Stadtansichten im Frühjahr: Kopenhagen: Alles so schön hyggelig
zuletzt aktualisiert: 24.05.2004 - 12:15In drei Tagen kann man die dänische Hauptstadt prima erkunden. Die Einheimischen lassen es allerdings lieber gemütlich angehen. Dazu bietet Kopenhagen mit seinen großzügigen Parkanlagen und bezaubernden Bauten jede Menge Gelegenheit.
Beim Einstieg in den Bus wünscht Knud seinen Gästen in possierlichem Deutsch „Viel Vergnügung in Dänemark“. Knud fährt nunmehr drei Jahrzehnten Bus in Kopenhagen und spricht perfekt Deutsch. Gut, fast perfekt. Knud hat gute Laune, was wohl auch daran liegt, dass die große dänische Zeitung "Politiken" heute in einem Artikel voll des Lobes über die dänische Busfahrerzunft ist. Stolz und voller Details verweist er auf die Sehenswürdigkeiten, die rechts und links der Buslinie den Straßenrand säumen und ärgert sich derweil über den vor ihm fahrenden Busfahrer, der es mit der dänischen „Hyggeligkeit“ etwas zu genau nimmt. Sich "hyggelig" fühlen ist so etwas wie der behagliche Gemütsdauerzustand der Dänen.
Im Mai, wenn noch wenige Touristen in den breiten und fahrradfreundlichen Straßen umherschlendern, gehört die dänische Hauptstadt den Bewohnern alleine. Und diese nutzen die Vorzüge einer Stadt, die reich an bezaubernden Gebäuden und großzügig gestalteten Parkanlagen ist. Riesige Grünflächen wie der Kongens Have mit dem kleinen Schloss Rosenborg, das sich einst der dänische König Christian IV. als Lustschlösschen ins Zentrum setzte, verteilen sich übers Stadtgebiet. Die beiden Hauptschlösser Kopenhagens sind der Parlamentssitz Christiansborg und das aus vier Gebäudekomplexen bestehende Schloss Amalienborg, in dem die populäre Königin Margarethe II. und ihr Mann Hendrik wohnen. Der Schlossplatz wird bewacht von mit strenger Miene und traditionsreicher Kleidung dekorierten Garden. Jeden Mittag um Punkt 12 Uhr bietet sich dem Kopenhagen-Besucher das spektakuläre Schauspiel des Wachwechsels der königlichen Leibgarde immer dann, wenn die Königin auch in ihrem Palast weilt.
Prunkvolle Bauten und Sinn für Kunstvolles
Knud lenkt sein gelbes Arbeitsgerät ins Viertel Frederiksberg, wo einst König Frederik III. in barockem Ambiente residierte. Die prunkvollen Bauten der Geschichte mischen sich in Kopenhagen mit einem feinen Sinn für Kunstvolles. Die dänische Hauptstadt ist dank universitärer Einrichtungen eine der Hochburgen des internationalen Designs. Seine kulturelle Vielfalt verdankt Kopenhagen dem Bier und der Monarchie. Carl Jacobsen, Sohn des Carlsberg-Brauerei-Gründers Jacob Christian Jacobsen, verschönerte mit seinem B(r)auwerk so manchen dänischen Abend und das Stadtzentrum. Gemeinsam mit der zweiten großen dänischen Brauerei Tuborg finanzierte Carlsberg unter anderem die prächtige und vielfältige Carlsberg-Glyptothek. Das zweite große Museum in Kopenhagen ist das Statens Museum for Kunst mit einer reichhaltigen Sammlung.
Geübte Beine erforschen Kopenhagen mit seinen Hauptattraktionen, zu denen auch der Vergnügungspark Tivoli gehört, in drei Tagen. Doch Schnelligkeit ist der Dänen Sache nicht. Lieber sitzen diese schon zur Mittagszeit bei Sonnenschein an der neuen Restaurantmeile Nyhavn und erfreuen sich der Brauereispezialitäten ihrer Kultursponsoren. Oder sie verweilen für Stunden im Botanischen Garten, in dem neben kunstvoll angelegten Gärten auch ein prächtiges Gewächshaus mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen für verschiedene Pflanzen installiert ist. Und neben den Oasen der Ruhe in der Innenstadt sind Großprojekte wie die neue Staatliche Oper im Stadtteil Holmen oder die Öresund-Brücke von Dänemark nach Schweden Wegweiser in die Zukunft.
Die Kehrseite von Kopenhagen heißt Christiania. Der kleine Freistaat in der Hauptstadt sicherte sich seine Autonomie vor rund 30 Jahren und beherbergte die sozialen Aussteiger. Gestartet als hoffnungsvolles Projekt, bietet der Freistaat auch heute noch sozialen Randgruppen eine Chance. Die Fahrt neigt sich dem Ende zu. Zur rechten liegt nun der Zoologische Garten mit seinem Nachbau des Pariser Elfenbeinturms. Dort entlässt Knud seine deutschen Passagiere in die Heimatstadt. Und wieder wünscht Knud "viel Vergnügung".
Von Sebastian Peters


