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Restaurierung dauerte vier Jahre: Neuer Glanz für den Spiegelsaal in Versailles

VON MATTHIAS BEERMANN - zuletzt aktualisiert: 25.06.2007 - 16:10

Versailles (RP). Auf Hochglanz poliert: Der "Spiegelsaal" im Schloss von Versailles wird nach vier Jahren Restaurierung wieder eröffnet. Die Totalsanierung kostete zwölf Millionen Euro. Dafür erstrahlt der Saal jetzt wieder in seiner ursprünglichen Schönheit aus dem Jahr 1684.

Ein ganz leichter Terpentin-Geruch liegt noch in der Luft, und in einer Ecke steht ein Eimer mit ein paar Pinseln. Sonst lässt nichts mehr erahnen, dass hier noch vor kurzem Dutzende Restauratoren, Kunsthandwerker und Techniker unter Hochdruck gearbeitet haben. Fast vier Jahre haben sie benötigt, um den berühmten "Spiegelsaal" im Schloss von Versailles auf Hochglanz zu polieren. Das Prunkstück strahlt wie neu.

Die Besucher können die "Galerie des Glaces" in ihrer ursprünglichen Frische bewundern, so wie der Hofarchitekt Jules Hardouin-Mansart den Festsaal 1684 nach sechsjährigen Bauarbeiten an den Sonnenkönig Ludwig XIV. übergeben hatte. Die Total-Restaurierung, die zwölf Millionen Euro verschlang, war dringend notwendig geworden. Zuvor hatten Experten den Spiegelsaal monatelang Zentimeter um Zentimeter inspiziert. Ihre ellenlange Schadensbilanz listete verrottete Zierleisten auf, abgefallenen Stuck, in Mitleidenschaft gezogene Täfelungen, Wölbungen der Gemäldeleinwand und massive Verschmutzungen durch Kerzenrauch. Am meisten Kopfzerbrechen bereiteten beschädigte Spiegel, denn Quecksilber wie bei den Originalen darf beim Restaurieren heute nicht mehr verwendet werden.

Doch wo immer es möglich war, wurde der ursprüngliche Zustand des Prunk-Saals wiederhergestellt. Nicht immer einfach, denn neben dem Zahn der Zeit hatten vor allem frühere Restaurierungsversuche viel Schaden angerichtet. Unter dem Schmutz sowie zahllosen Lack- und Farbschichten, die im Laufe der Zeit aufgetragen wurden, mussten die Restauratoren in mühsamer Kleinarbeit, die faszinierenden allegorischen Deckengemälde des Hofmalers Charles de Brun freilegen. Manchmal, so gibt die Restauratorin Véronique Sorano-Stedman zu, "ließ sich der Original-Zustand leider nicht mehr hundertprozentig rekonstruieren".

Davon wird der Laie jedoch nichts bemerken. Der 73 Meter lange und 13 Meter breite Saal mit seinen 357 Spiegeln und 17 Fenster-Arkaden wirkt viel luftiger als früher. Die Details der Deckengemälde in zwölf Meter Höhe und die pausbäckigen Stuckengel lassen sich wieder betrachten. Darunter hängen, ebenfalls komplett restauriert, sieben gewaltige Kronleuchter, jeder 100 Kilogramm schwer. Die rund drei Millionen Besucher, die jedes Jahr das Schloss von Versailles besichtigen, erwartet praktisch der Eindruck, den die Gäste des Sonnenkönigs gehabt haben müssen: Das Licht, das durch die Arkadenfenster in die Spiegel fällt, die seine Kraft bündeln und es im Raum verteilen. Alles leuchtet, selbst an trüben Tagen. Und bei Dunkelheit empfindet künftig eine raffinierte Beleuchtungsanlage, eigens für den Spiegelsaal entwickelt, den Eindruck der festlichen Beleuchtung nach, die man einst für die rauschenden Bälle oder exklusive Hofzeremonien entfachte.

Nach der Französischen Revolution war es mit dem frivolen Trubel freilich erst einmal vorbei, erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Parkett des Spiegelsaals wieder das Tanzbein geschwungen. Und dann kamen auch schon die Deutschen: 1871 demütigte Wilhelm I. nach dem deutschen Sieg die Franzosen, indem er sich ausgerechnet am Ort der größten Prachtentfaltung zum deutschen Kaiser ausrufen ließ. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm Frankreich Revanche. Regierungschef Clémenceau nötigte die Deutschen, an gleicher Stelle den schmachvollen "Versailler Vertrag" zu unterzeichnen.


 
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