Duell bei Paris: Themenparks: Asterix schlägt Micky Maus
zuletzt aktualisiert: 23.06.2005 - 09:36Plailly (rpo). Disney hat mit seinem Freizeit- und Themenpark in der Nähe von Paris nicht gekleckert, sondern geklotzt. Trotzdem läuft es für die Amerikaner nicht rund. Ganz anders dagegen die Gallier: Ihr Asterix-Park, ebenfalls in der Nähe von Paris, ist zwar der weitaus kleinere, dafür aber profitabel. Die Gallier haben sich also wieder einmal durchgeboxt.
Das gehört sich so in der Welt von Asterix und Obelix. Im Duell der Themenparks vor den Toren von Paris herrscht dasselbe Szenario: Zwei Dutzend Meilen nordöstlich von Paris, auf dem Gebiet des Dorfes Plailly, vergnügt sich die Fangemeinde der tapferen Gallier. In gleicher Distanz von der französischen Hauptstadt, aber genau im Osten, hat der Disney-Vergnügungskonzern Anfang der 90er Jahre seinen Euro-Disney-Park hingeklotzt. Und vorerst haben die Gallier die Nase vorn, nicht bei der Zahl der Besucher wohlgemerkt, sondern kommerziell. Der Asterix-Park ist profitabel, Eurodisney nicht, das Konzept der Gallier muss also wohl gewitzter sein.
Mit fast 13 Millionen Besuchern für Euro-Disney und nur zwei Millionen für Asterix spielen die beiden Vergnügungsparks gewissermaßen in zwei verschiedenen Ligen. Auch die Öffnungszeiten weichen stark voneinander ab: Der Asterix-Park pfeift auf die Wintermonate und ist selbst von April bis Oktober nicht an allen Tagen geöffnet, die Micky Maus leistet sich keinen so langen Winterschlaf. 85 Prozent der Besucher im Asterix-Park sind Franzosen, der Aufwand ist geringer. Für Park-Direktor Alain Trouvé liegt der Erfolg im System. Die Asterix-Figuren seien fest im kollektiven Bewusstsein der Franzosen verwurzelt, sagt Trouvé. "Wir versuchen, die Figuren aus den Asterix-Heften, ihren Witz und ihre Geselligkeit zum Leben zu erwecken".
Gallisches Dorf
So wird ein Besuch im Asterix-Park zu einem kleinen Kulturtrip. Neben den in Vergnügungsparks unerlässlichen Wasserrutschen und Karussells wurde ein gallisches Dorf aus dem Jahre 50 vor Christus nachgebaut, in dem Asterix, Obelix, Majestix, Troubadix und ihre Comic-Genossen ausgelassen herumtollen. Daneben treten furchterregende Musketiere mit Schwertern auf, Falkner führen ihre Greifvögel vor, Akrobaten ihre atemberaubenden Kunststücke.
"Das erscheint alles viel wirklicher", schwärmt die 21-jährige Vanessa Fricheteau. "Es kostet weniger, ist lebhafter und weniger kommerziell", zieht sie ihre Vergleiche über die beiden Parks. Aber sie ist auch nach Plailly gekommen, weil sie "ein großer Obelix-Fan" ist. Ihr Freund, David Dubief, findet es indes bedauerlich, dass so wenige Besucher aus dem Ausland kommen. Schließlich würden die Asterix-Comics dort doch in Millionenauflagen verkauft.
Nur wenig Schlangen
Die 14-jährige walisische Schülerin Catherine Jones freut sich, dass sie kaum Schlange stehen muss. Sie stört sich überhaupt nicht daran, dass sich das ganze Asterix-Treiben nur auf Französisch abspielt. Ihrer Meinung nach gibt es hier "viel mehr Attraktionen" als im Disneyland in Marne-la-Vallée. Das ist nicht unbedingt jedermanns Ansicht. Die Nordfranzösin Sophie Dellerie, die mit ihren beiden Söhnen angereist ist, will nächstes Mal lieber wieder bei Micky Maus vorbeischauen. "Da kann man mehr unternehmen."
Parkdirektor Trouvé möchte den Wettstreit nicht allzu hoch hängen. Eigentlich findet er es ganz in Ordnung, den großen US-Konkurrenten in der Nähe zu haben. "So ist der Kampf noch härter", sagt Trouvé. "Asterix genießt es, von Zeit zu Zeit einen Römer zu verprügeln", schmunzelt er. "So machen wir es auch - und fluchen von Zeit zu Zeit auf Euro Disney, einfach um uns zu motivieren."


