Australien: Kostbares Riff - vom Öl bedroht
VON JÖRG ZITTLAU - zuletzt aktualisiert: 07.04.2010 - 09:50Düsseldorf (RP). Umweltexperten sind in Sorge um das Great Barrier Riff nach dem Schiffsunglück vor Australiens Küste: Öl verteilt sich als luftundurchlässiger Film über der Wasseroberfläche und gefährdet Vögel, Robben und Wale. Später versiegelt es die Küsten, so dass die dortigen Bodenlebewesen ersticken.
Was zeichnet das australische Great Barrier Riff (GBR) aus? Mit etwa 2300 Kilometern Länge ist es das größte aller Riffe, seine ältesten Teile entwickelten sich vor knapp 20 Millionen Jahren. 1981 wurde es von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Das GBR ist die Heimat von über 1500 Fisch- und über 200 Vogelarten. Es ist schon seit längerem gefährdet, weil in seiner Nähe Ölschiefer abgebaut wird, durch den große Mengen an giftigem Schutt und Staub in das Riff eingetragen werden. Im März 2009 lief in seiner Nähe Öl aus einem chinesischen Containerschiff. Der Schaden wurde Australien mit 25 Millionen Dollar vergütet.
Was sind die Besonderheiten der Korallenriffe? Sie entstehen aus den Kalkausscheidungen von Korallen und sind die größten durch Lebewesen errichteten Bauwerke überhaupt. Für ihre Entstehung brauchten sie oft viele Millionen Jahre. Ihr Bestand ist akut gefährdet, 20 Prozent der ursprünglichen Korallenbänke sind bereits vernichtet. Hauptursachen dafür sind aggressive Fischfangmethoden mit Chemikalien und Dynamit sowie Klimawandel, industrielle Verschmutzung und auf Grund gelaufene Schiffe. Mit dem Riffesterben verlieren zahlreiche Tiere und Pflanzen ihre Lebensgrundlage und Tausende von Strandkilometern ihren natürlichen Schutz vor Erosionen und Stürmen.
Was sind Korallen? Korallenriffe werden überwiegend von Steinkorallen gebildet. Sie gehören nicht zu den Pflanzen, sondern zu den Tieren. An ihrer Basis produzieren sie Kalk, der das Gerüst der Riffe bildet. Ihre Nährstoffe beziehen sie aus Kleinstorganismen - oder aber von Partner-Algen, die gleichzeitig das Kohlendioxid der Korallentiere aufnehmen und dadurch verhindern, dass sich die kalkhaltigen Riffe durch Kohlensäure selbst auflösen. Die meisten Korallen benötigen Wassertemperaturen zwischen 20 und 29 Grad - infolge des Klimawandels werden diese Werte immer öfter überschritten.
Was macht Ölkatastrophen für die Umwelt so gefährlich? Das Öl verteilt sich schnell als luftundurchlässiger Film über der Wasseroberfläche und gefährdet dadurch alle dort lebenden Tiere wie etwa Vögel, Robben und Wale. Später versiegelt es auch die Küsten, so dass die dortigen Bodenlebewesen ersticken. Ganz zu schweigen davon, dass Öl in die Nahrungskette gelangt und dadurch Tiere und Pflanzen vergiftet. Besonders dramatisch sind in dieser Hinsicht die so genannten Schweröle: Sie werden von der Industrie gerne als „Trägersubstanz“ verwendet, um Batterieflüssigkeiten und chemische Reiniger zu beseitigen.
Warum leiden vor allem Vögel unter Ölkatastrophen? Ölteppiche erwecken auf Vögel den Eindruck einer ruhenden Wasserfläche: Die Tiere landen und verölen dabei ihr Gefieder, das dadurch an Flug- und Schwimmtauglichkeit verliert und keine Wärme mehr halten kann. Die meisten Vögel erfrieren und ertrinken, andere vergiften sich bei dem Versuch, das Öl aus den Federn herauszupicken.
Wie schnell baut sich Öl im Wasser ab? Das Tempo des Abbaus hängt vor allem von der Beschaffenheit des Öls, seinen Mengen und den Außenbedingungen ab. So werden Ölfilme auf blanken Felsen schneller von Sonne und Brandung attackiert als etwa im Watt oder in einem dicht bewachsenen Korallenriff. Bakterien, die beim Ölabbau die Hauptarbeit leisten, mögen hingegen keine Kälte. Weswegen man Alaska noch heute massiv unter den Folgen einer Ölpest von 1989 leidet. Im tropischen GBR ist mit einem zügigeren Bio-Abbau des Öls zu rechnen.
Was kann man gegen die Ölpest tun? Ölsperren verhindern das Ausbreiten des Ölteppichs, Spezialschiffe können das auf der Wasseroberfläche schwimmende Öl aufnehmen, allerdings nur bei moderatem Wellengang. Durch Chemikalien lässt sich der Ölteppich zersetzen, dabei können jedoch schädliche Begleitchemikalien entstehen. Problematisch ist auch das Entfernen des Öls von den Küsten: Wenn dies nicht fachgerecht geschieht, können Ölreste bis tief ins Erdreich gelangen.
Was tut man am GBR derzeit gegen die Ölpest? Bisher sind „nur“ vier Tonnen Öl aus dem chinesischen Dampfer ausgelaufen, die sich relativ problemlos durch Chemikalien auflösen ließen, die aus Flugzeugen abgeworfen wurden. Ansonsten liegt jetzt der Schwerpunkt darauf, das Öl aus den Treibstofftanks des Frachters zu pumpen. Erst dann soll ein Versuch unternommen werden, ihn aus dem Riff zu ziehen.
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