Auf den Spuren des Apostels Jakob: Santiago de Compostela – Heilige Stadt am "Ende der Welt"
zuletzt aktualisiert: 08.04.2004 - 10:32In der Stadt Santiago de Compostela an der nordwestlichen Spitze Spaniens liegt das Grab des Apostels Jakob. Es ist seit mehr als 1000 Jahren Ziel von Pilgernden aus aller Welt. Dorthin führt der berühmte „Jakobsweg“, dessen Verlauf sich von der Schweiz über Frankreich bis nach Spanien erstreckt. Traditionell wird er zu Fuß zurückgelegt, inzwischen gibt es aber auch Busfahrten entlang der Strecke.
Santiago heißt auf Deutsch nichts anderes als Sankt Jabob. Der Apostel soll sieben Jahre lang im entlegenen spanischen Galizien, das die Römer als "Finis Terrae" - "Ende der Welt" - bezeichnen, gelebt haben, um dort zu predigen und die Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Bei seiner Rückkehr nach Palästina im Jahr 44 nach Christus nahm Herodes Agrippa den Apostel gefangen und ließ ihn foltern und töten. Seine Jünger bemächtigten sich des Leichnams und brachten ihn auf dem Seeweg nach Spanien. Das Schiff landete nahe der damaligen römischen Provinzhauptstadt Iria Flavia, dem heutigen El Padrón, wo Paulus in einem Wald begraben wurde. Das Grab geriet in Vergessenheit und wurde erst 813 wiederentdeckt, weil ein Einsiedler im Wald ein seltsames Leuchten gesehen und Gesänge gehört hatte. An der Stelle der Erscheinung wurde daraufhin der Sarg entdeckt. Der Platz bekam den lateinischen Namen „Campus Stellae“ (Feld des Sternes), für den sich später das einheimische Wort "Compostela" einbürgerte. Auch der Jakobsweg wird oft als „Sternenweg“ bezeichnet.
Bau einer Kirche zu Ehren des Apostels Jakob
An der Stelle des Grabmals ließ der damalige König eine Kapelle bauen, aus der später die Kathedrale der sich entwickelnden Siedlung Santiago de Compostela wurde, das Herzstück des Wallfahrtsorts. Die angeblichen sterblichen Überreste des Apostels befinden sich in der Krypta der Kathedrale in einer silberverkleideten Truhe. Hinter dem Hauptaltar steht die Jakobsbüste. Hier stehen die Gläubigen Schlange, denn der Brauch verlangt, dass man sie von hinten umarmt. Ein weiteres Ritual ist es, an der "Pórtico de la Gloria" (Säulenhof der Glorie), wie das ehemalige Hauptportal der Kirche genannt wird, seinen Kopf gegen den Unterbau zu schlagen, während die Finger die Wurzeln der in Marmor gemeißelten Wurzel Jesse, dem Stammbaum Jesu, berühren.
Schon im 10. Jahrhundert nahm die Jakobusverehrung weltweit stark zu. Die größte Bedeutung hatte der Pilgerort wahrscheinlich im 12. und 13. Jahrhundert. Papst Alexander III. erklärte Santiago sogar zur Heiligen Stadt, neben Rom und Jerusalem. Bis heute bleibt die Faszination des Pilgerorts ungebrochen. Besonders der Namenstag des Apostels, der 25. Juli, zieht viele nach Santiago. Fällt dieser zusätzlich auf einen Sonntag, wird ein Heiliges Jahr begangen, so wie es 2004 der Fall ist. Dann wird Pilgern der vollkommene Sündenablass gewährt, was sicherlich für viele einen zusätzlichen Anreiz darstellt.
Der wichtigste Teil des Jakobsweg von den Pyrenäen nach Santiago ist 1987 erst vom Europarat zur ersten europäischen Kulturstraße ernannt und dann 1993 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden. Auch als ehemalige Kulturhauptstadt (im Jahr 2000) ist Santiago interessant, denn mehr als 80 historische Monumente reihen sich in Innenstadt dicht an dicht.


