Reisebranche: Neue Gütesiegel im Schaufenster
zuletzt aktualisiert: 01.09.2006 - 15:06München/Trier (rpo). Prüfsiegel sind jedem von uns schon einmal unter die Augen gekommen: Den "Blauen Umweltengel" kennt fast jeder, das "GS"-Zeichen für Geprüfte Sicherheit bei Elektrogeräten ebenfalls. Jetzt ist die Reihe an der Reisebranche. Sollte nicht auch sie ein Gütesiegel für Reiseleistungen einführen?
Diese Frage wird von der Tourismusbranche immer öfter mit "Ja" beantwortet. Die TUI hat ihre Reisebüros jetzt vom TÜV Süd prüfen lassen. Das Europäische Tourismus-Institut (ETI) in Trier will ein eigenes Prüfzeichen bald an weitere Reisebüro-Schaufenster kleben. Und auch Reiseleiter werden auf Herz und Nieren geprüft. Ein einheitliches Reisesiegel allerdings ist nicht in Sicht.
Die Service-Orientierung der Mitarbeiter, die Beratung sowie die Reaktion auf E-Mails - all das hat der TÜV in TUI-Reisebüros geprüft. Hinzu kamen Fragebögen, die von etwa 4.000 Kunden beantwortet wurden. "Wir denken, dass die Beratungsleistung im Reisebüro immer wichtiger wird, und wir wollten sehen und zeigen, wo wir qualitativ stehen", sagt TUI-Sprecherin Stefanie Rother in Hannover. Der Marktführer sei sich sicher, mit dem Reisebüro-TÜV jetzt "einen neuen Standard gesetzt zu haben". Auch Ulf Theike vom TÜV Süd in München ist sich sicher, dass "noch weitere Reiseanbieter auf uns zukommen werden."
Konkurrenz für den TÜV
Die TÜV-Plakette ist allerdings nicht ohne Konkurrenz. Das ETI hat das Gütesiegel "Ausgezeichnetes Reisebüro" entwickelt, das bisher an Mitglieder der Reisebürokooperation Best-RMG vergeben wurde. "Mystery Shopper" testen dabei, wie sich die Expedienten am Schalter verhalten. Es wird abgehakt, ob zum Beispiel an alle Rabatte gedacht wurde und wie genau der Mitarbeiter die Kundenwünsche abgefragt hat. Das ETI will sein Siegel nun stärker verbreiten. Der "Mystery-Check" den rund 6000 Reisebüros angeboten werden, die dem Verbund Quality Travel Alliance angehören. "Wir rechnen damit, dass zehn Prozent im ersten Jahr mitmachen", sagt ETI-Leiter Prof. Heinz-Dieter Quack.
Mit dem Gütesiegel will das ETI den Reisebüros helfen, sich in einem schwieriger werdenden Umfeld zu behaupten. Angesichts neuer Vertriebsformen wie dem Internet seien die Büros gut beraten, "wenn sie sich auf erklärungsbedürftige, individuellere Reiseleistungen konzentrieren" - auf genau diese Fähigkeit soll das Siegel hinweisen.
Dass sich TÜV und ETI als neutrale Prüfinstanzen jetzt einen Wettbewerb liefern, ist ihnen klar - und der TÜV sieht sich dabei im Vorteil: "Wir garantieren hohe Glaubwürdigkeit", sagt Theike. "Das TÜV-Siegel ist selbsterklärend", meint auch TUI-Sprecherin Rother.
Zertifizierung für Reiseleistungen
Neben Reisebüros werden derzeit aber auch andere Reiseleistungen geprüft und bewertet. Die Willy Scharnow-Stiftung für Touristik und das Team für Internationale Touristische Kommunikation (TINTKO) haben sich zum Ziel gesetzt, qualitativ gute Rundreisen in fernen Ländern zu zertifizieren. Eine so genannte Incoming-Agentur in Südafrika, die dort für Neckermann und Thomas Cook Reisen arbeitet, hat das neue "Unabhängige Qualitätssiegel Reiseleistung" schon erhalten, etwa 20 bis 30 weitere Reiseleiter-Agenturen lassen sich überprüfen. Das Siegel im Katalog zeige den Urlaubern: "Hier ist jemand, der sich besonders an den Bedürfnisse deutscher Kunden ausgerichtet hat", sagt Ursula Schörcher, Geschäftsführerin der Willy-Scharnow-Stiftung.
Eine Fusion der verschiedenen Gütezeichen unter einem Dach ist aber nicht absehbar. Ein übergreifendes Siegel sei "aktuell kein Thema", sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin. Aus Sicht von Verbraucherschützern haben die Gütesiegel ohnehin begrenzten Wert: "Wenn Büros nicht getestet sind, heißt das ja nicht, dass sie am Markt eine geringe Bedeutung haben oder schlechtere Beratungsleistung abliefern", sagte Sabine Fischer von der Verbraucherzentrale Brandenburg dem Branchenmagazin "Travel One". dpa/gms cr re ah


