Heimat von Kreuzrittern und Kreuzfahrern: Malta: Zeitreise mitten im Mittelmeer
zuletzt aktualisiert: 08.06.2004 - 09:40Malta liegt zwar im Mittelmeer, hat aber nur wenige Strände. Im Westen der Insel drängen sich auf engstem Raum fast 80 Prozent der 350.000 Einwohner in dicht an dicht bebauten Städten. Warum also Urlaub auf Malta machen? Die Antwort liegt in der Geschichte der Insel.
Für die Schweizerin Angela Peel, die vor 20 Jahren nach einem Sprachurlaub der Liebe wegen auf Malta hängen blieb und die heute Touristen über die Insel führt, ist der Felsklotz im Mittelmeer einer der kulturell eigentümlichsten Flecken Europas. "Man kann hier auf engstem Raum eine Zeitreise durch die europäische Geschichte machen", schwärmt Angela. Das Angebot an Stationen unterwegs ist groß: Es reicht praktisch von vorgeschichtlichen Fossilien über steinzeitliche Tempelanlagen und Bauten aus der Römerzeit, die später von den Arabern genutzt wurden, bis zu den gewaltigen Verteidigungsanlagen der Johanniter-Ritter und der englischen Kolonialmacht, die Malta erst 1964 in die Unabhängigkeit entließ.
An und für sich ist Malta ein Kuriosum. Die maltesische Sprache ist aramäischen Ursprungs und eng mit dem Arabischen verwandt. Hört man ins Gespräch vertieften Maltesern zu, wähnt man sich im Orient, wäre da nicht mittendrin plötzlich das eine oder andere Wort aus dem Englischen oder dem Italienischen. Die streng katholische Bevölkerung betet zu Allah, denn Gott heißt auf maltesisch eben seit Jahrhunderten "alla". Die alte maltesische Hauptstadt heißt Mdina, deren Vorstadt Rabat. Und genau diese Mischung aus arabischen Ursprüngen, christlichen Ritterorden und späteren britischen Einflüssen bildet die Grundlage der eigenständigen maltesischen Kultur.
"Der ganze Stolz der Malteser sind die gewaltigen Tempelanlagen aus der Neusteinzeit", berichtet Angela. Zwischen 3600 und 2500 v.Chr. entstanden vor allem im Osten der Insel Kultstätten aus riesigen Gesteinsblöcken. Insgesamt 25 dieser Tempel gibt es noch auf Malta und der Nachbarinsel Gozo – die bekanntesten sind das Hypogäum von Hal Saflieni, Tarxien sowie Hagar Qim und Mnajdra.
Steinerne Kultstätten geben immer noch Rätsel auf
Sie geben noch heute viele Rätsel auf. Vermutlich handelt es sich um die älteste freistehende Kultarchitektur der Welt. Wie haben Menschen vor 5600 Jahren diese Steinblöcke bewegen und aufrichten können? Warum halten die fast ausschließlich weiblichen Kultfiguren die Köpfe gesenkt? Fragen, die das Archäologische Museum in La Valetta – wo die meisten der kostbaren Funde ausgestellt sind – zu beantworten versucht.
In späteren Jahrhunderten war Malta Stützpunkt der Phönizier auf ihren Fahrten ins westliche Mittelmeer, ab dem 3. Jahrhundert Basis der Römer für den Handel mit ihren nordafrikanischen Provinzen. Vandalen, Byzantiner, Araber, Normannen und Spanier hinterließen ihre Spuren auf dem strategisch so günstig gelegenen Felsen im Mittelmeer.
"Das bekannteste Kapitel aus Maltas Kultur sind jedoch die Johanniter-Ritter, deren Herrschaft von 1530 bis 1798 dauerte", weiß Angela. In dieser Zeit wurde die Insel zum christlichen Bollwerk gegen die türkische Expansion ausgebaut. Wer die Hauptstadt La Valetta vom City Gate aus betritt, ist unversehens mittendrin in der Welt der Ritter. Vor manchem der Häuser in schlicht-strenger Schönheit stehen mächtige Kanonen - gerade so, als müsste Malta noch heute vor den heranstürmenden Türken beschützt werden. Vor allem aber lohnt in La Valetta ein Blick in die Höfe und in die Gebäude, denn von außen ist nicht zu erahnen, welche Pracht sich zum Beispiel in der 1573 errichteten Johannes-Kathedrale mit den vielen marmornen Grabplatten der Ritter verbirgt.
Wandern entlang historischer Verteidigungsanlage
Während sich im Osten Maltas praktisch ohne Übergang eine Stadt an die andere reiht, ist der Westen der Insel dünner besiedelt. Beste Gelegenheit also zum Wandern - etwa entlang der alten, von den Briten 19. Jahrhundert angelegten Verteidigungsanlage Victoria Lines, die Malta von Norden nach Süden durchzieht. Unterwegs gibt es atemberaubende Ausblicke auf die Städte und ihre Kirchen in der Ebene, Rastmöglichkeiten bei alten Wachtürmen und nicht zuletzt die Gelegenheit zum Baden in einer der kleinen Buchten an der Südküste.
"Wer nach Malta kommt, nur um zu Baden oder nur um Englisch zu lernen, verpasst eigentlich das Wichtigste", meint Angela. Denn Malta mit seiner Geschichte und seiner Kultur ist einzigartig. Und Tourismus spielt – mal abgesehen von den Badeorten im Dunstkreis der Hauptstadt – eigentlich nur eine untergeordnete Rolle.


