kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Wie Urlauber Maori-Folklore erleben: Neuseeland: Zum Hangi ein Hongi

VON JÜRGEN DIEBÄCKER - zuletzt aktualisiert: 03.06.2003 - 10:25

Seltsame Dinge tun sich im Bus der 22-köpfigen deutschsprachigen Reisegruppe. In der drittletzten Reihe versucht eine rothaarige Düsseldorferin ausdauernd, mit dem Nasenrücken die gleiche Körperstelle ihres Mannes zu berühren.

 

"Nein, Rücken an Rücken geht nicht", ruft sie verzweifelt, "entweder knalle ich gegen seine Stirn oder ich treffe die Nasenspitze." In der fünften Reihe studiert der von seinen Mitreisenden per Akklamation zum "Chief" gewählte Handelsvertreter einen Text und buchstabiert: "A - o - te - a - ro - a! A - o - te - a - ro - a! Das behalt" ich nie! Warum kann ich nicht einfach ,Land der langen weißen Wolke" sagen?" Schließlich beginnt direkt vor ihm eine Rheinländerin zu trällern "Die Lerche, die Lerche, die führt die Braut zur Kerche". Woraufhin die gesamte Busbesatzung mit "Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala!" einfällt, und der Reiseleiter lobt: "Das klingt prächtig, damit werden wir Ehre einlegen."

Letzte Probe bei der Fahrt zu einer Karnevalssitzung? Mitnichten. Da bereiten sich Neuseeland-Urlauber auf ihr Hangi vor: eine Folklore-Darbietung, bei der mitunter etwas streng schmeckende Speisen aus einem Erdloch-Ofen aufgetischt werden, wie ihn die Maori früher selbst nutzten und heute vor allem für Touristen anheizen. Kein Hotel in und um Rotorua, das abends nicht ein Hangi mit Maori-Tänzen anbietet! So eine Billigshow mutet der als Nummer 1 gerühmte deutsche Studienreisen-Veranstalter seinen Kunden nicht zu. Reiseleiter Gregor hat für seine 22 Schäfchen im Maori Arts&Crafts-Institute von Rotorua ein Hangi mit allem Drum und Dran gebucht: mit Powhiri, dem Ehrfurcht gebietenden Empfangszeremoniell, samt Wero, der förmlichen Herausforderung der Gäste, Karanga (Willkommensschreie der Gastgeber), Whaikorero (Begrüßungsansprache) - und mit Hongi-Begrüßung, bei der nach Maori-Art die Nasen aneinander gestupst werden.

Die Zahlung von 70 Dollar pro Kopf befreit die Besucher keineswegs von sorgfältiger Vorbereitung. Solch ein Super-Hangi ist eine ernste Sache, bei der Regeln einzuhalten sind und nicht gelacht werden darf. Zwar besteht heutzutage keine Gefahr mehr, dass missliebige Gäste von in ihrer Ehre gekränkten Maori wie einst hinterlistig ins Jenseits befördert und verzehrt werden. Doch erstens weiß man nie, und zweitens hat der rücksichtsvolle Reisende das Ehrgefühl Einheimischer zu achten.

So üben denn Georgs 22 Reisende gewissenhaft das Nase-an-Nase-Stupsen, wählen einen "Chief" für die Begrüßungsworte, erproben, ob sie beim Zungeherausstrecken und sonstigen furchterregenden Grimassen der Maori-Krieger mithalten können. Und sie einigen sich auf ein Liedchen, mit dem am Ende dem Gesang der Einheimischen zu antworten ist. "Mindestens vier Strophen müssen wir singen", fordert Georg. Dafür fehlt es der Truppe aber an Textkenntnis, weshalb "Das Wandern ist des Müllers Lust" verworfen wird. Doch Frau P. aus D. kennt alle Strophen der "Vogelhochzeit". Sie wird als Solistin bestimmt, deren Gesang die Mitreisenden nur mit "Fiderallala" zu ergänzen brauchen.

Als Georgs 22 am nächsten Abend mit vier weiteren Gruppen vor dem Marae, dem Versammlungshaus, der Maori von Rotorua eintreffen, stoßen sie formvollendet ihre Nasen an die der Empfangshostess, die bedauernd mitteilt: "Leider heiße ich Barbie, weil meine Mutter mir keinen Maori-Namen gab." Macht nix. Starr wie eine Palisadenwand stehen die Gäste, und niemand lacht, als die Kriegstrompete ertönt, ein halbes Dutzend Krieger mit bemalten Gesichtern, Bast-Lendenschurz, Speer und Keule erscheint, um mittels furchterregender Grimassen und Gesten zu prüfen, ob die Besucher in friedlicher Absicht kamen. Letzteres wird klar, als der Chief einer jeden Touristengruppe mutig eine hingeworfene Feder aufhebt und dabei keine Mine verzieht. So dürfen denn die Besucher ins Marae, wo Männer vorne und Frauen (zunächst) hinten sitzen müssen.

Leider werden die Begrüßungsworte des leicht schwäbelnden Chiefs der Deutschen nicht übersetzt. "Wir verstehen die ja auch nicht", meint der Reiseleiter. Macht nix. Nach der Show schreiten Die Urlauber ordentlich, Gruppe für Gruppe, zum Buffet, deckt sich reichlich mit Krustentieren, Braten aus dem Erdloch-Ofen und Süßspeisen ein. Dazu spendiert der Chief seinem Wahlvolk drei Flaschen Neuseeland-Sekt: ein Abend für Genießer.

Schließlich die Lieder, Gruppe für Gruppe stehend dargeboten. Die "Vogelhochzeit" findet rauschenden Beifall, obwohl die Stimme von Frau P. leicht kippt, als der Uhuhu die Fensterläden schließt. Dänen, Briten und Iren haben nichts Vergleichbares anzubieten, bei den Italienern muss einer alleine singen, so dass der Sieg an die Deutschen fällt. "You are allways the best. Du bist immer der Beste.", lobt Barbie beim Abschied den leicht errötenden Reiseleiter Georg. Worauf auch der ihr seine Nase anbietet und am nächsten Tag ebenso verschnupft ist wie seine 22 Hangi-Gäste. Von denen hat wohl einer seine Erkältung herum gereicht - mittels Barbies Nase.

Quelle: chk

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Reise-Tipps für die Europameisterschaft

Polen und Ungarn

Reise-Tipps für die Europameisterschaft

In wenigen Tagen beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Touristen sollten bei aller Freude über das Fußball-Fest ... mehr 

Streik im Seeverkehr

Kreuzfahrtschiffe können norwegische Häfen nicht anlaufen

In den größten Häfen Norwegens streiken derzeit die Lotsen - zahlreiche Kreuzfahrtschiffe müssen deshalb einen Bogen um das Land machen. In ... mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Tragischer Unfall: 400 Schafe fallen auf Autobahn

Hunderte Schafe sind in der Nacht zu Freitag auf eine Straße in Melbourne gefallen, als ein Tiertransporter auf einer Brücke umkippte und ... mehr 

Bilderserien Reise
Das ultimative EM-Lexikon
Das ultimative EM-Lexikon
Das ultimative EM-Lexikon mehr 
 
Das ultimative EM-Lexikon
Das ultimative EM-Lexikon
Das ultimative EM-Lexikon
mehr 
Streifzug durch die EM-Gastgeberländer Polen und Ukraine
Streifzug durch die EM-Gastgeberländer Polen und Ukraine
Streifzug durch die EM-Gastgeberländer Polen und Ukraine
mehr 
Mannheim: Schönheit auf den zweiten Blick
Mannheim: Schönheit auf den zweiten Blick
Mannheim ist für viele Touristen und Einwohner erst eine Schönheit auf ..
mehr 
Das war die Reisewelt 2012
Das war die Reisewelt 2012
Die Reisewelt war wie auch schon im Vorjahr ..
mehr 
 
MEHR
Barocker Phönix aus der Asche.

Stadt am Vulkan

Catania: Barocker Phönix aus der Asche

Nach einem apokalyptischen Erdbeben 1693 völlig neu erstanden, erlebt die Stadt am Ätna zurzeit ihre zweite Wiedergeburt. mehr

 

Tempel - älter als Stonehenge und die Pyramiden

Malta: Eine Insel ganz in Honiggelb

 

Keine Chance dem Massentourismus

Mauritius: Viel Luxus mitten im Indischen Ozean

 

Traditionelle Osterfeiern auf Zypern

Zum Fest duften die Flaounes

 

Insel ist für Massentourismus bekannt

Auch auf Kreta gibt es Ursprüngliches

 
Die Länder der Welt
Die Inseln der Welt
Infos auf einen Blick

Deutschlands größte Städte in Zahlen

Auf-dem-Dach-des-Koelner-Doms_1_59524.jpg

Fläche, Einwohnerzahl, bekannteste Sehenswürdigkeiten - hier finden Sie alle Infos über die 15 größten deutschen Städte auf einen Blick.

Riesige-Staubwolke-legt-sich-ueber-Sydney_1_48429.jpg

Mit dem Rucksack um die Welt

Sydney: verregnet, aber großartig

Der Deutsche an sich mag zwei Dinge besonders gerne. Nummer eins: reisen. Darum sind die Hostels in Sydney voll von jungen Bundesbürgern, die das nur noch wenig unerkundete Australien erkunden wollen. Nummer zwei: meckern. VON Christian Spolders  mehr

 

Mit dem Rucksack um die Welt

Melbourne: sonnig, sportlich, szenig

 

Mit dem Rucksack um die Welt

Santiago – zwischen Schnee und Palmen

 
 

Mit dem Rucksack um die Welt

Sandboarden im Tal des Todes

Fluginfo

Alle Informationen auf einen Blick

Gewerkschaft will Frankfurter Flughafen bestreiken

Hier finden Sie alle Informationen zu Abflug- und Ankunftzeiten der Flughäfen in Ihrer Region. mehr 

Top-Services

Interessantes aus aller Welt

Infografiken und Karten von RP ONLINE

Diese-Bauwerke-sind-Weltrekord_5_59378.jpg

Die die größten Seen, die höchsten Bauwerke, die größten Flughäfen - in unseren Karten finden Sie viele spannende Informationen auf einen Blick. mehr