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Deutschland ist schön: Helgoland: Auf dem Frischluftfelsen

VON KNUT DIERS - zuletzt aktualisiert: 21.07.2007 - 13:33

Düsseldorf (RPO). Wenn die Tagesgäste Helgoland verlassen, kehrt Ruhe ein. Es ist Platz zum Genießen. Es ist Zeit zum Erleben der Natur, des Strandlebens und auch der Gastronomie.

Der letzte Katamaran hat gerade am Südhafen abgelegt. 500 Passagiere sortieren ihre Tagesbeute von der Insel, auf der es keine Mehrwertsteuer gibt. Die größte Auswahl an Whiskeysorten (etwa 850), an Zigarren und Parfüm haben sie durchkämmt. Schnäppchen sind dabei, auch bei Textilien. Wer mehr mitnehmen will, als der Zoll erlaubt, kann das unbegrenzt tun, solange er es selbst verbraucht und eine Gebühr dafür zahlt. In den Gassen von Unterland und Oberland herrscht Ruhe. Jetzt kommen die Genießer zum Zug.

Das sind die, die eine Woche Helgoland buchen und den Aufschrei der Kollegen ”Was willst Du denn da solange machen?” locker wegstecken. Immerhin ist die Hochseeinsel rund 80 Millionen Jahre alt und doppelt so groß wie der Vatikan. Die sauberste Luft pollenfrei lässt sich hier in Deutschland atmen, und mit wenigen anderen Orten liegt der rote Buntsandsteinfels mit seinem grünen Rasendach an der Spitze bei den Sonnenstunden (mehr als 2000 im Jahr).

Zunächst stillen die meisten Ankömmlinge anhand der Schautafeln auf dem Klippenrandweg, der an der Langen Anna, diesem Symbolfelsen, vorbeiführt, ihren Wissenshunger. Zu den drei Themen Geschichte, Kultur und Natur gibt es Rundgänge. Die Kurverwaltung hat jeweils ein Blatt dazu gedruckt, auf dem sich sehr schön alles nachlesen lässt.

Die einsame Stelle mit schönem Blick

Was aber nicht dort steht, ist der Ort, von dem aus sich ein wunderbarer Blick auf die roten Klippen und die Lange Anna eröffnet: unterhalb des Funkturms an der Küste. Hier, in der Nähe des riesigen Kraters, den die Briten 1947 hinterließen, ist es auch tagsüber einsam. Sie hatten versucht, die Insel mit ihrem unterirdischen System aus Bunkern, Krankenhaus und Schießanlagen mit 6700 Tonnen Munition von der Seekarte zu sprengen. Doch der Salzstock in der Tiefe und der darüber liegende Buntsandstein federten die extreme Druckwelle ab. Zwei überwachsene Krater blieben an dem so genannten Kringel an der Westseite. Die Unterwelt, die alten Bunkergänge, all das lässt sich heute noch bei Führungen besuchen. Gelegentlich gibt es unter Tage auch Konzerte und Ausstellungen.

”Mit dem Lernen über Kultur und Natur haben wir riesigen Erfolg”, beschreibt Kurdirektor Christian Lackner seine Idee, ständig mehr kundige Führer einzusetzen, die den Gast auf Einmaligkeiten der Insel hinweisen. In den Sommermonaten kommen die meisten der 500.000 Tagesgäste, mehr als 50.000 übernachten. Aber auch Herbst und Winter stehen im Programm bei Vogelkundlern oder Fans von stürmischen Zeiten mit geballter, feuchter Frischluft. Da gibt es dann die Sonderangebote wie drei Übernachtungen mit Freizeitprogramm für 139 Euro.

Von Karfinken, Börtebooten und Elektrokarren

Jetzt ist es Abend und die Serviererin hat wieder Zeit für den Gast. Sie dreht das Fernsehgerät, in dem gerade ein halbstündiger Geschichtsfilm über die Insel läuft, bis jeder etwas sehen kann. Vielleicht treten irgendwo die „Karkfinken” (helgoländisch für Spatzen) auf. Das ist ein Chor, der Shantys und Seemannslieder singt. Einige Gäste sind zum Hochseeangeln hinausgefahren.

Das bieten Fischer in ihren Börtebooten an. Sie sind ein robustes Stück Helgoländer Geschichte, denn mehr als 20 Millionen Menschen wurden mit ihnen in den vergangenen 50 Jahren von den auf Reede ankernden Seebäderschiffen ausgebootet. Inselrundfahrten werden damit auch veranstaltet, so heißen auf Helgoland die Fahrten im Boot um die Insel. Beliebt sind auch die Tagesausflüge zum Hochseeangeln. Da haben die meisten schon einen großen Fang gemacht.

Abends geht es zum Schwofen ins Schwimmbadcafé und später in die Diskothek vom Café Krebs im Oberland. Am nächsten Morgen fahren ab sieben Uhr die Kehrmaschinen. Müllbeutel werden eingesammelt. Der Inselbäcker fährt los. Etwa hundert Elektrokarren surren über die Insel. Autos und Fahrräder sind hier tabu bis auf wenige Ausnahmen. Drei hat zum Beispiel die Polizei. Hauptverkehrsmittel ist der Fahrstuhl, der in 25 Sekunden das Unterland mit dem Oberland verbindet. Helgoland ist eine Insel für Fußgänger.

Tour mit Dühnenfähre

Die Verkäuferinnen putzen nochmal schnell die großen Schaufenster, denn um 12.30 Uhr kommen die ersten Kauflustigen vom Festland. Der Mehrtagesgast entflieht dem Rummel elegant mit der ”Witte Kliff”. Die Dünenfähre trägt ihn in 6,5 Minuten zur kleineren Nachbarinsel. Da liegen morgens Robben am Strand und lassen sich aus kurzer Entfernung beobachten. Es gibt Gäste, die hier stundenlang hocken, um sich das anzusehen. Baden, auch textilfrei, lässt es sich hier, ohne dass es eng wird. Und in den neuen Holzhäusern kann man sogar die Ferien verbringen, umgeben von 130.000 Quadratmetern feinsten Sandes.


 
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