Fernsehbericht: Nervengift in Flugzeugkabinen gefunden
zuletzt aktualisiert: 02.02.2009 - 15:57Köln (RPO). Die Luft an Bord von Linienmaschinen ist längst nicht so sauber, wie immer angenommen wird. Bei Stichproben wurden Spuren einer als Nervengift bekannten Chemikalie entdeckt. Das berichtet das ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus" in seiner Ausgabe vom Dienstag.
In Zusammenarbeit mit der Redaktion "Kassensturz" vom Schweizer Fernsehen wurden in den vergangenen Monaten über 30 Abstriche in Verkehrsflugzeugen namhafter Fluggesellschaften gemacht.
Der kanadische Toxikologe Christiaan van Netten wertete die Stichproben aus. Van Netten hatte zuvor bereits im Auftrag der Federal Aviation Administration (FAA) die Belastung der Kabinenluft in Flugzeugen erforscht.
28 Proben weisen zum Teil sehr hohe Anteile von Trikresylphosphat, kurz TCP, auf. Dabei handelt es sich um eine dem Triebwerksöl beigefügte Chemikalie aus der Gruppe der organischen Phosphate, die wie Sarin als Nervengift bekannt ist.
Da die Kabinenluft in Verkehrsflugzeugen in der Regel nicht gefiltert wird, können bei Störfällen die Verbrennungsrückstände des Öls über die Klimaanlage auch in die Kabinenluft gelangen und dort von Besatzung und Passagieren eingeatmet werden. Warnsensoren fehlen bislang an Bord.
Seit 1983 sind bereits zahlreiche Fälle bekannt geworden, bei denen vermutet wird, dass Crew und Passagiere durch die Kabinenluft-Kontamination erkrankt sind. Seit 1999 werden die gesundheitlichen Schädigungen auch als "Aerotoxisches Syndrom" bezeichnet.
Infolge von Störfällen mit Ölrückständen in der Atemluft wird offenbar auch die Flugsicherheit gefährdet. Laut "plusminus" sind auch in Deutschland Fälle bekannt geworden, bei denen die Piloten in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt waren oder sogar ausfielen.
In Deutschland sind nun erste Klagen von Flugpersonal vor den Arbeitsgerichten anhängig. Die Betroffenen behaupten, durch verunreinigte Kabinenluft flugdienstuntauglich geworden zu sein.


