Euro-Krise vertreibt Skifahrer: Teure Schweiz kämpft um Urlauber
VON PIA TERHEYDEN - zuletzt aktualisiert: 25.01.2012 - 08:23Düsseldorf (RP). Wegen des starken Franken und der Euro-Krise weichen viele Skifahrer in die günstigeren Wintersportgebiete in Österreich, Deutschland und Italien aus. Die Schweizer werben mit Angeboten für Kurzentschlossene.
Schnee gibt's in den Schweizer Bergen derzeit satt – das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Aufgrund des starken Schweizer Franken weichen viele Skifahrer aus den Euroländern in diesem Winter auf die günstigeren Pisten in Deutschland, Österreich und Italien aus. "Wir blicken auf eine durchwachsene Saison", sagt der Direktor des Schweizer Tourismusverbandes, Mario Lütolf, schon jetzt über eine Wintersaison, die noch lange nicht vorbei ist. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Bakbasel rechnet mit einem Rückgang der ausländischen Gäste um mehr als vier Prozent.
Noch gibt es keine konkreten Zahlen aus den Skigebieten, doch der Abwärtstrend lässt sich bereits erahnen. Die Schweiz ist für viele ausländische Stammgäste aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien mittlerweile schlicht zu teuer. Bei umgerechnet 14,50 Euro, die für einen Teller Spaghetti Bolognese auf einer Hütte in Verbier (Wallis) verlangt werden, vergeht so manchem Skifahrer der Appetit. Zum Vergleich: Bei den Nachbarn kostet der Teller Nudeln laut ADAC-Pistentest zwischen 5,25 Euro (Oberwiesenthal/Fichtelgebirge) und zehn Euro (Madonna di Campiglio/ Dolomiten).
Es sind nicht die Preise für Skipässe und Übernachtungen, die den Urlaub so kostspielig machen. In dem Punkt liegen Österreich und Schweiz gleichauf. Es sind die Nebenkosten – das Essen im Restaurant, der Einkauf im Supermarkt –, die das Ferienbudget belasten. "Wir sind in dem Bereich sehr teuer", erklärt Lütolf und fordert "eine Anpassung der Rahmenbedingungen". Die scheint in Sicht. Derzeit diskutieren die Schweizer über eine kurzfristige Mehrwertsteuersenkung für den touristischen Bereich auf null Prozent und eine Reform des EU-Freihandelsabkommens in der Landwirtschaft und im Lebensmittelhandel. Die Gastronomen könnten damit nicht nur ihre Lebensmittel günstiger einkaufen, sondern auch bessere Preise machen. Den Staat würde die Mehrwertsteuersenkung allerdings 160 Millionen Schweizer Franken kosten. Dem gegenüber stehen 140 000 Arbeitsplätze, die in der angeschlagenen Branche zur Disposition stehen.
Schon seit dem Sommer bewegt sich die Kurve bei den Übernachtungszahlen stetig nach unten. Auf der einen Seite kommen zwar mehr Urlauber ins Land, sie bleiben aber nicht mehr so lange. Es sind vor allem Touristen aus Asien, die es in die Bergwelt zieht. "Dieser Zuwachs kompensiert aber die Verluste aus den Euroländern nicht, weil die Gäste in der Regel nur zwei Tage bleiben", berichtet Lütolf. Außerdem regt sich immer häufiger Kritik an einer veraltete Hotellerie und am schlechten Preis-Leistungs-Verhältnis. "Klar", sagt Lütolf, "wir Schweizer müssen etwas tun." Allein in den vergangenen fünf Jahren seien zwei Milliarden Franken in die Modernisierung der Hotels gesteckt worden. Der Staat greift der Branche bis 2015 mit umgerechnet 180 Millionen Euro unter die Arme.
Immerhin haben die Schweizer erkannt, dass man mit einer traumhaften Naturkulisse und dem Begriff Exklusivität nicht ewig punkten kann. Die Schweiz soll nach Meinung von Lütolf "kein Urlaubsland für Superreiche – aber dennoch unverwechselbar sein und mit Qualität überzeugen".
Dem Image, ein teures Urlaubsland zu sein, begegnen die Eidgenossen nun mit offensiven Angeboten. So wirbt die Gemeinde Grächen im Wallis mit der Aktion "Euro 1,35". Dort gilt in Sportgeschäften, Bergbahnen, Ferienwohnungen, Restaurants und Skischulen ein fester Wechselkurs von 1,35 Euro. 60 Prozent der Betriebe machen mit. In den Waadtländer Alpen können Kinder bis neun Jahre umsonst übernachten und Ski fahren. Und in Scuol (Engadin) zahlt die Belvédère-Hotelgruppe ihren Gästen bei mehr als einer Übernachtung die Kosten für den Skipass. Gute Nachrichten also – für kurz entschlossene Schnäppchenjäger.
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