Boom an Bord: Kreuzfahrtanbieter zählen erstmals eine Million Gäste
zuletzt aktualisiert: 09.03.2007 - 08:32Berlin (RPO). Längst sind Kreuzfahrten nicht mehr etwas für gut Betuchte. Immer mehr Menschen wollen und können sich Erholungsreisen auf dem Wasser leisten. So hat die Branche im Vorjahr erstmals die Schallmauer von einer Million Gäste durchbrochen.
Wenn Deutschlands Kreuzfahrtmanager von ihren Zielen sprechen, dann war bisher oft nicht nur von fernen Gewässern, sondern auch von der angepeilten Millionenmarke die Rede. 2006 haben die Reedereien sie geknackt: Erstmals wurden auf Hochsee- und Flussschiffen mehr als eine Million Passagiere aus Deutschland registriert.
Das gab der Deutsche Reiseverband (DRV) auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin (noch bis 11. März) bekannt. Und der Boom beim Urlaub an Bord geht weiter, zumindest auf hoher See: Viele neue Schiffe stoßen schon bald zu den Flotten und lassen die Manager bereits von neuen Zielen träumen.
Unter dem Strich stehen in der DRV-Bilanz für das vergangene Jahr exakt 705.010 deutsche Passagiere auf Hochseeschiffen. Das waren 10,3 Prozent mehr als 2005. Insbesondere internationale Reedereien konnten mehr Gäste für sich gewinnen: Ihr Wachstum fiel fast doppelt so groß aus wie das der einheimischen Anbieter.
Nordeuropa legt kräftig zu
Bei den Reisezielen konnte diesmal vor allem Nordeuropa kräftig zulegen: Inzwischen bucht jeder fünfte deutsche Hochseepassagier (20,1 Prozent) Fahrten zum Nordkap, nach Island oder zu den Fjorden Norwegens. Das seien doppelt so viele Passagiere wie auf der Ostsee, wo das Interesse leicht nachgelassen habe, sagte Michael Thamm, Chef des DRV-Schifffahrtsausschusses.
Das "Brot- und Butter-Geschäft" - so Thamm - bleibe für die Hochseereedereien aber das Mittelmeer, wohin 37,5 Prozent der Gäste ihre Schiffsreise führte. Die Karibik und andere Ziele in Übersee machten wie im Vorjahr etwa 21 Prozent aller Hochseereisen aus. Nur wenig Veränderungen gab es auch bei anderen Details im Reiseverhalten: Die durchschnittliche Reisedauer stieg um 0,1 auf nun 9,7 Tage, der Durchschnittspreis um 15 auf 1928 Euro pro Passagier.
Minus auf den Flüssen
Nicht ganz so glücklich sind die Reedereien mit der Entwicklung auf den Flüssen: 310.655 Gäste bedeuteten hier ein Minus von 4,6 Prozent - der erste Rückgang in diesem Bereich seit dem Jahr 1999. In fast allen Ländern sanken die Passagierzahlen, auf der Donau ebenso wie auf den anderen deutschen Flüssen, auf dem Nil, in Russland und der Ukraine. Nach oben zeigte die Kurve nur in China, Südostasien und den Benelux-Ländern.
"Für die Reedereien ist es nicht ganz einfach, immer wieder neue Angebote auf den Markt zu bringen", sagte Thamm. "Die Donau wird halt nicht noch länger." Trotzdem bleibe Deutschland der weltgrößte Markt für Flussreisen. Beim Preis pro Tag an Bord mussten die Passagiere im Schnitt sogar um 8,8 Prozent tiefer in die Tasche greifen: 2006 wurden gut 153 Euro fällig.
Für 2007 sind die Erwartungen nun weniger hoch gesteckt als in der Vergangenheit: Viele Flussreedereien seien noch nicht zufrieden mit den Buchungen für den Sommer und versuchten, mit mehr Themenreisen und Frühbucher-Ermäßigungen den Markt anzukurbeln, sagte Thamm. Ganz anders sieht es auf hoher See aus: Hier sei wieder mit einem sehr guten Jahr zu rechnen. Er persönlich gehe davon aus, dass erneut rund zehn Prozent mehr deutsche Urlauber eine Hochseereise buchen werden.
Neue Messlatten
Schon sucht die Branche nach neuen Messlatten. Vielleicht werde es auf der ITB 2008 ja die Nachricht geben, "dass wir erstmals insgesamt zehn Millionen Übernachtungen geschafft haben", sagte Thamm. Im Jahr 2006 lag diese Zahl bei gut 9,224 Millionen. Und auch die nächste Millionengrenze haben die Reedereien im Visier: 2010 sollen so viele Passagiere allein im Hochseebereich gezählt werden - mindestens.


