Märchenhafte Welt: Marokko: Agadir und arabisches Flair
zuletzt aktualisiert: 21.02.2005 - 09:20Agadir (rpo). Modernes Badeziel und märchenhafte, arabische Welt: Wer das in einem Urlaub erleben möchte, sollte Marokko erkunden. Vom modernen Badeort Agadir aus lassen sich verschiedene Ausflüge in die Umgebung starten, auch wenn die alten Königsstädte weit entfernt liegen.
Die Tour durch die alten Regierungssitze der Herrscher des Maghreb gehört zu den Klassikern in den Katalogen nicht nur deutscher Reiseveranstalter. "Doch auch wer eigentlich nur eine oder zwei Wochen Badeurlaub an der Atlantikküste gebucht hat, muss auf arabisches Flair nicht verzichten", sagt Badr Boujadi, der für das einheimische Reiseunternehmen Univers Holidays arbeitet und vor allem deutsche Touristen auf Ausflügen begleitet.
Verheerendes Erdbeben
Die Stadt Agadir, an deren Stränden sich nördlich und südlich die Hotelzonen hinziehen, hat davon nur noch wenig zu bieten, obwohl hier wahrscheinlich schon in der Antike ein phönizischer und später ein römischer Hafen lag und 1505 die Portugiesen eine Festung bauten. Ein verheerendes Erdbeben zerstörte das alte Zentrum im Februar 1960 fast völlig, rund 15.000 der damals 50.000 Einwohner kamen ums Leben. 1962 begann der Ausbau Agadirs zu einem Seebad, die Ruinen der alten Stadt sind unterhalb des Berges, auf dem die Reste der Kasbah thronen, noch zu sehen. Die Kasbah selbst - eine traditionelle Verteidigungsanlage und Speicherburg - wird in den nächsten Jahren wieder aufgebaut und soll in Zukunft eine Museum rund um die Kultur der Berbervölker beherbergen.
"Wer typisch marokkanische Architektur und Alltagsleben erleben will, der bekommt im Rahmen von Tagesausflügen ab Agadir einiges zu sehen", verspricht Badr. Obwohl die klassischen Königsstädte Marrakesch, Fes, Meknes und Rabat dazu zu weit entfernt liegen, gibt es viele Möglichkeiten. Zum Beispiel die Stadt Taroudannt. Die größte und schönste Stadt in der Sous-Ebene zwischen Hohem Atlas und Antiatlas erlebte im 17. Jahrhundert eine Blüte als Handels- und Karawanenzentrum. "Klein-Marrakesch" nennen die Marokkaner wegen seiner Lage vor der malerischen Kulisse der meist schneebedeckten Berge das Kleinod. Eine sechs bis acht Meter hohe Lehmmauer - errichtet im frühen 18. Jahrhundert - umgibt das alte Zentrum mit seinen verwinkelten Souks. In diesen Marktvierteln gibt es nichts, was es nicht gibt. Berühmt ist die Stadt für ihr Angebot an Silberschmuck, Lederwaren und Kupferschmiedearbeiten. "Doch Achtung", warnt Badr, "bei uns wird gehandelt - das gehört einfach zum guten Stil und zum Spaß am Geschäft".
Feriendomizile der Prominenz
Wer Agadir in Richtung Norden verlässt und immer die Küstenstraße entlangfährt, passiert riesige, von hohen Mauern umgebene Grundstücke. "Hier hat sich Prominenz aus den arabischen Ländern Feriendomizile gebaut", erzählt Badr. Neben dem Bruder des marokkanischen Königs schufen sich hier unter anderen ein Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Thronfolger des saudi-arabischen Königs Traumvillen, die allerdings für den "Normaltouristen" nicht zugänglich sind.
Zu den Besonderheiten Marokkos gehört der Argana-Baum, der nur hier wächst und dessen Früchte auf kuriose Art und Weise "geerntet" werden. Kleine schwarz-weiße Ziegen klettern behende durch die schwankenden Zweige und fressen Blätter und auch die Früchte. Die Kerne spucken sie jedoch geschickt wieder aus. Diese werden gesammelt und in mühsamer Kleinarbeit geknackt, um aus den Kernen ein wertvolles, nussig schmeckendes Öl zu gewinnen. Vor allem Frauen, die sich in Kooperativen zusammengeschlossen haben, bestreiten dadurch ihren Lebensunterhalt. In Tamanar kann man eine solche Kooperative besichtigen und das Argana-Öl aus erster Hand kaufen.
Ruhiger Lebensrhythmus
Essaouira - zu deutsch "das Bildchen" - trägt seinen Namen zu Recht. Die malerische Stadt an der Küste hat sich ihren ruhigen Lebensrhythmus bewahrt. Ein bisschen hektisch wird es hier nur, wenn die Sardinenfischer im Hafen ihren frischen Fang versteigern. In den 1960er und 1970er Jahren gab es hier eine Hippie-Kolonie. Noch heute erzählen Einheimische, dass selbst Rock- und Popgrößen wie Jimi Hendrix und Cat Stevens damals nach Essaouira gekommen seinen, um den Rhythmus der marokkanischen Trommeln zu studieren und für ihre Musik zu nutzen. Die übersichtliche Altstadt wurde von der UNESCO auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt und beherbergt vor allem Domizile von Kunsthandwerkern und Malern. Essaouira ist bekannt für Möbeltischlerei, Holzeinlegearbeiten aus Thuja- und Zitronenbaumholz sowie für Silberschmuck.
"Wie lange es noch so beschaulich bleibt in Essaouira, ist fraglich", meint Badr. Bisher kommen vor allem Ausflügler aus Agadir und einheimische Familien hierher. Doch Marokko hat große Pläne für die weitere Entwicklung des Tourismus bis zum Jahr 2010. In deren Rahmen sind auch an der Bucht von Essaouira einige große Hotelanlagen geplant.


