Spielplatz für Groß und Klein: Florida: Orlando ist ein Muss
VON HELGA BITTNER - zuletzt aktualisiert: 03.06.2003 - 10:24Wer in Florida Urlaub macht, für den sind die Themen-Parks in Orlando ein Muss und es gibt noch mehr zu entdecken.
Die beste Zeit kommt jetzt. Sagt Karl. Und der muss es wissen. Schließlich kann er aus eigener Erfahrung nachempfinden, wie sich Europäer fühlen, wenn sie aus dem angenehm klimatisierten Hotel nach draußen treten und von mindestens 35 Grad Celsius und fast 90 Prozent Luftfeuchtigkeit schier erschlagen werden. Aber wer Florida Ende August/Anfang September besucht, muss eben damit fertig werden. Oder warten bis Dezember/Januar, wenn wie Karl sagt die schönste Zeit anfängt. Wenn es Frühling wird im amerikanischen Sonnenstaat, die Temperaturen sich bei höchstens 25 Grad Celsius einpendeln und die Wege zwischen Hotel, Bus und Themenparks keine Schock- und Kältewellen mehr auslösen.
Karl ist in Östereich geboren, lebt seit 15 Jahren in Florida und sieht den US-Staat längst als seine Heimat an. Obwohl: Alle zwei, drei Jahre muss er zurück in die Berge, richtiges österreichisches Essen auf dem Teller haben und den Rest der Familie besuchen, die ihn, seine englische Frau und die beiden Kinder ohnehin viel zu wenig sieht. Dafür nimmt Karl sogar unbezahlten Urlaub, denn auch dem Chefkoch im noblen Peabody in Orlando geht es nicht anders als allen Amerikanern: Mehr als zwei Wochen bezahlter Urlaub im Jahr gibt es nicht.
Da hat es der deutsche Tourist in der Regel besser. Obwohl er sich für einen Florida-Urlaub selten mehr Zeit nimmt. Eine Woche Orlando oder Rundreise, eine Woche Strandurlaub das ist die Standartversion für Florida-Besucher. Dass da vor allem die Highlights besichtigt werden, ein Besuch der Themen-Parks in Orlando ein Muss ist, liegt auf der Hand. Dennoch gibt es auch abseits der eingelaufenen Touristenpfade lohnenswerte Ziele zu entdecken.
Die „Hall of Fame” zum Beispiel. Die liegt in der Nähe des Kennedy Space Centers (KSC) auf Merrit Island und wird häufig links liegen gelassen. Zu Unrecht. Natürlich hat es seinen Reiz, im KSC das Shuttle „Explorer” einmal von innen zu sehen, die vielen verschiedenen Raketen-Typen im „Raketen-Garten” zu betrachten und ehrfurchtsvoll an der gigantischen Montagehalle vorbeizufahren, in der gerade wieder ein Shuttle für seine Reise präpariert wird. Der Anblick der Shuttle-Rampe hingegen ist enttäuschend: Die Fahrt endet kilometerweit vorher, wirklich sehen kann man den Startort ins All nur durch ein Fernrohr.
Imponierend am KSC ist seine Größe, fast wie eine mittlere Stadt; hineingepflanzt zudem mitten in ein Wildreservat mit mehr als 500 Vogelarten, Säugetieren, Reptilien und Amphibien. Weißkopfadler brüten dort, Alligatoren dümpeln friedlich im flachen Wasser solange kein Shuttle abhebt.
Und dann die „Hall of Fame” Pathos pur, wie es sich wohl nur die großen Raumfahrt-Nationen leisten können, aber auch Geschichte zum Anfassen. Mit Raumanzügen aus der „Mercury”- , „Saturn”- oder „Apollo-Phase, den Lebens- und Leidensgeschichten diverser Astronauten, mit originalen Raumkapseln und einer gut aufbereiteten Zeittafel über die Stationen der internationalen Raumfahrt. In einem Extra-Raum kann der staunende Besucher mittels interaktiver Spiele die Lebensbedingungen im All nachempfinden. Einmal wie Neil Armstrong den Fuß in den Mondstaub setzen, mit Gleichgewichtsverlust kämpfen oder im Simulator den Schleuderkräften nachgeben das ist nicht nur etwas für Kinder.
Mit den Kräften der Natur spielt auch „Wonderworks” in Orlando. Ein Haus, das auf den Kopf gestellt wurde, also auf dem Dach steht und sein Fundament in den Himmel streckt schon sein Äußeres ist Verpflichtung für das, was im Innern (un)möglich ist. Ein Erdbeben nachempfinden, das eigene Gesicht um Jahrzehnte altern lassen oder als Hauptfigur in ein Computerspiel projiziert zu werden: ein Spiel-Platz für Große und Kleine.
Wer also seinen Blick auf Orlando allein von den Themenparks wie Sea-World, Universal Studios oder Disney-World bestimmen lässt, verpasst eine Menge. Eine Flussfahrt auf dem St. Johns River etwa mit der Chance, die unförmigen Mannetees (Seekühe) und Alligatoren in ihrem ursprünglichen Lebensraum zu sehen; oder die Erfahrung, dass es auch in reißbrettähnlich angelegten Städten wie Orlando ein „downtown” gibt, wo sich abends ein buntes Völkchen in urigen Piano-Kneipen versammelt.
Doch selbst wenn Orlando genug zu bieten hat, um 14 Tage lang immer wieder etwas Neues zu entdecken: Was wäre ein Florida-Urlaub ohne Strandtage? Und wo könnte man die besser verbringen als in St.Petersburg, 90 Autominuten von Orlando entfernt, mit Stränden, die im US-Ranking seit Jahren schon die vorderen Plätze belegen? Kilometerweiter weißer, feiner Sand, wie ihn bei uns allenfalls Wellensittich Hansi unter die Füße bekommt; und traumhafte Sonnenuntergänge, die man am angenehmsten bei trockenem Chardonnay und leckeren einheimischen Fischgerichten auf der Terrasse eines rustikalen Restaurants genießt. Unkompliziert geht es dort zu, typisch amerikanisch eben. Da kann man auch zwischen den Gängen schnell mal über die Straße springen, die Schuhe ausziehen und nach des Tages Hitze den inzwischen angenehm warmen Sand zwischen den Zehen rieseln lassen.
Auch wer nicht allein zum Faulenzen kommt, wird in St. Petersburg keine Langeweile empfinden. Lohnend ein Besuch im Fort De Soto Park mit seinen kleinen Inseln, seinen Kajaktouren und seinen historischen Führungen, die in die Zeit des spanisch-amerikanischen Krieges zurückführen. Oder ein Gang durch das Dali-Museum, das mit einer großen Sammlung von Werken des spanischen Malers aufwarten kann und zudem eine typisch amerikanischen Erfahrung bereit hält: Dort wie auch an vielen anderen Orten sind Rentner als ehrenamtliche Kräfte eingebunden, die fachkundig durch das Haus führen. Das hält die Personalkosten niedrig und die alten Herrschaften fit.
Ein Muss in dieser Ecke Floridas ist eine Bootstour über die Boca Ciega Bay. Möglichst mit einem Segelboot, das sich schön in den Wind legt und vor allem wendig genug ist, den Delfinen hinterherzufahren, die dort in schönstem Einklang mit der Natur und zum puren Vergnügen des Besuchers durch das Wasser pflügen und springen, unter den Booten wegtauchen, als ob sie den Gast zum Narren halten wollten.
Nach erfüllten Strand- und Erlebnistagen bietet die Fahrt zum Flughafen nach Fort Myers, wo der Flieger zurück nach Düsseldorf wartet, noch ein letztes Highlight: den sagenhaften „Sunshine Skyway”, eine Brücke, die direkt in den Himmel zu führen scheint. Spätestens nun geht es einem wie Karl: Man will wieder hin.


