Nach Entführungen: Touristen sagen Keniareisen ab
zuletzt aktualisiert: 09.10.2011 - 10:57Nairobi (RPO). Nach den jüngsten Entführungen von zwei Europäerinnen auf dem kenianischen Inselarchipel Lamu droht der Tourismusindustrie der Region eine Krise. Es habe bereits "massive Absagen" von Hotelbuchungen und einen "Exodus von Touristen" gegeben, berichtete die Zeitung "The Standard" am Mittwoch. Bewohner und Hoteliers warfen der Regierung vor, nicht genug zu tun, um die Sicherheit von Urlaubern zu gewährleisten.
Am vergangenen Wochenende hatten Kidnapper auf der Insel Manda eine Französin verschleppt. Knapp einen Monat zuvor war eine britische Touristin in einem Luxusresort in Lamu gekidnappt worden. Ihr Ehemann wurde von den Tätern erschossen. Von beiden Frauen fehlt jede Spur. Es wird vermutet, dass sie ins angrenzende Somalia gebracht wurden. Die Täter sollen der radikalislamischen Al-Schabaab-Miliz angehören.
Rund 500 Hotelangestellte hätten wegen des ausbleibenden Touristenstroms bereits entlassen werden müssen. "Wir sind schwer getroffen, weil Touristen aus der Region flüchten und Buchungen gecancelt werden", sagte der Hotelbesitzer Ghalib Alawi.
Polizisten patrouillieren vor Hotels
"Die Regierung muss die Sicherheitslage verbessern." Polizeichef Mathew Iteere war nach Lamu geflogen, um mit kenianischen Sicherheitskräften das weitere Vorgehen zu besprechen. Ein Regierungsmitarbeiter auf dem Archipel erklärte, Hoteliers seien aufgefordert worden, ihre Resorts nicht zu schließen und weiterzuarbeiten.
Vor den Hotels und Strandvillas patrouillierten nun rund um die Uhr Polizisten, erklärt der Tourismusminister Najib Balala. Weitere Beamte sollen die Grenze nach Somalia sichern, die geschlossen bleibt. Ein Hubschrauber soll 24 Stunden lang über dem grenznahen Küstenstreifen kreisen. Schiffe, die in Kenia einlaufen, würden strengsten Sicherheitschecks unterzogen.
Die Altstadt von Lamu mit der alten Suaheli-Architektur gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Das Archipel liegt rund 350 Kilometer nördlich von Mombasa.


