Sicherheitskurse: Training im Lawinencamp
VON SIMONE HÄFELE - zuletzt aktualisiert: 31.10.2009 - 10:25Düsseldorf (RP). Skifahren abseits der markierten Pisten findet immer mehr Anhänger. Wegen der damit verbundenen Gefahren gibt es in Österreich Sicherheitskurse für junge Snowboarder.
Die Pisten, und seien sie noch so schön und anspruchsvoll, haben ausgedient. Zumindest bei einem großen Teil der jungen Skifahrer und Snowboarder. Mit Boards, sogenannten Twin-Tips oder Freeride-Skiern sind sie im Gelände unterwegs, vor allem, wenn frischer Pulverschnee liegt. Haben vor ein paar Jahren noch Warnschilder und Absperrungen das Verlassen der Piste verboten, werben heute stattdessen viele Skigebiete mit unverspurten Tiefschneehängen und der Möglichkeit des Variantenfahrens angeboten. Freeriden ist längst Trend und Lebensgefühl geworden.
Doch wer sich abseits der markierten Pisten bewegt, sollte sich auch der Gefahren bewusst sein. Meldungen über tödliche Lawinenunfälle begleiten jede Wintersaison und verleihen dem coolen Gefühl der Freiheit eine bittere Note. Hundertprozentige Sicherheit gibt es in den Bergen nicht, das Risiko eines Lawinenabgangs besteht immer. Dieses Risiko lässt sich minimieren: durch Information, gute Vorbereitung, enstprechende Ausrüstung und bewusstes Verhalten.
Die SAAC - Snow & Avalanche Awareness Camps (Schnee-und Lawinen-Kenntnis-Camps) - haben sich das zur Aufgabe gemacht. 1998 wurden sie von dem Profi-Snowboarder Flow Daniaux und dem Innsbrucker Bergführer Klaus Kranebitter mit dem Ziel gegründet, Snowboarder, Skifahrer und Tourengeher für dieses Thema zu sensibilisieren und ihnen ein Basiswissen über Lawinen und Gefahren außerhalb des gesicherten Skiraumes zu vermitteln - das alles ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger und vor allem kostenlos. Insbesondere junge Skifahrer und Boarder ab 14 Jahren sollen sich angesprochen fühlen.
Gratisunterricht von lässigen Lehrern
Das Konzept der SAAC-Basis-Camps wurde schnell zum Erfolgsrezept. Im vergangenen Winter fanden bereits 45 dieser zweitägigen Camps in den österreichischen Alpen statt, die meisten von ihnen waren sofort ausgebucht. Dass Lawinenkunde nicht nur graue Theorie sein muss, erfahren die Teilnehmer gleich am ersten Tag. Mittels Videos, Fotos und Power Point präsentieren die Bergführer die wichtigsten Grundlagen fürs Freeriden. „Niemals alleine ins Gelände gehen!“, lautet zum Beispiel eine der Hauptregeln.
In drei Stunden lernen die Teilnehmer unter anderem, Lawinenbulletins zu analysieren, Wetter und Geländeformen richtig einzuschätzen und die passende Route und Ausrüstung zusammenzustellen. Und da die Lehrer selbst aus der Szene kommen und meistens genauso lässige Kerle sind wie SAAC-Mitbegründer Kranebitter, ernten sie bei den jungen Kursteilnehmern viel Sympathie und die entsprechende Aufmerksamkeit.
Erst am zweiten Tag geht es ins Gelände - selbstverständlich mit Schaufel, Lawinenpiepser und Sonde im Gepäck. Bevor der Freeride-Spaß losgehen kann, lernen die Kursteilnehmer den richtigen Umgang mit diesen Rettungsutensilien. Im bauchtiefen Schnee eine schweißtreibende Angelegenheit. Doch keiner muckt auf, denn inzwischen weiß jeder, dass der richtige Gebrauch der Gerätschaften über Leben und Tod entscheiden kann.
Außer den Basic-Camps veranstalten die SAAC-Macher auch sogenannte Snowhow-Kurse in Schulen und Saac’nd Step-Camps, die drei beziehungsweise fünf Tage dauern und auf den Basis-Lagern aufbauen. Jüngstes Mitglied der Familie ist das SAAC-CC (SAAC-Competence Center) in Warth in Vorarlberg, wo mehrere SAAC-Camps stattfinden.
Mit durchschnittlich elf Meter Neuschnee pro Jahr ist das Skigebiet Warth-Schröcken zu einem Lieblingsrevier der Freerider geworden. „Schneesicherheit und das ideale Gelände mit weiten Hängen und verspielten Kuppen und Mulden bieten außergewöhnlich gute Bedingungen für Freerider. Da zählen wir zu den Top-Gebieten der Alpen“, sagt Alois Bickl, gebürtiger Warther und Star der Freeride-Szene.
Die Verantwortlichen fühlen sich in der Pflicht. „Wir wollen nicht nur mit unserem tollen Gebiet werben, sondern auch etwas für die Sicherheit der Freerider tun“, erklärt Thomas Übelher, der Marketingleiter der Skilifte Warth. Die Kooperation mit SAAC sei daher eine logische Folge gewesen.
Info SAAC Basic Camps gibt es in Warth am 12./13. Dezember 2009, 09./10. Januar 2010, 23./24. Januar 2010 und am 27./28. Februar 2010. Weitere Termine und Infos im Internet www.snowworld.at und www.saac.at



