Alarmierende Bakterienwerte an Nord- und Ostsee: Hier kann Baden krank machen
zuletzt aktualisiert: 27.08.2009 - 12:21München (RPO). Millionen Menschen plantschen in diesem Sommer an Ost- und Nordsee. Bei angenehmen Wassertemperaturen vergnügen sie sich sorglos am Strand. doch es gibt zwei Seebäder, die sollten sie meiden. In Krummhörn an der Nordsee und Kühlungsborn an der Ostsee ist das Badewasser nach Angaben des ADAC stark mit Bakterien belastet.
Seine Mitarbeiter hatten in Kühlungsborn einen Wert von 4564 MPN je 100 Milliliter (ml) für Escherichia-coli-Bakterien gemessen, die Magen-Darm-Erkrankungen verursachen können. In der Gemeinde Krummhörn in Ostfriesland lag er sogar noch höher.
Der Grenzwert ist dem ADAC zufolge 1800 MPN je 100 ml. Die Wasserproben wurden in den Spiel- und Badebereichen der Strände entnommen. Als besonders anfällig für Infektionen gelten Kinder und ältere Menschen.
Auch der Wert für Intestinale Enterokokken war an beiden Stellen erhöht: In Kühlungsborn lag er laut ADAC bei 851 MPN, in Krummhörn bei 2618 MPN pro 100 ml. Der Grenzwert beträgt 700 MPN.
Alle auffälligen Wasserproben wurden in Spiel- und Badebereichen unmittelbar am Strand, an Bächen, Buhnen oder Einleitungen entnommen. Den Angaben zufolge werden die zuständigen Gemeinden über die Laborwerte informiert und aufgefordert, Maßnahmen gegen die Bakterienbelastung zu ergreifen. Nach den geltenden Verordnungen müssten die überschrittenen Grenzwerte ein Badeverbot nach sich ziehen, erläutert der ADAC.
Badeorte zeigen sich überrascht
Die Gemeinde in Kühlungsborn zeigte sich überrascht von dem Ergebnis. "Wir haben hier die blaue Flagge", erklärte die Sprecherin des Touristik-Services, Sigrid Kösling. "Diese Auszeichnung wird nur an Strände mit herausragender Wasserqualität verliehen", sagte sie.
Frank Baumann von der Gemeinde Krummhörn zeigte sich empört über die Messergebnisse: "Wir haben hier immer gute Wasserwerte gehabt", sagte er. "Wenn der ADAC in Pfützen misst, die nach der Flut zurückbleiben, dann sind solche Werte zwar auch eher unwahrscheinlich, aber man kann nach ihnen auch nicht den Zustand des Badestrandes ableiten." Bakterienwerte in solchen Pfützen seien möglicherweise auf Verunreinigungen von Wasservögeln oder spielenden Kindern zurückzuführen. Das Wasser in den Pfützen werde von Ebbe und Flut alle sechs Stunden ausgetauscht.
Nach den Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es allein in Europa jährlich zwei Millionen Magen-Darm-Erkrankungen aufgrund von verunreinigten Badegewässern.
Eine Gefahr für die Gesundheit besteht vor allem, wenn Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien zum Beispiel über Fäkalien aus der Landwirtschaft in die Badegewässer gelangen. Das Risiko, damit in Berührung zu kommen, sei im Badebereich unmittelbar am Strand, an Bächen, Buhnen oder Einleitungen besonders hoch.


