Geschenkt gibt es nix: Gratisreisen: Vorsicht bei Urlaub zum Nulltarif
zuletzt aktualisiert: 10.03.2005 - 08:00Berlin (rpo). Die Osterferien nahen und urlaubsreif sind Sie schon seit langem. Nur leider meint Ihr Konto, dass Sie sich eine kostspielige Reise gar nicht leisten können. Da kommt doch die "Alles-umsonst-Tourismus"-Masche, die seit Wochen über Deutschland rollt, gerade recht: Gratisreisen, Kurzurlaub geschenkt, Feriengewinn, Top-Hotel für lau. Einfach zu schön, um wahr zu sein, warnen Verbraucherschützer und mahnen zur Vorsicht.
Hinter den vielen großzügigen Geschenk- und Gewinnnachrichten stecke in der Regel "eher Zwielichtiges", betont Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern. "Man möchte die Leute an der Wunschvorstellung packen und sie hinterher ausnehmen."
Urlaub gibt es aber nicht wirklich gratis. "Da ist immer ein Pferdefuß dabei, Finger weg", rät Carmen Gahmig von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zur Skepsis. "Immer fragen: wo ist für mich der Gewinn" - das empfiehlt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV).
Das vermeintliche "Geschenk" rechnet sich nicht
Beispiel "2 für 1": Per Brief wird mitgeteilt, dass man angeblich aus heiterem Himmel "eine Woche Sonnenschein in der Türkei" gewonnen hat und eine Begleitperson zum Normalpreis mitnehmen kann. Auch wenn es noch so verlockend klingt - unterm Strich rechnet sich das "Geschenk" meist nicht, ist Bettina Dittrich, Juristin der Verbraucherzentrale Sachsen, sicher. Bei einem günstigen Pauschalanbieter sei eine ähnliche Reise für 2 Personen meist billiger zu kriegen als die "einer gratis, der andere zahlt"-Offerte.
"Der vermeintliche Gewinner soll als Laienwerber für weitere Reiseteilnehmer missbraucht werden, nur darum geht's", sagt Dittrich. Eine andere Variante, reinzufallen: Der Reisepreis für die Begleitung ist zwar recht günstig angesetzt, am Urlaubsort müssen aber teure Extra-Leistungen gezahlt werden.
Genau nach diesem Prinzip funktionieren auch die Gratisreisen, buchbar vor allem übers Internet. Die angebotenen Übernachtungen in Hotels - ob Ägypten, Griechenland oder "Wellness"-Häuser in Deutschland - sind tatsächlich kostenfrei. Wer das Umsonst-Schlafen mitnehmen will, muss allerdings erst einmal Bearbeitungsgebühren zahlen, so an die 50 Euro. Danach ist nichts mehr für lau zu haben: Separat gezahlt werden muss für Anfahrt oder Flug (selbst zu organisieren), für Essen, Trinken und Transfers vor Ort. Das kann ins Geld gehen. Im Hotel herrscht mitgebuchte Konsumpflicht. Daran kommt der Gast nicht vorbei.
"Von wegen gratis. Nur ein Teil der Reise wird als Köder geschenkt, vor Ort muss im Hotel für teures Geld gegessen und getrunken werden", berichtet Gahmig. "Die Hotels sind oft so abgelegen, dass man nicht einmal die Chance hätte, woanders essen zu gehen", weiß auch Saller von Beschwerden enttäuschter Reisender. Besonders ausgenutzt werde die Zwangslage auf Kreuzfahrtschiffen.
Gesamtkosten unbedingt beachten
Und so kommt für den "Gratisurlaub" dann doch einiges zusammen. "Immer auf die Gesamtkosten achten, nicht blenden lassen", rät DRV-Sprecherin Zeuch. Der Spareffekt sei "häufig nur minimal", ist Gahmig überzeugt. "Wer rechnen kann, wählt dann vielleicht doch lieber eine Pauschalalternative."
Obendrein müssen sich "Gratis"-Touristen oft genug mit obligatorischen Ausflugspaketen herumärgern. "Vom Goldmarkt in die Teppichfabrik und dann zur nächsten Werbeveranstaltung. Da wird das Geld gemacht", meint Gahmig. Und noch etwas gilt es nicht zu unterschätzen: gibt es Ärger im Urlaub, muss sich der "Umsonst-Reisende" damit allein herumschlagen. Pauschaltouristen mit Reiseleitung haben es in der Regel leichter, Rechte durchzusetzen, wenn etwas schief geht.
Köder für Verkaufsprofis
Gesundes Misstrauen ist auch dann angesagt, wenn "Reise-Gutschein-Meldungen" im Briefkasten landen. So kurz vor Ostern würden Haushalte mit den Massenschreiben geradezu überflutet, so die Erfahrung Dittrichs. Wer den Brief öffnet, darf überrascht lesen: der persönliche Reisebon von neulich ist noch nicht eingelöst. Damit das "Geschenk" nicht verfällt, hat man noch eine Chance, es zum festen Termin abzuholen.
Der Köder führt schnurstracks zu einer Werbeveranstaltung von Verkaufsprofis, warnt Dittrich. Richtig dubios könne es werden, wenn der Veranstalter ein ganz anderer als der Reisevermittler sei und im Ausland sitze, warnt Saller. Deshalb raten die Experten einmütig: Gewinnschreiben ignorieren, "Gratis"-Reisen immer durchrechnen und mit anderen Angeboten vergleichen. Auch in der Reisebranche gibt es nichts zu verschenken.


