Befürchtungen zurück. Ihre Wunderwaffe gegen Hochwasser und steigende Pegelstände heißt "Moses". Ab 2014 sollen hochfahrbare Barrieren am Laguneneingang als schützender Staudamm die Wassermassen fernhalten.
Nicht alle Experten teilen diese Meinung. Denn wenn "Moses" zum Einsatz kommt, sitzen alle Schiffe fest. Die Barriere werde deswegen nur dann geschlossen, wenn besonders dramatisches Hochwasser drohe, sagt Luigi D'Alpaos von der Universität Padua.


