Sommertour (33): Neukirchen-Vluyn: Tintenfass und Federkiel
VON ULRICH JOPPICH - zuletzt aktualisiert: 16.08.2005 - 11:48Neukirchen-Vluyn (RP). In den Alltag einer Bergmannsfamilie in den 20er Jahren entführt die Rheinische Post Kinder von acht bis zwölf Jahren beim Besuch des Museums Neukirchen-Vluyn am kommenden Donnerstag. „Der Vater malochte auf der Zeche Niederberg. Wenn er nach Hause kam, hatte die Mutter viel zu schaffen mit seinen dreckigen Arbeitsklamotten“, erzählt Museumspädagogin Jutta Lubkowski.
Gemeinsam mit den Kindern holt sie am Donnerstag den alten Waschkessel hervor und zeigt, wie mühsam damals der Kampf gegen schmutzige Wäsche war. „Fünf Eimer Wasser und ein Doppelpaket Persil“ lautet die Aufschrift auf dem alten Holzlöffel, mit dem die Wäsche im Kessel umgerührt wurde, bevor die Mutter sie auf dem Waschbrett noch einmal kräftigt schrubbte. Über dem Ofen wurden die sauberen Sachen dann zum Trocknen aufgehängt. „Alles spielte sich damals in der Küche ab. Die Kinder mussten dort ihre Hausaufgaben machen und dann mit anpacken. Wenn kein Geld mehr in der Kasse war, wurden sie zum Einkaufen geschickt und mussten beim Kolonialwarenhändler anschreiben lassen“, berichtet die Museumspädagogin von der „guten alten Zeit“, die so schön wohl doch nicht war.
Im Museum Neukirchen-Vluyn können die Kinder in einem Kolonialwarenladen aus dieser Zeit Lebensmittel und andere Artikel aus den vielen Holzfächern in Tüten füllen und abwiegen. Kaffeebohnen waren damals fast unbezahlbar. Sie wurden abgezählt und durchgebrochen. Echten Bohnenkaffee gab es nur zu den Feiertagen oder bei ganz wichtigem Besuch.
Ein besonderes Vergnügen dürfte für die Kinder der Besuch einer alten Schulklasse mit Holzpulten und Tintenfässern werden - und das mitten in den Ferien. Unterrichtet wird wie „Anno dazumal“, also nach preußisch-militärischem System: Aufstehen, neben der Bank stehen, den Lehrer begrüßen, setzen und die Klappe halten. Antworten darf nur, wer vom Lehrer gefragt wird. Während die größeren Schulkinder ihre Ergüsse mit Tinte und Federkiel in alter deutscher Schrift zu Papier bringen, kratzen die Kleinen Buchstaben mit Griffel auf die Schiefertafeln.
Selbstverständlich werden die kleinen Museumsbesucher auch im Stil der damaligen Zeit eingekleidet. Die Mädchen nehmen in Grafschafter Tracht mit Häubchen an dem Vergnügen teil, die Jungen im blauen Arbeitskittel. Auch für die begleitenden Eltern lohnt ein Rundgang durch das Museum in der Kulturhalle.
Kinder im Museum: Do., 18. August, 10.30 bis 13 Uhr, im Museum N.-Vluyn, Von-der-Leyen-Platz 1, für Kinder von acht bis zwölf Jahren. Begrenzte Teilnehmerzahl; Anmeldung heute von 15 bis 16 Uhr unter Tel. 02841/140628.


