Biblische Stätten: Jordanien: Urlaub wie in einer anderen Welt
zuletzt aktualisiert: 16.03.2005 - 13:02Amman (rpo). Jordanien - das ist eine Reise durch die Menschheitsgeschichte. Denn die vielen Sehenswürdigkeiten in dem Haschemitischen Königreich erinnern an biblische Vorgänge. Neben der Hauptstadt Amman ist die Felsenstadt Petra sicherlich die bekannteste Sehenswürdigkeit des Landes.
Ganz deutlich zeichnen sich der Nil, der Jordan und das Tote Meer ab. Aus der Vogelperspektive sind sogar die Fische im Fluss zu erkennen, wie sie vom salzigen Wasser wegschwimmen. Die Stadtmauer mit Türmen und Toren, die eine von Säulen gesäumte Straße, Häuser und die Grabeskirche umschließt, gehört zu Jerusalem.
Rund zwei Millionen farbige Mosaiksteinchen wurden meisterhaft zu einer Landkarte zusammengefügt. Sie zeigt das Heilige Land um 560 von den phönizischen Städten Tyros und Sidon im Norden bis nach Ägypten im Süden, vom Mittelmeer im Westen bis zur Wüste im Osten. Direkt unter unseren Füßen befinden sich Nablus, Gaza und Jericho. Wir stehen in der griechisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Georg in Madaba. Beim Bau des Gotteshauses wurde ein Teil des einzigartigen Kunstwerks zerstört. Dennoch ist die lebendige Darstellung des alten Palästina, die den Kirchenboden schmückt und im Original rund 100 Quadratmeter maß, das Prunkstück der "Stadt der Mosaiken" südlich der jordanischen Metropole Amman.
Obwohl Madaba nur etwa 35 Kilometer von der Hauptstadt des Haschemitischen Königreichs entfernt liegt, waren wir zunächst auf halbem Wege eingekehrt. "Die jordanischen Männer treffen sich in ihrer Freizeit gern auf eine Nargila", erklärt unser Begleiter Ayyad. Die Wasserpfeifen werden in den Restaurants rauchfertig an den Tisch gebracht. Sein Name bedeute "einer, der viel feiert", fügt er scherzend hinzu. Im Arabischen habe jeder Name eine Bedeutung.
Restaurant im Felsgwölbe
Das "Kan Zaman" ist mehr als ein Gourmettempel vor den Toren Ammans. Restaurant und Café sind in einem Felsgewölbe, das ursprünglich als Stall diente, untergebracht. Im angrenzenden Labyrinth aus Innenhöfen und einstigen Vorratslagern können Besucher Kunsthandwerker bei der Arbeit erleben und Souvenirs kaufen. Die Kellner tragen traditionelle Kleidung, und die Kupferkessel der Schauküche sind blank geputzt. Es duftet verführerisch. Bei den unzähligen Vorspeisen ersetzt nicht selten der Fladen Löffel und Gabel. Gemütlich blubbern die Wasserpfeifen. Der Tabak ist zumeist mit Aromastoffen versetzt. Unser Tabak schmeckt nach Apfel.
Gut gestärkt ging es dann auf der 5000 Jahre alten Königsstraße "Tariq al-Muluk" weiter in Richtung Süden. An Nomadenzelten und Olivenhainen, Wüstenschlössern und Kreuzritterburgen vorbei führt sie bis in die legendenumwobene rosarote Felsenstadt Petra. Bevor wir am Sandstrand von Aqaba und im Schnorchelparadies des Roten Meeres die Seele baumeln lassen, wollten wir wenigstens einige der kulturhistorischen Attraktionen Jordaniens kennen lernen.
1400 Jahre alte Mosaiken
In der seit mindestens 4500 Jahren bewohnten Stadt Madaba, dem biblischen Medeba, angekommen, gilt unsere Aufmerksamkeit den Mosaiken. Die meisten sind mehr als 1400 Jahre alt und stellen Blumen und Pflanzen, Vögel, Fische und exotische Tiere dar, aber auch Szenen aus der Mythologie und dem Alltag wie Jagden, Feldarbeit und Fischen. Ein Großteil wurde beim Erdbeben im Jahr 749 zerstört.
40 Prozent der 50 000 Einwohner sind Christen. Allein 14 alte Kirchen wurden bei Ausgrabungen freigelegt. Khalil Hamdan führt durch die Mosaikschule, die größte des Nahen Ostens, wo auch Funde restauriert werden. "Die Ausbildung dauert drei Jahre", sagt er, "die Restaurierung eines Quadratmeters etwa zwei Monate." Joseph, der Praktikant, verrät, dass auch Souvenirs für Touristen hergestellt werden. "Besucher aus den Golfstaaten bestellen sich sogar Königsbilder. Das kostet...", flüstert er uns zu.
Wo Moses starb
Antike Mosaike gibt es auch zehn Minuten westlich von Madaba zu bestaunen, wo der biblische Berg Nebo etwa 710 Meter aus der transjordanischen Hochebene emporragt. Dieser Gipfel ist vielleicht die heiligste Stätte Jordaniens, gilt er doch als der Ort, an dem der Prophet Moses starb. "Über seinem Grab wurde schon im 4. Jahrhundert eine kleine Gedächtniskirche errichtet, die die Christen allmählich zu einer Basilika erweiterten", erklärt Ayyad. Er als Muslim verehrt die biblischen Propheten auch.
Vor den Touristen kamen Pilger. Die Pilgeroute begann in Jerusalem, führte über Jericho und die Mosesquellen zum Berg Nebo, um dann an den heißen Quellen von Hammamat Ma'in zu enden, wo ein erholsames Bad lockte. Heute ist dort ein Kurort. Doch nur vom Berg Nebo bietet sich die faszinierende Aussicht über das grüne Band des Jordantals und das glitzernde Tote Meer. "An klaren Tagen lassen sich mit bloßem Auge sogar die Dächer von Jerusalem und Bethlehem erkennen", sagt Ayyad sichtlich bewegt. Bethlehem ist seine Heimatstadt.


