Einstimmige Entscheidung der Unesco: Harzer Wasserregal ist Weltkulturerbe
zuletzt aktualisiert: 02.08.2010 - 07:33Hannover/Brasilia (RPO). Die Oberharzer Wasserwirtschaft ist seit Sonntag Teil des Weltkulturerbes der Unesco. Das Gremium wies das auch als Wasserregal bekannte Meisterwerk früher Bergbau- und Ingenieurskunst auf seiner Jahrestagung im brasilianischen Brasilia einstimmig als Weltkulturerbe aus.
Niedersachsens Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) verspricht sich von der Entscheidung "große Strahlkraft für den Harz". "Die Aufnahme des größten, seit dem Mittelalter weiter entwickelten montanen Wasserwirtschaftssystems der Welt, ist eine berechtigte Auszeichnung für dieses Meisterwerk menschlicher Schöpfungskraft", sagte Wanka nach Bekanntwerden der Entscheidung. Ihr Dank gelte "vor allem den Harzwasserwerken, ohne deren finanzielles Engagement die bisherige Unterhaltung der Wasserwirtschaft nicht möglich gewesen wäre".
Deutschland hatte die Aufnahme des Oberharzer Wasserregals in die Liste beantragt. Es ergänzt damit das bestehende Welterbe Erzbergwerk Rammelsberg und Altstadt Goslar. Das Unesco-Gremium war sich einig, dass die Oberharzer Wasserwirtschaft einen außergewöhnlichen universellen Wert hat und mit voller Berechtigung Teil des Unesco-Welterbes wird.
Eines der unbekanntesten Kulturdenkmäler der Welt
Antragsverfasser Reinhard Roseneck vom Landesamt für Denkmalpflege hofft, dass der Harz nun aus dem "Dornröschen-Schlaf herauskommt". Die Ausweisung bringe einen "unheimlichen Schub" für den Tourismus. "Die Wasserwirtschaft ist eines der unbekanntesten und bedeutendsten Kulturdenkmäler der Welt", sagte er. Dies zeige auch die einstimmige Entscheidung des Gremiums.
Roseneck verfasste bereits die Anträge für die 1992 erfolgte Ausweisung des Erzbergwerks Rammelsberg und der Altstadt von Goslar als Weltkulturerbe. Damals sei der Antrag allerdings lediglich zweiseitig gewesen. "Der aktuelle Antrag bestand aus neun Bänden mit weit über 1000 Seiten und 150 Karten."
Das System der Wasserwirtschaft besteht aus zahlreichen miteinander verbundenen Teichen, Gräben und Stollen gilt als mit Abstand größtes und bedeutendstes vorindustrielles Energieversorgungssystem der Welt. Das Wasser im Oberharz hat bereits vor 800 Jahren als entscheidende Kraftquelle die Wasserräder der Bergwerke und Hütten angetrieben.
Bis ins späte 19. Jahrhundert war es für den Abbau von Silber, Blei und Kupfer die einzige Energiequelle. Bereits im 13. Jahrhundert verfügten die Mönche im Kloster Walkenried am südlichen Harzrand über ein kleines, aber voll funktionsfähiges Wasserversorgungssystem.
Letzte erhaltene Fahrkunst
Das Oberharzer Wasserregal schufen Bergleute in der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, um damit Wasserräder und Pumpen anzutreiben. Im heute niedersächsischen Teil des Oberharzes legten die Bergmänner insgesamt rund 150 Teiche, 500 Kilometer Gräben sowie 160 Kilometer unterirdische Wasserläufe an.
Noch heute sind mehr als 100 Teiche erhalten. Auf diese Weise wurde das Wasser zu den Verbrauchern hin- und später wieder abgeleitet. Von den 31 Kilometern wie Tunnel durch die Berge getriebenen sogenannten Wasserläufen sind alle erhalten und viele davon auch für Besucher erschlossen.
Von der Unesco wurden auch bedeutende, ehemalige Nutzer des Wassersystems in die Ausweisung einbezogen. Dazu zählen drei Schachtanlagen aus dem 19. Jahrhundert, darunter die Grube Samson in St. Andreasberg. Dort befindet sich die letzte erhaltene sogenannte Fahrkunst, eine Anlage zur Beförderung von Bergleuten, der Welt.



