Heiße Küste: Spanien: Costa Cálida
VON ALEXANDER RICHTER - zuletzt aktualisiert: 10.06.2003 - 09:29Costa Cálida, der Name weckt Erwartungen. Und im Hinterland, rund um Murcia, ist viel Ursprüngliches zu entdecken.
W ohin geht" s? Costa Cálida? Wo ist die denn?" Die "heiße Küste" kennen hierzulande höchstens Top-Kenner der iberischen Halbinsel. Viel bekannter sind die benachbarten Costa Blanca (die weiße Küste), Costa Almeria oder die Sonnenküste (Costa del Sol), die alle seit Jahrzehnten als Inbegriffe für prallen Badetourismus und massige Urlaubsfreuden gelten. Die Costa Cálida dagegen, die sich über rund 250 Kilometer zwischen ihren bekannten Schwestern versteckt, liebt" s bescheidener, auch wenn sie mit dem Mar Menor das größte natürliche Schwimmbecken der Welt zu bieten hat.
Wer den Südosten Spaniens als Reiseziel wählt, der liebt alle Arten von Wassersport oder er sucht Wellness-Gefühle und Schmerz-Linderung - beispielsweise in therapeutischen Schlammbädern bei Gicht, Rheuma und Arthritis. Dazu gibt es rund um die quirlige Provinzhauptstadt Murcia reichlich Natur pur mit ordentlichen Kletter- und Wandermöglichkeiten. Angenehm auch: Die Küche der Region gibt sich ehrlich - wenig verspielt, dafür stark von Gemüse und allerlei Herzhaftigkeiten dominiert. Typisch ist und köstlich schmeckt der Top-Eintopf der Stadt, Michirones (dicke Bohnen mit Schinken, Speck, Chorizo und diversen Gewürzen), wie er unter anderem in der Taberna Doña Lola in der Altstadt zusammen einer Flasche Jumilla, einem schweren Vino tinto der Region, auf den Tisch kommt. Auch Reiseintöpfe mit Fisch und sündhaft aufdringlicher Aioli oder Langschwanzkrebse aus dem Mar Menor sind Gastronomie-Renner. Und immer ist "Grünzeug satt" dabei . . .
Im Frühling präsentiert sich die "grüne" Huerta Murciana, das großflächige Obst- und Gemüseland der Umgebung, gerne auch mitten in der City: Die bunten Oster- und Frühlingsfeste mit vielen Straßenumzügen und Trachtenparaden verdeutlichen die Verbundenheit der Huerta mit den Märkten der Stadt.
Murcia selbst zeigt sich dem Besucher als ein Bau-Mix aus vielen Jahrhunderten - vom Barock bis zur Moderne. Sehr auffällig wird dies am Apostelplatz und an der Plaza de la Cruz, wo als architektonisches Gegenüber zur ehrwürdigen Kathedrale (Baubeginn im 14. Jh.) die Fassade des hypermodernen Rathauses glänzt. Die hat Stararchitekt José Rafael Moneo zu verantworten, der hierzulande zuletzt in Berlin mit dem Grand Hyatt einen eleganten Klotz aus rötlichem Sandstein auf den Potsdamer Platz setzte. Lohnenswert: Ein Bummel durch die lebendige Straße Trapería, an der mit dem Casino ein Sozialclub (mit Spiel- und Lesesälen, Restaurants, Tanzsaal) in einem prachtvoll restaurierten Herrschaftshaus Unterschlupf gefunden hat (Eintritt: 1,20 Euro). In diesem Stadtviertel, im Gassengewirr, spürt man: Murcia ist Einkaufsstadt und Flaniermeile, gibt sich beschaulich und spanisch durch und durch. Zugeständnisse an den Tourismus macht die Stadt kaum.
Ganz anders das Mar Menor: Die an vielen Stellen nur 300 Meter breite, über 20 Kilometer lange und touristisch zugebaute (teilweise auch verschandelte) Landzunge La Manga trennt das "kleine Meer" vom Mittelmeer. Das salzige Wasser der Lagune hat kaum Tiefe, aber auch kaum Wellengang. Das bedeutet: Viele Wassersportarten, die zentral von der Estacion Nautica angeboten werden, lassen sich dort leicht erlernen und praktizieren.
Taucher finden ihre besten Reviere am Cabo de Palos an der Südspitze um die Hormigas-Inseln. Problem allerdings da wie dort: Sprachlich hapert" s bei vielen Tauch-, Segel-, Surflehrern mit Englisch- oder gar Deutschkenntnissen. An diesem Punkt soll nun, so heißt es bei den spanischen Tourismusgewaltigen, ebenso der Qualitätshebel angesetzt werden, wie beim Ausbau des Flughafens oder bei neuen Appartements. Erklärtes Ziel: Die Region um Murcia und die "heiße Küste" sollen sich auf dem deutschen Markt (Spanien hat hierzulande 2002 als Urlaubsziel an Attraktivität verloren) zu einer Zwölf-Monate-Sonnen-Ferien-Alternative entwickeln.
Das Mar Menor mit La Manga ist für Sonnenanbeter und Wasserratten ein Dorado, während Wellnessanwendungen in diversen Hotels erst vereinzelt ein ordentliches Niveau erreichen. Schlammbäder im Freien werden an der Küste vor allem in Lo Pagan am Nordrand der Lagune angeboten. Im Hinterland locken Kurorte wie Archena und Fortuna mit diversen Thermaltherapien für (K)urlaube.
Spannender und urtümlicher als am Meer ist die Region Murcia im Landesinnern. Trutzige Bergketten, zerklüftete Kletterfelsen in der Sierra Espuña, der wilde Canyon de Almadenes, weite Hochebenen, die die Nähe der Mancha ankündigen, oder auch historisch wertvolle Städtchen wie Cartagena, Lorca und Caravaca. Dort, abseits von Meer und Wellen, offenbart der Landstrich noch viele Reize, die es zu entdecken gilt.
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