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"Savoy" in London: Schönheitskur für eine Hotel-Legende

VON ALEXEI MAKARTSEV - zuletzt aktualisiert: 29.09.2010 - 14:24

London (RP). Drei Jahre lang war das Londoner „Savoy“ wegen Renovierungsmaßnahmen geschlossen. Für 260 Millionen Euro wurde das Gebäude von 1889 modernisiert. Zur Eröffnung am 10. Oktober werden keine Prominenten erwartet, denn der Star ist und bleibt das Luxushotel.

Das ist klassisches englisches Understatement: keine Festreden, kein Live-Jazz, kein Feuerwerk und keine rauschende Party mit Stars bei der am heißesten erwarteten Neueröffnung des Jahres. Nicht einmal Prinz William haben sie zu Werbezwecken in den Prachtbau am Strand eingeladen - obwohl sein Ur-Opa, König George VI., hier früher gerne gespeist hatte. „Savoy ist selbst eine Berühmtheit, darum brauchen wir keine Stars am Tag Eins“, sagt lächelnd Hotelsprecher Brett Perkins. In der Tat. Jeder in London weiß, dass am 10.10.10 ein legendärer Tempel der exquisiten Gastlichkeit zum Leben zurückkehrt, der seit 1889 seiner Zeit oft voraus gewesen ist.

„Die Rückkehr der ,Grande Dame‘ Savoy läutet das Goldene Zeitalter des luxuriösen London ein“, schwärmt ein Hotelkritiker. Drei Jahre lang haben alle darauf gewartet - und beobachtet, wie auf einer Großbaustelle an der Themse 1000 Arbeiter den verblichenen Glanz unter dem Dreck der Jahrzehnte freilegten. In dieser Zeit erfand sich Savoy neu, und es kehrte gleichzeitig zu seinen Anfängen als erstes Edelhotel der Hauptstadt zurück. Die Eigentümer - saudische Ölmilliardäre und die teilnationalisierte britische Bank RBS - ließen sich den Umbau umgerechnet 260 Millionen Euro kosten - eine Summe, die bei manchen Experten Kopfschütteln auslöst.

Knapp zwei Wochen vor der Neueröffnung stehen keine Bentleys, sondern Lieferwagen vor dem Hoteleingang. Das glänzende Savoy-Schild ist verhüllt, und aus dem Inneren des Gebäudes drängen Klopfgeräusche. Der Rundgang beginnt in der Ministraße Savoy Court - dem einzigen Ort im Königreich, wo man nicht links, sondern rechts fahren muss. „Das ist hier seit der Zeit der Kutschen so üblich“, sagt Brett Perkins, der vor Unfällen warnt. „Aber alle Taxifahrer wissen das, so dass Sie sicher sind, wenn Sie per Taxi kommen“.

Der Stararchitekt Pierre-Yves Rochon hatte die Eingangshalle von Savoy so designt, dass sie das Gefühl des Ankommens weckt. Dazu gehören schwarz-weißer Marmorboden, antike Möbel und frisch polierte Mahagoniwände. „Es ist das alte Savoy im neuen Gewand”, kommentiert Perkins. Neu ist, dass die Ankommenden weder ein- noch auschecken müssen: Sie werden vom Hotelpersonal (das die Namen aller Gäste kennen wird), gleich auf ihre Zimmer gebracht.

Als das Savoy 1889 eröffnet hatte, kannten die Londoner natürlich den Begriff Luxus. Und doch schaffte es der mit Operetten reich gewordene Impresario Richard D’Oyly Carte, die High Society zu verzücken. Als Erstes in England wurde sein Hotel komplett elektrisch beleuchtet, und es hatte als einziges elektrisch betriebene „aufsteigende Zimmer“. Heute heißt so etwas „Fahrstühle“. Zu weiteren Innovationen gehörten „Sprachrohre“ für Anweisungen an das Personal und extra Räume zum Waschen. Der erste Direktor des Savoy war César Ritz, der später ein eigenes Luxushotel eröffnete. Sein Starkoch Auguste Escoffier war der Erfinder des Desserts „Pfirsich Melba“ - eine Delikatesse, die dem Opernstar Nellie Melba gewidmet war.

Die Liste der prominenten Savoy-Gäste liest sich wie ein „Who is Who“ der Welt der Reichen und Berühmten. Von Frank Sinatra, Charlie Chaplin, Katherine Hepburn und John Wayne bis Charles de Gaulle, Harry Truman und den Beatles waren sie alle hier, um das Savoy Cabaret zu genießen oder sich in der American Bar vom legendären Barkeeper Harry Craddock seinen Markencocktail „White Lady“ mixen lassen. Winston Churchill nahm oft seine Regierung ins Savoy Grill mit - im wiedereröffneten Restaurant kann man jetzt „Churchills Tisch“ reservieren lassen. George Gershwin spielte erstmals in Großbritannien seine „Rhapsody in Blue“ im Savoy. Claude Monet malte 1901 die in Nebel getauchten Themse-Ufer vor seinem Hotelfenster. Die junge Elisabeth II. wurde im Savoy erstmals mit einem gewissen Philip Mountbatten öffentlich gesehen.

Im Savoy erinnern neun „persönliche Suiten“ an einige Stammgäste. In der Marlene-Dietrich-Suite werden zwölf pinkfarbene Rosen stehen, so wie es der Filmstar gerne hatte. Im Monet-Zimmer hängen die berühmten „Ansichten von der Themse“. „Und in der Churchills Suite werden wir vielleicht seine Zigarren auslegen“, sagt Brett Perkins. Wir durchschreiten das helle „Thames Foyer“ mit der Glaskuppel, wo der „Nachmittagstee“ serviert werden soll, und schauen in die neue Champagnerbar Beaufort hinein, deren Wände teils mit Blattgold beschichtet wurden. Dann stehen wir in der 325 Meter großen Royal Suite aus acht Räumen, die eine ganze Etage einnimmt. Überall Marmor, Seide, Gold und Kristallleuchter aus Muranoglas. Alleine das Edel-Bett im „Zimmer für Könige und Staatschefs“ hat das Hotel 36.000 Euro gekostet. Beim Planschen in der riesigen Badewanne kann man durch das Fenster sieben Themse-Brücken, den Big Ben und das Riesenrad London Eye sehen. Der Übernachtungspreis beträgt 10.000 Pfund (12.000 Euro) - inklusive Butler.

Laut Perkins gibt es für das zweitteuerste Hotelzimmer Londons (nach dem Royal Penthouse des Dorchester) schon viele Anfragen. „Wir sind in den ersten Tagen komplett ausgebucht“, sagt der Hotelsprecher zum Abschied. Etwas anderes hätte man von der „Grande Dame” Savoy auch nicht erwartet.

Preise und Zimmer:

Die Preise im neuen Savoy beginnen bei rund 350 Pfund (circa 420 Euro) pro Nacht und Zimmer. Die Royal Suite kostet 12.000 Euro.

Reservierungen werden per Mail angenommen unter savoy.reservations@fairmont.com sowie telefonisch unter 0044 (0)20 - 7836 - 4343.

Die 268 Zimmer und Suiten gibt es in 15 Kategorien. Die Gäste wählen zwischen den Stilen Edwardian Barock oder Art Deco. Kein Raum gleicht dem anderen.

Quelle: RP

 
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