Jubiläum: München feiert 200 Jahre Oktoberfest
zuletzt aktualisiert: 17.09.2010 - 12:45München (RPO). Es ist die wohl am längsten andauernde Hochzeitsfeier der Welt: Vor 200 Jahren feierten die Münchner auf einer Wiese vor der Stadt die Vermählung von Kronprinz Ludwig. Das Fest kam gut an beim Volk. Heute ist es eines der größten Volksfeste der Welt.
Fünf Tage lang feierten die damals noch 40.000 Münchner im Jahr 1810 die Hochzeit zwischen Kronprinz Ludwig, dem späteren König Ludwig I., und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen – daher auch der Name Theresienwiese.
Die Wiesn liegt inzwischen mitten in der Stadt, und auch der Besucherandrang ist deutlich größer: Zum Jubiläum hofft München auf mehr als sechs Millionen Besucher, die wieder über sechs Millionen Maß Bier trinken werden.
Die Wiesn geht auf die Idee eines bürgerlichen Unteroffiziers zurück: Er schlug vor, die Hochzeit doch mit einem großen Pferderennen zu feiern. König Max Joseph I. erfuhr davon und war begeistert - so konnten die Adeligen die Nähe zum Volk unter Beweis stellen. Ganz München war zur Geburtsstunde des Oktoberfests am 17. Oktober auf den Beinen.
Das Münchner Oktoberfest findet vom 18. September bis 4. Oktober statt. Auf 31 ha Fläche sind unter anderem 95 gastronomische Betriebe, 275 Schausteller und 292 Marktkaufleute vertreten.
Der Bierpreis liegt bei 8,30 bis 8,90 Euro pro Maß (gegenüber 8,10 bis 8,60 Euro im Vorjahr).
Anfangsjahre ohne Bierverkauf
Wer ordentlich auf das Brautpaar anstoßen wollte, musste allerdings weit laufen. Einen Bierausschank gab es nur auf der benachbarten Sendlinger Höhe. Erst ein paar Jahre später erlaubte die Stadt den Bierverkauf auf dem Gelände, woraufhin etliche Wirte anfingen, kleine Holzhäuser als Ausschank auf der Theresienwiese zu bauen.
Längst heißt die Wiesn auch Fest der Münchner Biere, und die Brauereien bauen schon Monate vor dem ersten Fassanstich 14 urig wirkende, aber mit High-Tech ausgestattete Festzelte mit Platz für bis zu 10.000 Menschen auf.
Unter den Fahrgeschäften befinden sich zwar noch viele nostalgische Attraktionen. Gleichzeitig gibt es auf dem Oktoberfest aber auch immer wieder spektakuläre Neuheiten zu bestaunen - wie etwa den Kettenflieger "Rocket", in dem sich die Gondeln in 55 Metern Höhe überschlagen.
176 Oktoberfeste in 200 Jahren
176 Mal fand das Oktoberfest in seiner 200-jährigen Geschichte statt, 24 Mal musste es ausfallen: Zwei Mal sorgte eine Cholera-Epidemie für einen Ausfall. Auch während des Ersten und Zweiten Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg fand die Wiesn nicht statt.
Ungerührt weiter gefeiert wurde dagegen nach dem Oktoberfest-Attentat, bei dem vor 30 Jahren eine Bombe dreizehn Menschen tötete. Auch die El-Kaida-Anschlagsdrohungen vor einem Jahr sorgten nicht für eine Absage.
Dafür sind in diesem Jahr die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal verschärft worden. Unter anderem wurden im Eingangsbereich tonnenschwere Beton-Poller aufgestellt, damit kein Terrorist mit einem Fahrzeug aufs Gelände rasen kann.
Rauchverbot bringt Probleme
Mögliche Aggressionen fürchten die Wirte unter den Besuchern durch das neue Rauchverbot, das die Bierzeltbetreiber trotz einer letzten Schonfrist in diesem Jahr bereits freiwillig umsetzen wollen.
Während das seit August geltende Verbot in den Gaststätten problemlos akzeptiert wird, ist es in den Zelten komplizierter: Wer einmal ein Zelt zum Rauchen verlassen hat, hat in den Phasen mit Hochbetrieb Schwierigkeiten, wieder reinzukommen.
Ein weiteres Problem ist die Geruchsbelästigung: Weil der Zigarettenqualm bisher alle menschlichen Schweißgerüche überlagerte, setzen nun manche Wirte Bakterien ein, die die Ausdünstungen "fressen" sollen. Andere investierten in bessere Belüftungen.
Wegen des Jubiläums verlängerte die Stadtverwaltung die Wiesn in diesem Jahr um einen Tag. Außerdem gibt es ein zusätzliches Gelände, das vier Euro Eintritt kostet und auf dem nach dem historischen Vorbild täglich Pferderennen stattfinden. Diese besonders für Familien gedachte historische Wiesn beginnt auch einen Tag früher als das eigentliche Oktoberfest am Freitag.
Fallen Rekorde trotz Bierpreis?
Die Zusatz-Wiesn und die Verlängerung versprechen nicht nur eine Steigerung des Umsatzes von zuletzt 800 Millionen Euro, der mit dem Volksfest üblicherweise gemacht wird. Es könnten auch der Rekord von 7,1 Millionen Besuchern oder der Bierrekord von 6,9 Millionen Maß Bier fallen – trotz eines stolzen Bierpreises von 8,30 bis 8,90 Euro pro Maß (gegenüber 8,10 bis 8,60 Euro im Vorjahr).


