Adventsserie: Rom! Den Papst sehen
VON JENS VOSS (TEXT) UND ANDREAS KREBS (FOTOS) - zuletzt aktualisiert: 10.12.2008 - 08:57Rom (RP). Den Papst sehen heißt oft, ihn von weitem oder von hinten zu sehen. Selbst wenn man ihn nicht sieht, weiß man sofort, wo in der Menge er gerade ist. Die Sehnsucht so vieler Menschen, den Papst zu sehen, ist ein Lehrstück für sich. In Rom versteht man irgendwann: Am Ende geht es um ganz etwas anderes.
Das erste, was man sieht, ist ein weißer Zipfel. Seltsam genug: Die Basilika „St. Paul vor den Mauern“ ist dicht gefüllt mit Menschen, man steht weit links im Seitenschiff, hat mächtige Säulen vor sich und ein mächtiges Rauschen aus Stimmen über sich – und dennoch sieht man sofort und sehr klar diesen Zipfel knapp über all den Köpfen, und sofort und sehr klar spürt man: Da ist der Papst. Irgendwann öffnet sich dann eine Lücke, durch die man einen raschen Blick auf die Gestalt werfen kann, die da in Weiß leuchtet, gekrönt von einem Käppchen, dem Pileolus, das seinerseits gekrönt ist von jenem weißen Zipfel, den man zuerst sah und auch jetzt überraschend klar sieht – ein Komma, das den Raum teilt, als wäre er ein überlanger Satz.