Uralt-Gefängnis wird umgebaut: Knasthotel mit Gruselfaktor
zuletzt aktualisiert: 11.02.2009 - 17:29Amberg (RPO). Das ehemalige Gefängnis im bayerischen Amberg darf zum Knasthotel "Rast im Knast" umgebaut werden. Das Gebäude aus dem 14. Jahrhundert wartet mit düsteren Zellen und dicken Gittern auf. Besonders gruselig: Das Gefängnis hatte eine eigene Todeszelle.
Zwei Jahre hatte Gerald Stelzer intensiv um sein Projekt gerungen, nun gab der Bauausschuss von Amberg grünes Licht: "Nach zwei Jahren intensiver Arbeit, viel Nerven und Ärger und unzähligen Diskussionen mit Fachbehörden und vor allem dem Denkmalschutz ist das schon eine gute Sache", freut sich der Initiator. Zusammen mit zwei Mitgesellschaftern, mit denen er ansonsten Reinigungsmittel für Brennstoffmotoren vertreibt, versucht der 39-Jährige nun die Finanzierung zu stemmen. Und die ist aufwendig. "So um die zwei Millionen Euro wird das Ganze kosten", schätzt Stelzer.
Eine Herausforderung sind auch die "vielen Auflagen" für den Umbau des in Teilen aus dem 14. Jahrhundert stammenden Gebäudes. Ein erster Teil wurde 1324 im Zuge der Errichtung der Stadtmauer gebaut, 1699 schließlich wurde der Komplex in der Fronfestgasse zum Gefängnis umgewidmet. Bis 1964 wurde er als selbiges genutzt, von da an stand das Gebäude überwiegend leer.
"Ich bin sofort auf offene Ohren gestoßen", erinnert sich Stelzer an die Ursprünge des Projekts zurück. "Das hat mit einer Spinnerei angefangen, irgendwann legt man das Ei und dann wird's immer größer." Wenn alles klappt, sollen im März 2011 die ersten Gäste die Zellentür hinter sich schließen und sich in echtem Zuchthausflair betten können. Stelzer wohnt samt Frau schon jetzt in einem vom Hotel garni in spe abgetrennten Gebäude.
"Die Zellen sind relativ dunkel und haben richtig kräftige Gitter", beschreibt Stelzer das Ambiente. "Rein kommt man durch eine kleine, aber sehr dicke Eichentür mit verschiedenen Schlössern. Die ist nur 60 Zentimeter breit und vielleicht 1,80 Meter hoch. Drinnen ist dann ein richtiges Gewölbe, das ist schon relativ gruselig."
Frühstück durch die Türklappe
In jeder Tür gibt es auch eine Klappe, durch die sich die Gäste das Frühstück durchschieben lassen können. "Es wird aber auch einen Frühstücksraum geben", fügt der 39-Jährige hinzu. "Da wird es einen Apothekerschrank geben mit den Zellennummern auf jedem Fach. Da können sich die Gäste dann ihre Bestellung herausholen."
Seine Hoffnung setzt Stelzer vor allem auf Radfahrer. "Keiner bleibt eine Woche in Amberg, dafür ist die Stadt auch viel zu klein. Aber ein, zwei, drei Tage kann man es sich schon schön machen. Außerdem liegt Amberg am Fünf-Seen-Radweg. Aber Radfahrer bleiben bislang sehr wenig über Nacht, weil das Preisgefüge relativ hoch ist." Genau diese Lücke will Stelzer schließen: Für 50 Euro inklusive Frühstück soll eine Doppelzelle zu haben sein. Insgesamt 36 Gäste soll das Gefängnishotel einmal beherbergen.
Vor allem im Erdgeschoss kommt dem Betreiber zufolge richtige Knaststimmung auf. 8 bis 15 Quadratmeter sind die Zellen dort groß, "wenn man da eine Dusche und ein WC einbaut, passt nur noch ein Stockbett rein oder man macht eine Einzelzelle draus". Im Obergeschoss dagegen sollen ganze Familien auf bis zu 30 Quadratmetern Platz finden.
Wer will, soll dereinst auch eine echte Todeszelle besuchen können. 1935 fand in Amberg die letzte Hinrichtung statt. Wo einst der Todgeweihte dem Schafott entgegenzitterte, soll aber niemand schlafen dürfen: Die Todeszelle will Stelzer zu einem Dokumentationsraum machen.


