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Zwei Gemeinden planen Nacktwanderweg: Hüllenlos durch den Harz

zuletzt aktualisiert: 19.12.2008 - 10:48

Magdeburg (RPO). Nur mit Schuhen und Rucksack bekleidet durch das idyllische Wippertal: Die Idee eines offiziellen Nacktwanderweges im Harz erhitzt im Winter die Gemüter in Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge. Die Bürgermeister plagt vor allem eine Sorge: Sie wollen zur Eröffnung nicht voranschreiten.

Von "Unsinn" bis "PR-Gag" reichen die Reaktionen auf die Überlegungen, die ursprünglich vom Harzer Verkehrsverband HVV stammen. Dieser hält sich inzwischen in dieser Angelegenheit lieber dezent zurück. In den beiden kleinen Dörfchen Herzberg und Wippra im Süden Sachsen-Anhalts keimen gleichwohl Hoffnungen auf eine touristische Belebung ihrer Region durch höchstens mit Hut, Rucksack und Schuhen bekleidete Wanderer.

An die Spitze der Nacktwanderbewegung wollen sich aber auch die Bürgermeister der beiden Orte nicht setzen, die der HVV mit der Idee anfangs in Verbindung gebracht hatte. "Ich habe lediglich erwähnt, dass es bei uns in einem gemeindefreien Waldgebiet ein FKK-Gelände gibt", sagt Herzbergs Bürgermeister Gerhard Walter. Wenn jemand Interesse habe, werde er den da schon hinführen. Aber ein Nacktwanderweg nahe der kleinen Residenzstadt in Südniedersachsen?

Gänzlich gegen die Idee will sich das Stadtoberhaupt jedoch nicht stellen. "Ich bin kein Verhinderer, immerhin ist Herzberg 'die Esperanto-Stadt'", sagt er. "Ich bin aber nicht derjenige, der vorangeht, und sagt, ich gehe nackt wandern."

"Mit Anrufen bombardiert"

Auch Wippras Bürgermeisterin Monika Rauhut würde einen Nacktwanderweg keineswegs in der dann wohl erwarteten Kleiderordnung einweihen wollen. Sie reagierte anfangs überrascht und belustigt auf die Neuigkeit, dass ihr Erholungsort eine solche Tour planen soll. Doch die zahlreichen An- und Nachfragen - "ich wurde regelrecht mit Anrufen bombardiert" - ließen sie aufhorchen.

Rauhut besprach die Angelegenheit zunächst mit dem Gemeinderat, der nicht generell ablehnte. Die Bürgermeisterin selbst sagt, sie sei "für jede Schandtat zu haben, solange ich den Nacktwanderern nicht vorangehen muss". Einzelheiten will sie nun mit Heinz Ludwig im nicht weit von Wippra entfernten Dankerode erörtern. Der Wirt und Campingplatz-Betreiber in jenem "stillen, schönen Ort, jedoch weit weg vom Schuss", begeisterte sich von Anfang an für die Idee eines Nacktwanderweges, "weil es so etwas in Deutschland noch nicht gibt".

Eine Reihe von Leuten und Gruppen wollten gerne hüllenlos wandern, sagt Ludwig. Das landschaftlich idyllische Wippertal biete sich an für eine spezielle Route, auf der Anhänger der Freikörperkultur dann fast unter sich wären. Denn hier gebe es zwar viel schönen Wald, doch wenig Touristen.

18 Kilometer FKK-Wandervergnügen

Gastwirt Ludwig und Bürgermeisterin Rauhut wollen sich noch vor Weihnachten zusammensetzen und besprechen, ob und wie man nun einen FKK-Wanderweg zwischen Dankerode und Wippra ausschildern kann - vorbei an der Wippertalsperre, in der schon immer auch nackt gebadet wird. Sechs Kilometer von Dankerode bis zur Staumauer, dann nochmals drei bis Wippra hin und zurück - sie hätten also 18 Kilometer unbekleidetes Wandervergnügen zu bieten.

Natürlich dürfe ein FKK-Wanderweg-Schild kein Verbotszeichen für bekleidete Spaziergänger sein, wie an einem FKK-Strand ja auch kein Auszieh-Zwang bestehe, betonen beide. Welche rechtlichen Dinge aber genau bedacht und welche bürokratischen Hürden eventuell zu überwinden sind, weiß Monika Rauhut noch nicht. Ludwig würde an seinem Zeltplatz einen bewachten Parkplatz und vielleicht auch Schließfächer einrichten, "denn irgendwo müssen die Leute ja ihre Sachen lassen".

Ob nun schon zur nächsten Saison im Harz ganz offiziell auf einem extra dafür ausgewiesenen Weg nackt gewandert werden kann, "will ich nicht versprechen, bin aber guter Hoffnung", erklärt der Gastwirt.

Nackt gewandert wird in Deutschland im übrigen seit langem, einzeln oder in Gruppen, und meist in entlegenen Gegenden. Die Ursprünge gehen auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Damals begannen Anhänger der Freikörperkultur, bei sportlichen Betätigungen im Freien auf Kleidung zu verzichten, um Natur, Sonne und Wind frei und pur erleben und spüren zu können.

Quelle: AP

 
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