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Land bietet mehr als Traumstände: Unbekanntes Venezuela: Auf der Route der Befreier

zuletzt aktualisiert: 28.09.2009 - 08:48

Caracas (RPO). Wenn hier zu Lande von Venezuela als Reiseziel die Rede ist, geht es meist um die Traumstände an der Karibikküste oder auf der Insel Isla Margarita. Dabei hat das Land wesentlich mehr zu bieten: üppig grüne Vegetation oder die Felsterrassen an den Flanken der Anden.

 "Die Faszination der venezolanischen Anden liegt nicht in den atemberaubenden Höhen und schroffen Gebirgslandschaften wie in Peru, Bolivien oder Argentinien", sagt Josef Miller von der Arbeitsgemeinschaft Lateinamerika, einem Zusammenschluss von Reiseveranstaltern und Airlines. Es sei vielmehr der Gegensatz, der den Reiz ausmacht.

Stolz sind die Venezolaner vor allem auch auf ihre Geschichte. Simon Bolivar, der große Befreier Lateinamerikas - genannt Libertador - und bis heute schillerndste Figur des Subkontinents, wurde in der Hauptstadt Caracas geboren. Seinen Namen trägt nicht nur der höchste Gipfel des Landes Pico Bolivar. Ihm ist auch eine Route der Befreier durch die fantastische Bergwelt der Anden gewidmet, auf der der Reisende verschwiegene Bergdörfer und hübsche Kolonialstädte kennen lernen kann. Außerdem führt die Straße tief in die Geschichte Venezuelas und des einstigen Großkolumbien, das Bolivar von der spanischen Herrschaft befreien wollte und wofür er zumindest den Grundstein legte. Diese Route wird nun auch in Deutschland von Südamerika-Spezialisten angeboten.

"Zwei gut ausgebaute Straßen - die Transandina und die Panamericana - führen über Pässe und durch die Täler", erzählt Miller. Die Route der Befreier startet im Bundesstaat Táchira nahe der Grenze zu Kolumbien. Vom Nachbarland aus begann Bolivar Anfang 1813 seinen Eroberungszug bis nach Caracas. Durch zahlreiche Kaffeeplantagen führt der Weg nach La Grita. Dort steht auf der Plaza Sucre das Haus mit dem in Venezuela legendären Balcon de La Grita, von dem Bolivar am 17. April 1813 seine Landsleute zum Kampf gegen die Spanier aufrief. Legenden umwoben ist der Parque Cascada mit seinen zahlreichen Wasserfällen und Naturschwimmbädern. So soll der Wasserfall Cascada de la India entstanden sein, weil eine Indianerin so sehr über die Ermordung ihres Geliebten durch einen spanischen Eroberer weinte, dass der Fluss ihre Tränen nicht mehr fassen konnte.

Einsame Gehöfte in Nebelschleiern

In rund 2000 Metern Höhe liegt die Agrarlandschaft bei Tovar. Immer wieder verschwinden einsame Gehöfte in Nebelschleiern und tauchen kurz danach wieder auf. "Merida gilt als eine der schönsten Städte Venezuelas", schwärmt Miller. Das "Dach Venezuelas" liegt auf einer lang gestreckten Terrasse und wird überragt von den höchsten Bergen des Landes. Auf der heutigen Plaza Bolivar war der Nationalheld 1813 als Befreier Venezuelas von einer jubelnden Menge gefeiert worden, hier wurde ihm zu Ehren 30 Jahre später das erste Denkmal errichtet.

"Mit dem Teleférico von Merida - der höchsten Seilbahn der Welt - startet man am besten früh am Morgen auf den Pico Espejo", empfiehlt Miller. Spielt das Wetter mit, bietet sich ein wunderbarer Ausblick hinüber zum 5007 Meter hohen Pico Bolivar, zum Pico Humboldt und zum Pico Bompland. Über vier Stationen geht die Fahrt über eine Strecke von 12,5 Kilometern. Die Luft ist dünn und man tut daran, einen warmen Pullover einzupacken. In den frühen Morgenstunden trübt kaum eine Wolke den Himmel und der Besucher wird für das zeitige Aufstehen belohnt. Später am Tag haben Reisende oft nicht mehr so viel Glück.

Koloniale Stadtplanung

"Valera valerá" (Valera wird etwas wert sein) - so oder so ähnlich soll es Bolivar einmal ausgedrückt haben. Die Stadt ist wirtschaftliches Zentrum der Provinz Trujillo. An ihrem schachbrettartigen Straßenmuster ist bestens die typisch koloniale Stadtplanung zu erkennen. Von hier aus rief Bolivar am 15. Juni 1813 den "Krieg bis zum Tod" gegen Spanien aus. In der Avenida Bolivar findet der Besucher eine bildliche Darstellung dieses Ereignisses. Das Haus, in dem der Libertador das Dekret aufstellte, ist heute Museum. Unter anderen Kuriositäten findet sich hier auch das Bett Bolivars - ein Traum mit rotem Samthimmel und goldenen Fransen.

Von Trujillo aus geht die Route der Befreier noch weiter hinein in den Bundesstaat Lara und nach Barquisimeto. Und irgendwann heißt es dann, sich zurückzulehnen auf der Sonnenliege an einem der Bilderbuchstrände an der karibischen Küste und von dem Land zu träumen, das Simon Bolivar so liebte.

Quelle: ddp/chk

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