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Adventsserie 7. Teil: Schönes Rom!

VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 13.12.2008 - 10:01

Düsseldorf (RPO). Wenn Rom eine Frau wäre, wie würde man sie beschreiben? Schön wäre sie; nicht mehr ganz jung, aber jung genug, um aus vollen Zügen das Leben zu lieben. Und voller Weisheit über den Lauf der Welt.

Rom als Frau wäre formbewusst, stilsicher und könnte sich etwas Schlampigkeit leisten ­ es würde ihre Schönheit nur noch mehr betonen. Sie wäre gerissen, zuweilen hart und sei es aus Erinnerung an alte Grausamkeit. Vor allem aber wäre sie voller Wissen darüber, wie eine Stadt aufsteigen und fallen und wieder aufsteigen kann.

Das antike Rom hatte mehr als 600.000 Einwohner ­ eine gigantische Größe für die Zeit. Um das Jahr 1400 lebten dort nur noch 20.000 Menschen. Der Glanz war dahin; die Römer hausten in Ruinen, nutzten das Kolosseum als Steinbruch. Erst mit der Überwindung des Abendländischen Schismas ­ jene Zeit der Spaltung der Christenheit von 1378 bis 1417, als es Päpste in Rom und Avignon gab ­ setzte der Wiederaufstieg Roms zum Zentrum der Christenheit mit all seinen technischen, architektonischen und künstlerischen Meisterleistungen ein. Um 1500 hatte Rom bereits 50.000 Einwohner, mehr als Köln mit nur 40.000 Seelen. Seitdem ist Rom gewachsen, wurde schöner und schöner. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte die Stadt zu den Zielen von Kavalierstouren, also Bildungsreisen junger Adeliger. Das Rom von heute verdankt sich vor allem dem 16. und 17. Jahrhundert, als geniale Baumeister, Architekten und Künstler dort wirkten ­ Michelangelo, Schöpfer der Pieta und Architekt der Petersdom-Kuppel, starb 1564; Bernini, Schöpfer des Petersplatzes und der Engelsbrücke, starb 1680.

Dazu kam: Rom, das in der Antike Krieg in die Welt getragen hatte, blieb als Rom der Christenheit jahrhundertelang vor Zerstörungen bewahrt. Die letzte große militärische Katastrophe erlitt die Stadt 1527, als sie von deutschen und spanischen Söldnern geplündert wurde. Fast die komplette Schweizergarde ­ 150 von knapp 200 Mann ­ fiel am 6. Mai jenes Jahres. Heute noch ist der Tag das Datum für die Vereidigung junger Garde-Rekruten. Dieses Rom der Jahrtausende ist nichts weniger als die Welt. Erzählt, wie ein Staat zur Weltmacht wird. Erzählt von der Pracht, die der Mensch zu schaffen imstande ist. Vom Glanz einer Weltreligion, die aus einem Senfkorn erwachsen ist. Vom süßen Leben mit Liebe, Müßiggang und gutem Essen. Rom lehrt von allem auch das Gegenteil: vom Verfall der Macht; von Demut; von Schmutz, Armut, Lärm und Vergänglichkeit. Rom ist ein Zeichen, das Zeit und Ewigkeit, Himmel und Erde wie in einer Weltsekunde zusammenballt.

Am besten sieht und spürt man das in der „prima sera”, der wahren Stunde Roms am frühen Abend, wenn die Stadt sich entspannt, wenn Gassen und Bauten in warmem, fast unwirklichem Licht erstrahlen und Geschichten zu wispern beginnen. Dem zu lauschen ist wundervoll ­ - erst recht mit einem Grappa.

Quelle: RP

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