Öko-Taucherparadies Jordanien: Magische Unterwasserwelten
zuletzt aktualisiert: 24.04.2009 - 14:32Akaba/Bremerhaven (RPO). Ein mit Schwämmen überwucherter Frachter, Wolken aus bunten Fischen und blühende Korallengärten: Die Unterwasserwelt Jordaniens ist ein bislang kaum bekanntes Paradies für Taucher. Zu deren Unterhaltung ließ das Königshaus auch noch einen russischen Panzer ins Meer werfen.
Das Herz schlägt schneller, als die Schemen aus dem tiefen Blau hervortreten. Zuerst die Konturen des Bugs, dann die Aufbauten und der schräg zur Wasseroberfläche hinaufragende Mast, schließlich die von Korallen und Schwämmen überwucherte Reling. Wie ein gestrandeter, fetter Wal liegt die "Cedar Pride" auf ihrer Flanke, ein Augenschmaus für jeden Wracktaucher. Sie ist die Perle in der Korallenkrone Jordaniens - wie sich der damalige Kronprinz und heutige König Abdullah II. das wohl vorstellte, als er den libanesischen Frachter 1985 versenken ließ.
Das Königshaus ist der große Hüter der Unterwasserwelt in Jordanien. Schon Abdullahs Vater und Vorgänger Hussein I. tauchte laut dem jordanischen Fremdenverkehrsamt in Amman leidenschaftlich gern. Im Jahr 1995 stellte er einen großen Teil des Meeres vor der 27 Kilometer langen Küste als Meeresnationalpark unter Naturschutz. Sein Sohn ließ neben der "Cedar Pride" auch einen russischen Panzer als Attraktion für die Taucher ins Meer werfen und von Forschern künstliche Riffe aus Betonblöcken anlegen.
Die königliche schützende Hand hat den Korallenriffen sichtlich gut getan. Wolken von bunten Fischen wuseln über prächtig blühende Korallengärten. Die Unterwasserwelt scheint hier noch weitgehend in Ordnung - besonders im Vergleich zu den Meereswüsten vor dem israelischen Party-Touristenmoloch Eilat gleich nebenan. Dass die jordanischen Riffe vergleichsweise gesund sind, hat laut Monty Halls, Autor eines weltweiten Tauchreiseführers, einen einfachen Grund: Sie seien bisher vom Massentauchtourismus, der anderen Gebieten dieser Region schwer zusetzt, verschont geblieben.
Erst in den vergangenen Jahren wurden die Tauchtouristen in Jordanien langsam mehr. Entlang der Sandstrände entstanden Fünf-Sterne-Hotels mit angeschlossenen Tauchcentern, die Zahl der Direktflüge nach Akaba nahm zu. Noch ist der zweibeinige Flossenfisch aber nicht das häufigste Meeresgetier, das einem an den 30 Tauch-Spots begegnet. "Wir haben eine Lehre aus den Fehlern unserer Nachbarn gezogen, wo das Tauchen schon viel früher begann", sagt Tauchführer Osama Otoum.
Korallenschutz geht vor
Mehr als sechs Taucher dürften nicht gemeinsam in einer Gruppe abtauchen. Die Schonkur zeigt Wirkung: Rund 200 Arten von Hartkorallen und 160 Arten von Weichkorallen wuchern laut Otoum im jordanischen Teil des Golfs - eine Zahl, die auch Prof. Claudio Richter vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven für realistisch hält.
Wer sich vom Tauchen vor allem den Adrenalinstoß durch die Begegnung mit Hai oder Manta erhofft, dürfte allerdings enttäuscht wieder auftauchen. Denn die Großen der Ozeane lassen sich rund um Akaba nur selten blicken. Die Strömungen im Golf seien einfach zu schwach, um genug lockende Nahrung für sie heranzuspülen, erklärt Osama Otoum. Andererseits eignen sich die jordanischen Tauchplätze dank ihrer Swimmingpool-Bedingungen besonders gut für Anfänger.
Wirkliches Weltklassetauchen mit allen spektakulären Zutaten finde man aber etwas weiter südlich, sagt Prof. Richter: "Die Champions League, das sind die Riffe am Sinai in Ägypten, Jordanien ist die Bundesliga." Aber auch die hat ja bekanntlich leidenschaftliche Anhänger - selbst in der Königsklasse.
Literatur: Monty Halls: Tauchen weltweit. Der individuelle Reiseführer, Bruno-Media, ISBN: 3-9809607-0-6, 24,80 Euro. (Internet: www.visitjordan.com)


