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Ecuador: Katholisch-indianisches Herz: Koloniale Altstadt von Quito

zuletzt aktualisiert: 21.04.2005 - 11:53

Quito (rpo). Was fällt Ihnen beim Stichwort Ecuador ein? Regenwald, Galapagos-Inseln? Stimmt. Viel unbekannter dagegen ist die Hauptstadt des Landes, Quito. Eigentlich zu Unrecht. Denn die Stadt hat viele schöne Seiten zu bieten. Und in der zum Unesco-Welterbe zählenden Altstadt von Quito schlägt das katholisch-indianische Herz der Stadt.

Kurzatmig dürfen Besucher Quitos nicht sein. Die Stadt liegt zwar nicht so hoch wie Boliviens Metropole La Paz, aber mit rund 2800 Metern immer noch hoch genug, um Bewohner tieferer Lagen ein wenig um Luft ringen zu lassen. Dabei dürften diese zunächst vermutlich nicht unbedingt das Gefühl haben, im Gebirge zu sein. Denn die Stadt wurde in einem Hochtal zwischen zwei Gebirgsketten erbaut.

Drei der Gipfel sind dicht bewachsen und prägen Quitos Stadtbild. Sie gehören zum Pichincha, einem der zahlreichen Vulkane auf Ecuadors Staatsgebiet, das ein wenig kleiner ist als die Bundesrepublik. Nicht von ungefähr heißt das Hochtal, das sich mehrere hundert Kilometer weit in Nord-Süd-Richtung erstreckt, "Straße der Vulkane". Vorwiegend kleine Häuser ziehen sich weit die grünen Hänge hinauf.

Das Herz der Stadt schlägt im Kolonialviertel, das sich von den größeren Hotels aus am einfachsten per Taxi erreichen lässt. Den Bau des Viertels nahmen die Spanier in Angriff, nachdem sie die Stadt im 16. Jahrhundert von den Inkas erobert hatten. Der Name Quito ist vom ursprünglichen "Quitsa-to" abgeleitet, was für "Mittelpunkt der Erde" steht: Wenige Kilometer nördlich der Stadt verläuft der Äquator. Ein trutziger Bau setzt ihm ein Denkmal und beherbergt unter anderem ein Museum zur Kulturgeschichte Ecuadors.

Die Altstadt mit ihren weiß getünchten Häusern und den steilen, engen Gassen ist vor allem vom Katholizismus geprägt, den die Spanier - bis heute erfolgreich - nach Südamerika exportierten: Die vielen Kirchen des Viertels werden nach wie vor rege genutzt. In einem der sieben Innenhöfe des Klosters San Francisco sitzt ein junger Mönch in seiner braunen Kutte und spielt auf der Gitarre.

Mit Gitarrenmusik allein konnten die Spanier die indianischen Einwohner freilich nicht von der für sie neuen Religion überzeugen. Deshalb gingen sie insbesondere bei der Gestaltung der Kirchen in die Vollen. So ziert die Decke des Vorraums der Iglesia de la Compañia de Jesus eine große Sonne, die die Ureinwohner faszinieren sollte. Diese glaubten damals ausschließlich an natürliche Gottheiten wie die Sonne oder den Wind.

Waren die in den Augen der Eroberer Ungläubigen erst angelockt worden, sollten sie endgültig ins Staunen geraten: Insgesamt sieben Tonnen pures Gold verarbeiteten die Spanier im Inneren der Iglesia de la Compañia. Die gedrechselten Holzsäulen des maurischen Hauptaltars zum Beispiel versahen sie zuvor mit einem speziellen Material. Darauf konnte die dünne Schicht des kostbaren Materials besser haften.

Den Altar der Barockkirche San Francisco zieren neben Engeln mit indianischen Gesichtszügen auch Spiegel. "Davon waren die Ureinwohner am Anfang besonders beeindruckt, weil sie keine Spiegel kannten", erklärt die Fremdenführerin Giovanna Hermosa. Bis heute deckt sich die Art, wie der katholische Glaube in Ecuador ausgelebt wird, nicht ganz mit dem aus Europa bekannten.

Auch vor der Kirche wird deutlich, dass Quito im häufig von Krisen geschüttelten Südamerika liegt: Während sich drinnen Gläubige versammelt haben, bewachen Uniformierte das Portal. Die Menschen auf dem Platz vor der Kirche lassen sich davon nicht stören: Kinder laufen umher und versuchen, gemalte Bildchen an Touristen zu verkaufen, vor den zahlreichen kleinen Läden spielen sich lautstarke Diskussionen ab.

Am Plaza de la Independencia kommen sich Staat und Kirche Ecuadors räumlich besonders nahe: Direkt neben dem Präsidentenpalast steht die prächtige, schneeweiße Kathedrale von Quito. Neben dem Bürgermeister hat am Unabhängigkeitsplatz - die Republik Ecuador wurde 1830 ausgerufen - auch der Erzbischof seinen Sitz. Auf dem Asphalt haben hingegen zahlreiche Schuhputzer auf roten Holzsitzen Platz genommen und warten darauf, besser Verdienenden zu Diensten sein zu können.

Die Wohnquartiere der weniger wohlhabenden quiteños, so lautet der spanische Name der Stadtbewohner, liegen etwa am Hang des Panecillo. Kleine Läden und Werkstätten säumen die steile Straße, die sich den Hügel hinaufwindet, unter freiem Himmel brutzeln gebratene Hähnchen am Spieß. Auf dem Gipfel werden Besucher vom Wahrzeichen der Stadt, der mehrere Meter großen "Jungfrau von Quito" aus Aluminium, quasi in Empfang genommen. Mehr als 3000 Meter über dem Meer haben sie einen herrlichen Blick über die Stadt - und vermutlich dann doch das Gefühl, sich im Gebirge zu befinden.

Info

ANREISE und FORMALITÄTEN: Die spanische Fluggesellschaft Iberia beispielsweise fliegt von Frankfurt/Main über Madrid. Der internationale Flughafen liegt einige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Fahrten dorthin mit dem Taxi möglich. Bei der Ausreise ist eine Gebühr in Höhe von 25 US-Dollar in bar zu zahlen.

KLIMA UND REISEZEIT: Wegen der Lage auf Höhe des Äquators gibt es keine stark ausgeprägten Jahreszeiten. Die Temperaturen sind ähnlich wie an warmen Herbsttagen in Deutschland.

GESUNDHEIT: Schutz gegen Hepatitis A und B wird empfohlen, manche Ärzte raten zu Typhusimpfung. Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport sollte bestehen.

INFORMATIONEN: Ecuadorline, Dr.-Ernst-Derra-Straße 4, 94036 Passau (Tel.: 0851/756 56 44.

Quelle: gms

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